Eklat in Bremen: Politikerinnen posieren mit Koffern von NS-Opfern für Feierabend-Foto
Politikerinnen posieren mit Koffern von NS-Opfern für Foto

Skandal in der Bremer Bürgerschaft: Feierabend-Foto mit Koffern von NS-Verfolgten

Ein scheinbar harmloser Feierabend-Schnappschuss hat in der Bremer Politik einen handfesten Eklat ausgelöst. Die SPD-Abgeordnete Katharina Kähler (47) und die Bürgerschafts-Vizepräsidentin Sahhanim Görgü-Philipp (56, Grüne) posierten auf einem inzwischen gelöschten Instagram-Foto fröhlich mit Original-Koffern von Holocaust-Verfolgten. Die Aufnahme entstand nach einer Bürgerschaftssitzung im Haus der Bürgerschaft, wo aktuell die Ausstellung „Das Unvorstellbare zeigen – Comics gegen das Vergessen“ zu sehen ist.

Kritik von allen Seiten: „An Pietätlosigkeit nicht zu überbieten“

Die Reaktionen auf das Foto fielen scharf aus. Frank Imhoff (57) von der CDU kritisierte im „Weser Kurier“ insbesondere die Bürgerschafts-Vizepräsidentin: „Gerade von ihr erwarten wir ein besonderes Bewusstsein für die Würde des Amtes und den sensiblen Umgang mit der Erinnerungskultur.“ Noch deutlicher wurde FDP-Fraktionschef Thore Schäck (41), der das Foto gegenüber BILD als „an Pietätlosigkeit nicht zu überbieten“ bezeichnete. Er sprach von einer „Verhöhnung von Holocaust-Flüchtlingen“, die absolut inakzeptabel sei.

Die Ausstellung, in deren Rahmen die Koffer ausgestellt waren, dokumentiert mit gezeichneten Geschichten und originalen Gegenständen Verfolgung und Leid unter der NS-Diktatur. Die politisch Verantwortlichen hätten eigentlich für einen würdevollen Umgang mit diesen Zeugnissen der Geschichte sorgen müssen.

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Entschuldigungen und Eingeständnis eines „Augenblicksaussetzers“

Bereits am Freitagmittag reagierte Bürgerschafts-Vizepräsidentin Görgü-Philipp auf Instagram. Sie bezeichnete die Veröffentlichung des Fotos als „unangemessen“ und „dumm“ und bat um Entschuldigung. Ein Sprecher der Grünen-Fraktion kündigte an, den Vorfall in der kommenden Fraktionssitzung zu besprechen.

SPD-Abgeordnete Katharina Kähler äußerte sich auf BILD-Anfrage zerknirscht: „Das Ganze tut mir aufrichtig leid. Es war ein völliger Augenblicksaussetzer. In der Situation habe ich nicht realisiert, dass die Koffer Ausstellungsstücke sind.“ Sie räumte ein, dass ihr Verhalten „vollkommen unangemessen, respektlos und verletzend“ gewesen sei, und entschuldigte sich zutiefst bei allen Betroffenen.

Debatte über Erinnerungskultur und politische Sensibilität

Der Vorfall wirft grundsätzliche Fragen zum Umgang mit historischen Zeugnissen des Nationalsozialismus auf. Die Koffer, die einst Verfolgten auf der Flucht vor dem NS-Regime gehörten, sind nicht nur Ausstellungsstücke, sondern persönliche Relikte unermesslichen Leids. Dass ausgerechnet Politikerinnen, die für die Gestaltung der Erinnerungskultur mitverantwortlich sind, diese Objekte für einen lockeren Feierabend-Gruß instrumentalisierten, wird von vielen als besonders schwerwiegender Fehler gewertet.

Die Entschuldigungen der Beteiligten wurden zwar zur Kenntnis genommen, doch die Diskussion über die notwendige Sensibilität im politischen Raum dürfte damit nicht beendet sein. Der Vorfall zeigt, wie schnell selbst vermeintlich unverfängliche Handlungen in sozialen Medien zu schwerwiegenden Fehltritten werden können, wenn historischer Kontext und angemessener Respekt außer Acht gelassen werden.

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