Dieter Reiters FC-Bayern-Posten: Stadtrat will noch vor OB-Wahl Aufklärung
Reiters FC-Bayern-Job: Stadtrat fordert vor Wahl Aufklärung

Dieter Reiters Doppelfunktion beim FC Bayern entfacht politisches Feuer

Die politische Landschaft in München gerät durch eine Personalie in Bewegung: Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat eine Top-Position beim FC Bayern München übernommen. Als Verwaltungsbeiratsvorsitzender ist er nun auch Vorsitzender des wichtigen Aufsichtsrates des Vereins. Was Reiter selbst als private Tätigkeit ohne Interessenskonflikte darstellt, entfacht im Stadtrat und sogar in seiner eigenen Koalition erhebliche Kritik.

Politische Unruhe wächst vor der OB-Wahl

Zunächst schien die Debatte um Reiters Engagement beim FC Bayern nur langsam Fahrt aufzunehmen. Doch nun könnte sie für den Oberbürgermeister unangenehm werden. Nachdem zunächst die Linkspartei einen Rücktrittsantrag stellte, folgten kritische Anfragen von ÖDP und München-Liste. Besonders brisant: Auch Reiters eigener Koalitionspartner, die Münchner Grünen, geht auf Distanz und fordert volle Transparenz.

Florian Siekmann, Münchner Grünen-Chef, äußerte sich deutlich: "Dieter Reiter sollte bereits den bloßen Anschein eines Interessenkonfliktes ausräumen und gegenüber dem Stadtrat für Transparenz sorgen." Dazu müsse der OB offenlegen, welche Vergütung er als Aufsichtsrat erhält und über welche Geschäfte der privaten Aktiengesellschaft er mitentscheidet.

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Die 10.000-Euro-Grenze und die Genehmigungspflicht

Im Zentrum der Debatte steht die Frage nach Reiters Bezügen und einer möglichen Genehmigungspflicht. Nach Informationen der AZ gilt in der Regierung von Oberbayern die interne Einordnung, dass bezahlte Nebentätigkeiten eines Oberbürgermeisters genehmigungspflichtig sind, wenn sie mehr als zehn Stunden wöchentlich beanspruchen oder die Gesamtvergütung 10.000 Euro im Jahr übersteigt.

Während der Zeitrahmen für Reiters Posten – das Gremium tagt nur einmal pro Quartal – die Grenze wohl nicht sprengt, wird es bei der Vergütung interessanter. Der FC Bayern hüllt sich zwar in Schweigen bezüglich der Aufsichtsratsbezüge, doch eine Referenz existiert: Der damalige Audi-Vorstand Markus Duessmann erhielt für das Geschäftsjahr 2023 eine Vergütung von 75.000 Euro – deutlich über der 10.000-Euro-Marke.

Die entscheidende Frage an Reiters Büro, ob seine Bezüge definitiv unter dieser Grenze liegen, blieb am Donnerstag unbeantwortet.

Stadtrat will noch vor der Wahl Klarheit

Die politische Dynamik hat nun zu konkreten Konsequenzen geführt: Die Stadtrats-Linke hat am Freitag einen Dringlichkeitsantrag eingereicht, der vorsieht, das Thema bereits am kommenden Mittwoch – also noch vor der OB-Wahl – im Stadtrats-Plenum zu behandeln.

In dem Antrag heißt es: "Die Verwaltung wird beauftragt, dem Stadtrat die Sach- und Rechtslage in Bezug auf die Nebentätigkeit des Oberbürgermeisters Dieter Reiter beim FC Bayern München zu erläutern und falls eine Genehmigungspflicht besteht, den Stadtrat damit zu befassen."

Linken-OB-Kandidat Stefan Jagel äußerte sich scharf: "Dass der Oberbürgermeister scheinbar denkt, er stehe über dem Gesetz und müsse den Stadtrat nicht mit seinen Nebeneinkünften befassen, ist ein Skandal. Wenn er in der Vollversammlung nächste Woche nicht Rede und Antwort steht, hat er jede Glaubwürdigkeit verloren."

Reiters Argumentation und historischer Vergleich

Der Oberbürgermeister selbst teilte der AZ lediglich mit, "die Fragen zum Aufsichtsratsmandat" würden "inhaltlich und rechtlich" noch geprüft – eine bemerkenswerte Aussage, da Reiter bereits die erste Aufsichtsratssitzung hinter sich hat. Im Bayerischen Rundfunk betonte er, er nehme beide Funktionen beim FC Bayern als "Privatperson" wahr und sehe keinen Interessenskonflikt.

Ein historischer Vergleich zeigt allerdings Unterschiede: Reiters Vorgänger Christian Ude war ebenfalls lange im Aufsichtsrat – allerdings beim TSV 1860. Als er einstieg, war dieser noch ein eingetragener Verein ohne ausgegliederte Fußballfirma. Ude betonte gegenüber der AZ, er habe "keinen Cent dafür bekommen", weshalb er das Amt auch nicht vom Stadtrat genehmigen lassen musste.

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Die politische Brisanz des Themas wird durch die Macht des Aufsichtsrates beim FC Bayern zusätzlich verstärkt. Das neunköpfige Gremium muss allen Ausgaben über 50 Millionen Euro zustimmen – bei Vertragsverlängerungen von Stars ist dieser Wert schnell erreicht.

Ob der Dringlichkeitsantrag tatsächlich auf die Tagesordnung kommt, ob die Debatte öffentlich oder nichtöffentlich stattfindet und ob sich Reiter den Stadträten stellt – all diese Fragen sind noch offen. Sicher ist nur: Die politische Hitze in München steigt, und zwar genau zur falschen Zeit für einen amtierenden Oberbürgermeister.