Nach dem ersten Wahlgang am 12. April sorgten Server-Probleme für eine wackelige elektronische Ergebnisübertragung. Sebastian Ehlers nutzte die Gelegenheit für ein Versprechen: Als Oberbürgermeister werde es solche Pannen nicht mehr geben. Nun hat der CDU-Politiker die Stichwahl am 26. April mit 54 Prozent der Stimmen gewonnen und wird neuer Chef im Schweriner Rathaus.
Ehlers: Vom Favoriten zum Wahlsieger
Der 43-jährige Ehlers galt bei vielen Beobachtern von Anfang an als Favorit. Seine politische Karriere begann in der Schüler- und Studentenzeit. Seit 2004 sitzt er in der Stadtvertretung, seit 2019 ist er Stadtpräsident und gehört zudem dem Landtag an. Bestens vernetzt in der Stadt, erhielt er im Wahlkampf auch Unterstützung über die Grenzen seiner Partei hinaus. Dass er als Kandidat des Establishments antrat, schadete ihm nicht.
Mandy Pfeifer erzielt Achtungserfolg
Die gemeinsame Kandidatin von SPD und Linken, Mandy Pfeifer, erreichte in der Stichwahl 46 Prozent der Stimmen – ein Achtungserfolg. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hatte sich für Pfeifer eingesetzt, konnte den Sieg des CDU-Bewerbers in der Landeshauptstadt jedoch nicht verhindern. Dies geschieht knapp ein halbes Jahr vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern.
AfD und andere Kandidaten
Die AfD hatte sich von der OB-Wahl ein Signal für die Landtagswahl erhofft, doch ihre Kandidatin Petra Federau landete im ersten Wahlgang nur auf Platz drei. Dabei spielte womöglich ihre Vergangenheit eine Rolle, da sie als Leiterin eines Escort-Services junge Frauen in arabische Länder vermittelt haben soll. Die Wahl wurde zu einem Sieg der demokratischen Mitte. Der parteilose Einzelbewerber Heiko Steinmüller band offenbar Stimmen Unzufriedener an sich. Auch Massimo de Matteis (Volt), Dr. Aileen Wosniak (ASK) und der liberale Einzelbewerber Lars Schubert erzielten Sichtbarkeit für ihre Themen.
Herausforderungen für den neuen Oberbürgermeister
Schwerin braucht nach der Wahl auch einen neuen Stadtpräsidenten. Hinter den Kulissen laufen bereits Gespräche. Wahlsieger Ehlers muss nun beweisen, dass er nicht nur repräsentieren, sondern als Verwaltungschef regieren kann. Spannend wird das Verhältnis zur Stadtvertretung – sein Vorgänger Rico Badenschier (SPD) war daran gescheitert. Im Wahlkampf verteilte Ehlers kleine Basti-Figuren zum Zusammenbauen und einen Multifunktionsflaschenöffner als „Problemlöser-Basti“. Jetzt ist er als Problemlöser gefordert: Schwerin steckt tief in den roten Zahlen und hat ein ungelöstes Segregationsdilemma mit großer Kluft zwischen Arm und Reich.



