Dieter Reiter verliert OB-Wahl in München: Eine bittere Niederlage für die SPD
Es war ein bitterer Abend für Dieter Reiter und die Münchner Sozialdemokratie. Der amtierende Oberbürgermeister verlor die Wahl deutlich gegen seinen Herausforderer Dominik Krause von den Grünen und erzielte nur 43,6 Prozent der Stimmen. Damit endet nicht nur Reiters Amtszeit, sondern nach eigenen Angaben auch seine gesamte politische Karriere.
Ein selbstkritischer Abschied im Oberangertheater
„Es ist ein bitterer Abend für mich“, begann Reiter seine kurze Abschiedsrede im Oberangertheater, wo die SPD eigentlich einen Wahlsieg feiern wollte. Stattdessen musste die Partei eine deutliche Niederlage hinnehmen. „Ich hab’s verbockt. Es ist meine Schuld“, gestand der scheidende Oberbürgermeister und verließ nach weniger als zwei Minuten Redezeit das Theater mit seiner Frau Petra.
SPD-Fraktionschefin Anne Hübner zeigte sich ebenfalls bestürzt: „Als Sozialdemokratin bin ich Niederlagen gewohnt, aber noch nie hat eine so weh getan. Für die SPD war es immer selbstverständlich, dass wir den Oberbürgermeister stellen. Vielleicht war es zu selbstverständlich.“
Die FC-Bayern-Debatte als entscheidender Faktor
Ein zentraler Grund für Reiters Niederlage war die öffentlich gewordene Nebentätigkeit beim FC Bayern München. Der Oberbürgermeister hatte jährlich 20.000 Euro für seine Tätigkeit im Verwaltungsbeirat des Fußballclubs erhalten, ohne diese vom Stadtrat genehmigen zu lassen. Zudem ließ er sich in den Aufsichtsrat wählen, wo noch höhere Bezüge lockten.
Reiters Umgang mit der Affäre verschlimmerte die Situation:
- Er verlachte zunächst kritische Nachfragen im Stadtrat
- Er nannte den Chef der Linken, Stefan Jagel, einen „Spaßvogel“
- Er behauptete zunächst, nur als Gast in der Aufsichtsratssitzung gewesen zu sein
- Erst Tage später rückte er mit der Wahrheit heraus
Obwohl Reiter später von seinen Ämtern beim FC Bayern zurücktrat und das erhaltene Geld spendete, hatte der Vertrauensverlust bei den Wählern bereits irreparable Schäden angerichtet.
Mangelnder Wahlkampf und einsame Entscheidungen
Doch nicht nur die FC-Bayern-Affäre führte zur Niederlage. SPD-Mitglieder kritisieren Reiters mangelnden Wahlkampfeinsatz und seine zunehmend isolierte Entscheidungsfindung.
Markus Lutz, Chef des Sendlinger Bezirksausschusses, analysiert: „Dieter Reiter hat in den vergangenen Monaten einsame Entscheidungen getroffen. Wenn er den Wahlkampf der vergangenen zwei Wochen vorher gemacht hätte, wäre es wohl anders ausgegangen. Ein OB muss auf die Straße gehen.“
Weitere problematische Entscheidungen Reiters:
- Das Hin und Her bei Tempo 30 auf der Landshuter Allee
- Die plötzliche Abkehr von den „Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen“ (SEM) per Pressemitteilung
- Seine Aussage, das SPD-Wahlprogramm nicht genau gelesen zu haben
Die SPD blickt nach vorn
Trotz der herben Niederlage zeigt sich die Münchner SPD zuversichtlich für die Zukunft. Bürgermeisterin Verena Dietl betont: „Die Münchner Sozialdemokratie hat noch mehr zu bieten als Dieter Reiter.“ Sie erinnert an ihr persönlich gutes Ergebnis bei der Wahl vor zwei Wochen.
SPD-Chef Christian Köning zieht historische Parallelen: „1978 verlor die SPD schon einmal eine OB-Wahl – damals wegen internen Streitigkeiten. Diesmal aufgrund mangelnden Vertrauens und mangelnder Glaubwürdigkeit.“ Damals eroberte die SPD das Rathaus nach sechs Jahren zurück, und Köning ist zuversichtlich, dass dies wieder gelingen kann.
Dominik Krause übernimmt die Verantwortung
Der Wahlsieger Dominik Krause wird der erste grüne Oberbürgermeister Münchens. Die SPD signalisiert Kooperationsbereitschaft, macht aber deutlich, dass sie in der Opposition konstruktiv mitarbeiten wird. „Er muss jetzt darlegen, für wen mehr gehen soll“, sagt Köning mit Blick auf die schwierige finanzielle Lage der Stadt.
Bürgermeisterin Dietl formuliert es direkter: Auch wenn Krause die Regierung bilden müsse – verwehren werde sich die SPD bestimmt nicht. Grüne, SPD und Volt verfügen über eine gemeinsame Mehrheit, und die Sozialdemokraten wollen weiter regieren – wenn auch ohne Dieter Reiter als Oberbürgermeister.
Die Wahl markiert einen historischen Einschnitt in der Münchner Stadtpolitik und zeigt, wie wichtig Transparenz, Glaubwürdigkeit und kontinuierlicher Dialog mit den Bürgern für politischen Erfolg sind.



