Dieter Reiter abgewählt: FC-Bayern-Affäre und Wahlkampf-Verweigerung als Gründe für historische SPD-Niederlage
Reiters Abwahl: FC-Bayern-Affäre und fehlender Wahlkampf als Gründe

Historische Niederlage für Münchens SPD: Dieter Reiter als Oberbürgermeister abgewählt

Es war ein bitterer Abend für Dieter Reiter und die Münchner Sozialdemokratie. Im Oberangertheater, wo die SPD eigentlich einen Wahlsieg feiern wollte, herrschte stattdessen betretenes Schweigen. Der amtierende Oberbürgermeister Dieter Reiter hat die Wahl deutlich verloren und kommt nur auf 43,6 Prozent der Stimmen. Sein Herausforderer Dominik Krause von den Grünen wird damit der neue Stadtoberhaupt Münchens.

„Es ist ein bitterer Abend für mich“, begann Reiter seine kurze Rede auf der Bühne, die nach nicht einmal zwei Minuten bereits endete. Deutlich sichtbar getroffen von dem Ergebnis übernahm er die Verantwortung: „Ich hab’s verbockt. Es ist meine Schuld“. Anschließend kündigte er das Ende seiner politischen Karriere an und verließ mit seiner Frau Petra das Theater.

Die FC-Bayern-Affäre als erster großer Dämpfer

Bereits im ersten Wahlgang am 8. März hatte Reiter mit 35,6 Prozent sein persönlich schlechtestes Ergebnis eingefahren – das schwächste aller SPD-OB-Kandidaten seit 1952. Ein wesentlicher Grund dafür war die öffentlich gewordene FC-Bayern-Affäre. Reiter hatte für seine Tätigkeit im Verwaltungsbeirat des Fußballclubs jährlich 20.000 Euro Nebeneinkünfte bezogen, ohne diese vom Stadtrat genehmigen zu lassen.

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Zudem ließ er sich in den Aufsichtsrat des FC Bayern wählen, wo deutlich höhere Vergütungen lockten – wiederum ohne Genehmigung. Als der Linken-Chef Stefan Jagel im Stadtrat nachfragte, verlachte Reiter ihn und nannte ihn einen „Spaßvogel“. Erst Tage später rückte er scheibchenweise mit der Wahrheit heraus, trat von seinen Ämtern beim FC Bayern zurück und kündigte an, die erhaltenen 90.000 Euro zu spenden.

Wahlkampf-Verweigerung und einsame Entscheidungen

Doch die FC-Bayern-Debatte war nicht der einzige Grund für die historische Niederlage. Reiters zögerliche Wahlkampfhaltung und sein Führungsstil spielten eine entscheidende Rolle. Noch kurz vor Weihnachten hatte er gegenüber der AZ erklärt, er brauche keinen intensiven Wahlkampf zu führen – sein Gesicht auf Plakaten und ein „Passt“ würden reichen.

Erst in der letzten Woche vor der Wahl startete Reiter einen Turbo-Wahlkampf mit Rosen-Verteil-Aktionen an Einkaufszentren, Wochenmärkten und U-Bahn-Stationen. Doch das reichte nicht mehr aus, um die Wähler zu überzeugen. „Wenn Dieter Reiter den Wahlkampf der vergangenen zwei Wochen vorher gemacht hätte, wäre es wohl anders ausgegangen“, analysiert Markus Lutz, Chef des Sendlinger Bezirksausschusses.

Weitere Probleme waren Reiters einsame Entscheidungen:

  • Das Hin und Her bei Tempo 30 auf der Landshuter Allee
  • Die plötzliche Abkehr von den „Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen“ (SEM) per Pressemitteilung
  • Seine fehlende Bereitschaft, das SPD-Wahlprogramm zu kennen („Da haben Sie das Wahlprogramm besser gelesen als ich“)

„Noch nie hat eine Niederlage so weh getan“

Für die SPD-Fraktion ist die Niederlage besonders schmerzhaft. „Als Sozialdemokratin bin ich Niederlagen gewohnt“, sagt Fraktionschefin Anne Hübner, „aber noch nie hat eine so weh getan. Für die SPD war es immer selbstverständlich, dass wir den Oberbürgermeister stellen. Vielleicht war es zu selbstverständlich.“

SPD-Wirtschaftsreferent Christian Scharpf glaubt, dass die Münchner trotz der guten Lage der Stadt eine Veränderung, einen Aufbruch und einen jüngeren Kandidaten wollten. Die FC-Bayern-Geschichte sei nicht allein schuld gewesen, sondern Teil eines größeren Problems.

Die Zukunft der Münchner SPD

Kein SPDler im Oberangertheater schien an diesem Abend persönliches Mitleid mit Reiter zu haben. Bürgermeisterin Verena Dietl betonte: „Die Münchner Sozialdemokratie hat noch mehr zu bieten als Dieter Reiter.“ Sie verwies auf ihr eigenes gutes Ergebnis bei der Wahl vor zwei Wochen.

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SPD-Chef Christian Köning erinnerte daran, dass die Partei 1978 bereits einmal eine OB-Wahl verloren hatte – damals wegen internen Streitigkeiten, diesmal aufgrund mangelnden Vertrauens und fehlender Glaubwürdigkeit. Damals eroberte die SPD das Rathaus nach sechs Jahren zurück, und Köning gibt sich zuversichtlich, dass dies wieder gelingen kann.

Für die unmittelbare Zukunft betont die SPD ihre Regierungsbereitschaft. Grüne, SPD und Volt verfügen über eine Mehrheit im Stadtrat, und die Sozialdemokraten wollen weiter regieren – wenn auch ohne Oberbürgermeister Dieter Reiter. Die Verantwortung liege nun bei Dominik Krause, der Prioritäten setzen müsse, besonders angesichts der angespannten finanziellen Lage der Stadt.