Rostock-Lichtenhagen ringt um Zukunft des legendären Nordlichts
Das traditionsreiche Nordlicht in Rostock-Lichtenhagen ist endgültig Geschichte. Die marode Veranstaltungsstätte inklusive Gaststätte und dem Essenslieferservice Hanse-Menü wurde aufgrund wirtschaftlicher Probleme geschlossen. Nadine Herbrich, Geschäftsführerin der Hanse-Menü-Service GmbH, zog die Reißleine und verkaufte den Gebäudekomplex in der Ratzeburger Straße 8 an die Muhsal-Gruppe. Doch die Frage, wie es mit dem Standort weitergeht, bleibt offen und bewegt den Stadtteil.
Linke fordert Neubau mit klarem Mehrwert für den Stadtteil
Die Linken-Fraktion in der Rostocker Bürgerschaft erhebt nun deutliche Forderungen. Toralf Herzer (Linke) betont: „Die Zukunft des Nordlicht-Standorts muss als Chance begriffen werden. Lichtenhagen braucht an dieser Stelle nicht nur Wohnraum, sondern vor allem Orte, die den Stadtteil zusammenhalten.“ Er plädiert für ein neues Gebäude, das mit echter Bürgerbeteiligung entsteht und einen klaren Mehrwert liefert.
Konkret fordert Herzer einen neuen Veranstaltungs- und Begegnungsort mit erkennbarem Bezug zum früheren Nordlicht. Ebenso sollen eine Postfiliale, Gastronomie und kleinteiliges Gewerbe integriert werden. „Unser Ziel ist ein neues Nordlicht als lebendiger Ort, der Begegnung und Versorgung zusammendenkt“, so Herzer weiter.
Projektentwickler sieht verschiedene Szenarien für die Fläche
Frank Streeck, Projektentwickler von Atrium Haus Rostock, der im Auftrag der Muhsal-Gruppe handelt, bestätigt, dass ein neues Konzept für die Fläche diskutiert wird. „Es gibt verschiedene Szenarien“, sagt er. Das Gebäude aus den 1970er-Jahren sei in seinem Bestand nicht zu retten, doch ein ersatzloser Abriss werde abgelehnt. „Wir wollen dem gerecht werden, was bisher hier gewesen ist“, erklärt Streeck.
Ein Komplettabriss gestaltet sich auch aufgrund des Denkmalschutzes schwierig. Der Speisesaal mit seinem 18 Meter langen Wandbild von Feliks Büttner und Inge Jastram aus dem Jahr 1979 steht unter Schutz. „Wir müssen für den Denkmalschutz eine Lösung finden“, betont Streeck. Wichtig ist ihm, dass eine Veranstaltungsstätte und ein Saal für die Schulspeisung erhalten bleiben.
Bürgerbeteiligung und klare Leitplanken gefordert
Toralf Herzer drängt auf Transparenz und verbindliche Beteiligung. „Jetzt braucht es klare Leitplanken: Transparenz über den Stand der Dinge, verbindliche Beteiligung des Ortsbeirats und der Menschen im Stadtteil und ein Nutzungskonzept, das Lichtenhagen wirklich dient“, fordert er. Die Linke setzt sich dafür ein, dass die Planung von Anfang an die Bedürfnisse der Anwohner berücksichtigt.
Streeck gibt einen Ausblick: „Es wird etwas Neues geben, bestehend aus Wohnen, Gewerbe, Events und Schulspeisung. Wie genau das aussehen wird, ist noch nicht klar.“ Die Diskussionen um die Zukunft des Nordlicht-Standorts zeigen, dass Lichtenhagen vor einer wichtigen Weichenstellung steht, bei der historisches Erbe und moderne Stadtteilentwicklung in Einklang gebracht werden müssen.



