Dieter Reiter: Münchens OB kassierte 80.000 Euro von FC Bayern ohne Genehmigung
Reiter: 80.000 Euro von FC Bayern ohne Genehmigung

Münchens Oberbürgermeister in der Kritik: 80.000 Euro vom FC Bayern ohne Genehmigung

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) steht nach neuen Enthüllungen massiv in der Kritik. Wie jetzt bekannt wurde, hat der Politiker jahrelang Geld vom FC Bayern München erhalten, ohne dafür die erforderliche Genehmigung des Stadtrats eingeholt zu haben. Die Summe beläuft sich nach eigenen Angaben Reiters auf mindestens 80.000 Euro.

Jahrelange Zahlungen ohne Genehmigung

Reiter räumte am Donnerstag ein, dass er seit Ende 2021 für seine Tätigkeit im Verwaltungsbeirat des FC Bayern eine Aufwandsentschädigung von 20.000 Euro jährlich erhalten hat. „Die Bedingungen wurden geändert und die Tätigkeit ab Ende 2021 mit einer Aufwandsentschädigung von 10.000 Euro im Halbjahr vergütet“, erklärte der Oberbürgermeister in einer Mitteilung. Das Problem: Für diese Nebentätigkeit hätte er laut eigener Aussage eine Genehmigung des Stadtrats benötigt – diese lag jedoch nicht vor.

Besonders pikant: Während Reiter das Geld annahm, verzichteten andere Mitglieder des gleichen Gremiums auf die Vergütung. Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD), der wie Reiter der SPD angehört, ließen die Zahlungen aus. Auch der ehemalige Bürgermeister Josef Schmid (CSU) gibt transparent an, 20.000 Euro jährlich zu erhalten.

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Juristische Konsequenzen drohen

Rechtsexperte Professor Thomas Spitzlei von der Universität Bayreuth bewertet die Situation als ernst. „Vor 2025 waren alle vergüteten Tätigkeiten genehmigungspflichtig“, erklärt der Jura-Professor. Da Reiter seit 2021 Geld erhalten habe, liege ein Verstoß gegen dienstrechtliche Pflichten vor.

Spitzlei nennt mögliche Konsequenzen: „In diesem Fall dürfte ein Verweis nicht mehr ausreichen, sondern eine Geldbuße oder eine befristete Kürzung der Dienstbezüge wären mögliche Disziplinarmaßnahmen.“ Das Spektrum reiche theoretisch bis zum Verlust des Beamtenstatus, was im vorliegenden Fall aber unwahrscheinlich sei.

Der Jurist stellt klar: „Wir reden hier nicht über einen 22-jährigen Berufsanfänger, sondern über den Oberbürgermeister der größten Kommune Bayerns. Eine völlige Blauäugigkeit kann man ihm da nicht durchgehen lassen.“

Reiters widersprüchliche Aussagen

Die Affäre gewann an Fahrt, als Reiter in einer Stadtratssitzung behauptete, noch nicht offizielles Mitglied im Aufsichtsrat des FC Bayern zu sein. Dokumente des Amtsgerichts bewiesen das Gegenteil. Wenige Stunden später korrigierte sich der Oberbürgermeister – er habe von der Wahl noch nicht gewusst.

Auf dem Nockherberg zeigte sich Reiter gelassen: „Für mich ist das ein entspannter Abend“, sagte er, bevor er den Saal betrat. Am nächsten Morgen im Radio-Interview gab er sich unbeeindruckt: „Ich bin stolz, Aufsichtsrat beim FC Bayern zu sein. Und alles andere ist Klamauk und ist mir komplett egal.“

Politische Reaktionen

Während CSU-Chef Manuel Pretzl und OB-Kandidat Clemens Baumgärtner zunächst eine Prüfung im Rathaus abwarten wollen, zeigen sich andere Parteien kritischer. Grünen-Rathaus-Chef Sebastian Weisenburger fordert: „Die Regeln müssen für alle gelten, auch für den Oberbürgermeister. Er muss endlich alle Fakten auf den Tisch legen.“

Die ÖDP prüft konkrete Schritte für ein Disziplinarverfahren bei der Regierung von Oberbayern. Uli Hoeneß, früherer Bayern-Präsident und aktuelles Aufsichtsratsmitglied, verteidigte Reiter hingegen scharf: „Das ist lächerlich! Das ist typisch Deutschland. Dieter Reiter macht nichts Unmoralisches.“

Reiters Rechtfertigung

In seiner Mitteilung behauptet Reiter, nicht gewusst zu haben, eine Genehmigung zu benötigen. Er könne sich „kaum vorstellen, dass der Stadtrat eine solche Tätigkeit unterbunden hätte“. Die Aufwandsentschädigung sei „zu keinem Zeitpunkt“ verheimlicht und immer ordnungsgemäß versteuert worden. Eine rechtliche Prüfung sei in Auftrag gegeben.

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Eine Entschuldigung fehlt in der Stellungnahme. Stattdessen macht Reiter die Nähe zum Wahltag für die Aufregung verantwortlich: „Dass wir heute so aufgeregt über einen seit Wochen bekannten Vorgang sprechen, ist sicher auch der Nähe zum Wahltag geschuldet.“ Er hoffe, dass „wir die Sache ab Montag wieder vernünftig miteinander besprechen können“.

Die Regierung von Oberbayern als Aufsichtsbehörde der Stadt München wird das Ganze prüfen müssen. Für Reiter, der seit Anfang der 1980er Jahre für das Münchner Rathaus arbeitet, ist die Debatte damit noch lange nicht beendet.