Münchens OB Reiter tritt von FC Bayern-Ämtern zurück und spendet Vergütungen
Im Vorfeld der Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt in München hat Dieter Reiter (SPD) eine weitreichende Entscheidung getroffen. Der amtierende Rathauschef gab bekannt, dass er seine Positionen im Aufsichtsrat und Verwaltungsbeirat des FC Bayern München mit sofortiger Wirkung niederlegt. Diese Ämter hatten in den vergangenen Wochen für erhebliche Kontroversen gesorgt, nachdem bekannt wurde, dass Reiter seine jährliche Vergütung von rund 20.000 Euro nicht ordnungsgemäß beim Stadtrat angegeben hatte.
Klingbeil springt Reiter im Wahlkampf zur Seite
In dieser kritischen Phase erhielt Reiter prominente Unterstützung von seinem Parteikollegen Lars Klingbeil. Der SPD-Parteivorsitzende und Vizekanzler äußerte sich in einem Interview mit der Welt am Sonntag positiv über den Münchner Oberbürgermeister. Klingbeil betonte, Reiter habe mit seinem Rücktritt von den Bayern-Mandaten eine klare und transparente Entscheidung getroffen, die Vertrauen schaffe.
Der SPD-Chef bezeichnete Reiter als „hervorragenden Oberbürgermeister für die Stadt München und ihre Bürgerinnen und Bürger“ und zeigte sich zuversichtlich, dass sich dieser in der anstehenden Stichwahl gegen seinen grünen Herausforderer Dominik Krause durchsetzen werde. Diese Stellungnahme kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Reiters Beliebtheit nach der ersten Wahlrunde gelitten hatte, in der er nur 35,6 Prozent der Stimmen erhielt.
Reiters umfassende Rücktrittserklärung und Spendenaktion
In einer detaillierten Erklärung begründete Reiter seinen Schritt mit dem hohen Stellenwert des Bürgervertrauens. „Das Vertrauen der Münchnerinnen und Münchner steht für mich über allem“, erklärte der Oberbürgermeister. Er räumte ein, dass ihm in den vergangenen Tagen deutlich gemacht worden sei, eine eindeutige und unzweifelhafte Entscheidung treffen zu müssen.
Neben dem Rücktritt kündigte Reiter an, die gesamten Vergütungen aus seiner Tätigkeit im Verwaltungsbeirat in Höhe von 90.000 Euro an soziale Projekte zu spenden. Dieser Betrag, den er seit 2021 erhalten und ordnungsgemäß versteuert habe, soll folgenden Initiativen zugutekommen:
- Das Projekt Mini München, das spielerisch Demokratie und Stadtleben fördert.
- Der Verein „Bunt kickt gut“, der sich für Integration und Zusammenhalt durch Sport einsetzt.
Reiter betonte, dass weitere Fragen zu seiner Nebentätigkeit in einer Beschlussvorlage für den Stadtrat sowie gegenüber der Regierung von Oberbayern beantwortet werden sollen. Diese umfassende Transparenzmaßnahme soll mögliche Zweifel an seiner Integrität ausräumen.
Hintergrund der Kontroverse und politische Auswirkungen
Die Debatte um Reiters Nebentätigkeit beim FC Bayern hatte im Kommunalwahlkampf erheblich an Fahrt aufgenommen. Kritiker wiesen darauf hin, dass der Oberbürgermeister nicht nur den Stadtrat hätte konsultieren müssen, bevor er in den Aufsichtsrat des Vereins gewählt wurde, sondern auch seine Einkünfte aus dem Verwaltungsbeirat nicht genehmigen ließ. Vor 2025 waren alle Nebeneinkünfte ab dem ersten Euro genehmigungspflichtig, inzwischen gilt eine Grenze von 10.000 Euro pro Jahr.
Reiters schlechtes Abschneiden in der ersten Wahlrunde, bei der er sogar von seinem zweiten Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) an der Wahlurne übertrumpft wurde, wird maßgeblich auf diese Kontroverse zurückgeführt. In einem Interview mit dem BR-Politikmagazin „Kontrovers“ hatte Reiter zuvor angedeutet, über einen Rücktritt von den Bayern-Mandaten nachzudenken, um seine Glaubwürdigkeit wiederherzustellen.
Mit der nun getroffenen Entscheidung und der Unterstützung durch Lars Klingbeil positioniert sich Reiter deutlich vor der Stichwahl. Er kündigte an, den Münchnern in den kommenden Tagen auf der Straße Rede und Antwort stehen zu wollen, um das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. Die politische Landschaft in München bleibt somit gespannt, ob diese Maßnahmen ausreichen, um die Wählerschaft zu überzeugen und Reiter im Amt zu halten.



