Historischer Machtwechsel in München: Grüne erobern erstmals Rathausspitze
Die bayerische Landeshauptstadt München hat am 22. März 2026 einen politischen Machtwechsel von historischer Dimension erlebt. Bei der spannenden Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt setzte sich der erst 35 Jahre alte Grünen-Kandidat Dominik Krause mit einem klaren Ergebnis von 56,4 Prozent der Stimmen durch. Er besiegte damit den langjährigen Amtsinhaber Dieter Reiter (67, SPD), der nach zwölf Jahren an der Rathausspitze abgewählt wurde.
Das Ende einer Ära: Reiter räumt Fehler ein und beendet Karriere
Noch während der Auszählung der Stimmen verkündete Dieter Reiter das Ende seiner politischen Laufbahn. „Ich hab's verbockt“, gestand der bisherige Oberbürgermeister ein. „Das Wahlergebnis ist meine Schuld. Es war mir eine Ehre, hier in dieser Stadt Oberbürgermeister sein zu dürfen. Das war's von mir.“
Reiters politischer Niedergang begann, als bekannt wurde, dass er seit Jahren Geld vom FC Bayern München für einen Posten im Verwaltungsbeirat des Vereins erhalten hatte, ohne sich dies – wie vorgeschrieben – vom Stadtrat genehmigen zu lassen. Nach massivem öffentlichem Druck trat er von diesem Posten sowie von einem gerade erst übernommenen Aufsichtsratsposten zurück und räumte Fehler im Umgang mit den Vereinsmandaten ein.
Jubel bei den Grünen: Krause verspricht frischen Wind
Bei der Wahlparty der Grünen brach lauter Jubel aus, als die erste Tendenz bekannt wurde. Der siegreiche Dominik Krause zeigte sich tief bewegen: „Vielen Dank München, für dieses große Vertrauen. Ich fühle mich sehr geehrt.“
Im Gegensatz zu Reiters persönlichkeitszentriertem Wahlkampf mit dem Slogan „München. Reiter. Passt“ hatte Krause deutlich mehr auf inhaltliche Themen gesetzt. Seine Schwerpunkte waren der Kampf gegen die Wohnungsnot und die hohen Mieten in der teuren Metropole sowie das Versprechen, frischen Wind ins Münchner Rathaus zu bringen.
Wahlverlauf: Dramatische Wende in letzter Minute
Die Wahl war so spannend wie seit Jahrzehnten nicht mehr in München. Noch im ersten Wahlgang am 8. März lag Reiter mit 35,6 Prozent deutlich vor Krause, der 29,5 Prozent erreichte. Allerdings hatte ein Großteil der Briefwähler bereits abgestimmt, bevor die Affäre um Reiters FC-Bayern-Mandate öffentlich bekannt wurde. Bei den am Wahltag selbst abgegebenen Stimmen lag Krause bereits vor zwei Wochen vor Reiter – ein Vorbote des kommenden Machtwechsels.
Historischer Einschnitt für die SPD
Das Wahlergebnis markiert einen historischen Einschnitt für die Sozialdemokraten in München. Seit 1948 war fast durchgängig ein SPD-Politiker Oberbürgermeister der Stadt. Die einzige Ausnahme bildeten die Jahre 1978 bis 1984, als der CSU-Politiker Erich Kiesl das Amt innehatte. Mit dem Sieg des 35-jährigen Dominik Krause endet nun diese jahrzehntelange Dominanz der Sozialdemokraten an der Spitze der bayerischen Landeshauptstadt.
Die Stichwahl in München hat nicht nur einen neuen Oberbürgermeister hervorgebracht, sondern auch die politische Landschaft der Stadt nachhaltig verändert. Die Grünen feiern ihren bislang größten Erfolg auf kommunaler Ebene in einer deutschen Großstadt, während die SPD eine schmerzhafte Niederlage einstecken muss.



