Münchens neuer Oberbürgermeister: Dominik Krause schreibt als erster Grüner Geschichte
Vor der Wahl um das Münchner Rathaus hatten viele dem Grünen-Kandidaten Dominik Krause nur geringe Chancen eingeräumt – doch an diesem historischen Sonntag schrieb der 35-Jährige tatsächlich Geschichte. Mit einem deutlichen Sieg über den lange als nahezu unbesiegbar geltenden Amtsinhaber Dieter Reiter von der SPD zieht Krause als erster Grüner überhaupt als Chef ins Münchner Rathaus ein. Aus dem Stellvertreter wird der Oberbürgermeister, was selbst in seinen eigenen Reihen als Sensation gefeiert wird.
Ein Wahltag voller Symbolik und Überraschungen
Um nichts dem Zufall zu überlassen, radelte Dominik Krause am Wahltag noch einmal zur Münchner Residenz, um einem Bronzelöwen am Eingang die Schnauze zu reiben – ein traditionelles Glücksritual, das er auf Instagram dokumentierte. Wenige Stunden später stand fest: Der Physiker und gebürtige Münchner hatte das Undenkbare geschafft. Bei der Wahlparty der Grünen, begleitet von Sprechchören und dem Wiesn-Kracher „Bella Napoli“, bezeichnete Krause den Erfolg als „irre“ und „Wahnsinn“. Er sprach von einem historischen Tag und bedankte sich für das gigantische Vertrauen der Münchner Bevölkerung.
Fairer Wahlkampf und inhaltliche Schwerpunkte
Im Gegensatz zu Reiters persönlichkeitszentriertem Wahlkampf, der an Angela Merkels „Sie kennen mich“ erinnerte, setzte Krause auf konkrete Inhalte. Sein Motto „Weil mehr geht“ unterstrich den Wunsch nach frischem Wind im Rathaus. Besonders im Fokus stand dabei das Thema bezahlbares Wohnen – Krause versprach 50.000 neue Wohnungen. Trotz der kontroversen Debatte um Reiters vergütete Mandate beim FC Bayern München blieb der Grünen-Politiker stets fair und griff seinen Konkurrenten nie persönlich an. Stattdessen betonte er die gute Zusammenarbeit und dankte Reiter öffentlich für dessen Engagement.
Von der Wiesn-Provokation zum Rathaus-Chef
Bundesweite Schlagzeilen machte Krause bereits 2023, als er kurz nach seinem Amtsantritt als Zweiter Bürgermeister das Münchner Oktoberfest als „weltweit größte offene Drogenszene“ bezeichnete. Diese Äußerung brachte ihm viel Aufmerksamkeit ein, doch im Wahlkampf trat er betont freundlich und zurückhaltend auf. Jetzt wird er als erster Grüner überhaupt die Wiesn eröffnen und das erste Fass anzapfen – eine ironische Wendung, die er mit Humor nimmt. Zwei Schläge vor der ersten Wiesn-Maß traut er sich durchaus zu, wie er während des Wahlkampfs verriet.
Persönliches und politisches Profil
Dominik Krause, der sich scherzhaft als „Bürgaymeister“ bezeichnet, lebt mit seinem Verlobten Sebastian, einem Arzt, im Stadtteil Giesing. Die beiden lernten sich bei einem Tanzkurs kennen, und Krause dankte nach seinem Wahlsieg besonders „der Liebe meines Lebens“. Sein politisches Engagement bei den Grünen begründet er mit Erlebnissen während einer Nazi-Demonstration in München. Als Hobbys nennt er Wandern, Klettern und Skifahren – Aktivitäten, die seine Verbundenheit mit der Natur und der Region unterstreichen.
Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Konfliktscheu ist Krause keineswegs. Als er sich 2024 öffentlich für eine Olympia-Bewerbung Münchens aussprach, stieß er viele Parteifreunde vor den Kopf. Auch setzte er im Wahlkampf auf Unterstützung durch Robert Habeck, was in Bayern ein gewisses Risiko darstellte. Kritikern, die ihn für zu jung halten, verweist er selbstbewusst auf Hans-Jochen Vogel, der mit 34 Jahren zum Münchner Oberbürgermeister gewählt wurde. Krause betont, dass er sich seiner neuen Aufgabe mit Demut und Respekt widmen will. Sein Ziel: ein weltoffenes und buntes München zu erhalten und die Stadt dynamischer zu gestalten.



