Neubrandenburg startet zweiten Versuch für Friedenstauben an Ortseingängen
Die Stadtvertretung in Neubrandenburg hat in ihrer jüngsten Sitzung einen zweiten Anlauf für die Aufstellung von Friedenstauben-Schildern an den Ortseingängen beschlossen. Mit 23 Ja-Stimmen, 12 Nein-Stimmen und 3 Enthaltungen fand der Vorschlag der Fraktionen BSW/BfN und Projekt NB erneut eine deutliche Mehrheit. Dieser Beschluss folgt auf einen früheren Versuch aus dem Oktober 2025, der damals ebenfalls eine Mehrheit erhielt, jedoch an rechtlichen Hürden scheiterte.
Spendenfinanzierte Umsetzung ohne Haushaltsbelastung
Die geplanten Schilder sollen eine weiße Friedenstaube auf blauem Grund zeigen und hinter den offiziellen Ortseingangsschildern an geeigneten Standorten platziert werden. Die Stadtverwaltung ist beauftragt, die Schilder zu beschaffen und aufzustellen, sobald ausreichend Spendenmittel eingegangen sind. Wichtig ist dabei, dass der städtische Haushalt durch dieses Projekt nicht belastet wird, was eine zentrale Bedingung für die Umsetzung darstellt.
Der erste Versuch im Oktober 2025 scheiterte an rechtlichen Bedenken: Ortstafeln gelten als Verkehrszeichen und dürfen grundsätzlich nicht mit zusätzlichen Symbolen ergänzt werden. Eine direkte Anbringung der Friedenstaube an den Ortsschildern wäre daher nicht zulässig gewesen. Die neue Lösung mit separaten Schildern hinter den Ortseingangsschildern soll dieses Problem umgehen.
Symbol für Demokratie und friedliches Miteinander
Die Initiatoren des Projekts reagieren mit ihrem Vorschlag auf zunehmende gesellschaftliche Polarisierung. Das Symbol der Friedenstaube soll für Demokratie, Menschenrechte und gewaltfreie Konfliktlösung stehen. Gleichzeitig dient es als Zeichen für ein friedliches Miteinander in der Neubrandenburger Stadtgesellschaft. Diese Debatte wurde durch eine frühere Symbolentscheidung ausgelöst: Im Jahr 2024 hatte die Stadtvertretung beschlossen, die Regenbogenfahne am Bahnhof nicht mehr zu hissen, was zum Rücktritt des damaligen Oberbürgermeisters Silvio Witt führte.
Kritik und alternative Vorschläge
Nicht alle Stadtvertreter sind von der Notwendigkeit der Friedenstauben-Schilder überzeugt. Die CDUplus-Fraktion betonte in einer Pressemitteilung ihr Engagement für den Frieden, äußerte jedoch Bedenken: Friedenssymbole an den Ortseingängen seien nicht notwendig, „um zu zeigen, dass die Einwohnerinnen und Einwohner der Vier-Tore-Stadt für Frieden, Weltoffenheit und Toleranz stehen“. Stattdessen schlug die Fraktion erneut vor, die Flagge des Städtenetzwerks „Mayors for Peace“ – eine weiße Friedenstaube auf grünem Grund – an mehreren Friedensgedenkterminen vor dem Rathaus zu hissen.
Dieser alternative Vorschlag fand in der Stadtvertretung jedoch keine Mehrheit. Stattdessen wurde beschlossen, dass an den entsprechenden Daten künftig die Friedenstauben-Fahne mit blauem Hintergrund vor dem Rathaus und dem Bahnhof wehen soll. Die Diskussion über Symbole und Flaggen im öffentlichen Raum bleibt in Neubrandenburg ein kontroverses Thema, das weiterhin die Gemüter bewegt.



