Exklusiv: Neue eklatante Widersprüche um Dieter Reiters Nebentätigkeit beim FC Bayern
Der Wirbel um die Nebentätigkeiten von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter beim FC Bayern reißt nicht ab. Wie die AZ nun in einem exklusiven Bericht erfahren hat, gibt es neue dokumentierte Widersprüche im Verhalten des SPD-Politikers. Während Reiter selbst seine jährlichen Einkünfte in Höhe von 20.000 Euro vom Fußballclub nicht genehmigen ließ, forderte er zeitgleich seine eigenen Referenten per Brief auf, ihre Nebentätigkeiten offenzulegen.
Der Brief an die Referenten
Der AZ liegt ein persönlich unterschriebener Brief von Dieter Reiter vor, datiert auf den 3. Februar 2026. In diesem Schreiben fordert der Oberbürgermeister seine Referenten explizit auf, Vergütungen aus Nebentätigkeiten zu melden – sofern diese mehr als 10.387,74 Euro im Jahr betragen. „Eine entsprechende Meldung (...) bitte ich mir, möglichst bis zum 20.3.2026 zuzuleiten“, schreibt Reiter in dem Dokument.
Reiters eigene Nebeneinkünfte
Nur vier Tage nach diesem Brief, am 7. Februar, teilte der FC Bayern mit, dass Dieter Reiter zum Chef des Verwaltungsbeirats ernannt wird. Laut Klubsatzung bedeutet diese Position automatisch auch die Mitgliedschaft im Aufsichtsrat. Reiter gab am Donnerstag zu, seit 2021 jährlich 20.000 Euro vom FC Bayern für diesen Posten erhalten zu haben. Vor 2025 waren alle Nebeneinkünfte ab dem ersten Euro genehmigungspflichtig, seitdem gilt eine Grenze von 10.000 Euro pro Jahr.
Widersprüchliche Aussagen
In einer offiziellen Mitteilung schrieb Reiter: „Dass dadurch eine Genehmigung des Stadtrats notwendig gewesen wäre, war mir nicht bewusst. Ich kann mir aber auch kaum vorstellen, dass der Stadtrat eine solche Tätigkeit unterbunden hätte.“ Bereits am Mittwoch hatte der Oberbürgermeister im Stadtrat erwirkt, dass die Debatte um seine Nebentätigkeiten vertagt wird – mit dem Argument, der Sachverhalt müsse juristisch erst noch geprüft werden.
Doppelmoral wird deutlich
Die neuen Dokumente zeigen nun deutlich: Während Dieter Reiter von seinen Mitarbeitern Transparenz bei Nebentätigkeiten verlangte, handelte er bei seinen eigenen Einkünften vom FC Bayern anders. Der Brief an die Referenten beweist, dass dem Oberbürgermeister die Regelungen zu Nebentätigkeiten durchaus bekannt waren. Uli Hoeness und Dieter Reiter sind beide Aufsichtsratsmitglieder des FC Bayern, doch die politischen Implikationen betreffen ausschließlich den Oberbürgermeister.
Die Widersprüche in Reiters Verhalten werfen ernste Fragen zur Glaubwürdigkeit des Münchner Stadtoberhaupts auf. Während er selbst die notwendigen Genehmigungen für seine Nebeneinkünfte nicht einholte, bestand er bei seinen Referenten auf strikter Einhaltung der Meldevorschriften. Diese doppelten Standards könnten das Vertrauen in die städtische Verwaltung nachhaltig beschädigen.



