Rostock holt umstrittene Linken-Politikerin trotz Ermittlungen zurück ins Rathaus
Die Hansestadt Rostock hat die wegen eines Flaggen-Skandals in die Kritik geratene Linken-Politikerin Wenke Brüdgam erneut in der Stadtverwaltung eingestellt. Dies geschieht, obwohl gegen Brüdgam wegen des Vorfalls noch ein Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft Stralsund läuft. Die Wiedereinstellung erfolgte Anfang Februar und stößt bereits auf massive politische Kritik.
Arbeitsverhältnis ruhte nur vorübergehend
Laut Stadtsprecher Ulrich Kunze war das Arbeitsverhältnis zwischen der Hansestadt und Brüdgam zu keiner Zeit vollständig beendet gewesen. „Das Arbeitsverhältnis von Frau Brüdgam bei der Rostocker Stadtverwaltung war mit Übernahme der Position als Gleichstellungsbeauftragte des Landes nicht beendet worden, sondern vorübergehend ruhend gestellt“, erklärt Kunze auf Nachfrage. Der damalige Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) habe ihr ein vertraglich vereinbartes Rückkehrrecht garantiert.
Da ihre frühere Stelle als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Rostock zwischenzeitlich jedoch neu besetzt wurde, konnte Brüdgam nicht an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren. Stattdessen wurde sie im Fachbereich Ehrenamt im Büro der Oberbürgermeisterin als Koordinatorin eingesetzt. Für diese Position wurde eine Stelle geschaffen, die laut Stadtverwaltung im Rahmen des vom Rostocker Haushalt 2026/2027 genehmigten Stellenumfangs liegt.
Brisanter Hintergrund: Flaggen-Eklat und Rücktritt
Der Skandal, der zu Brüdgams Rücktritt als Gleichstellungsbeauftragte des Landes Mecklenburg-Vorpommern führte, ereignete sich Ende 2025. In einem inzwischen gelöschten Social-Media-Post hatte sich die Politikerin mit einer zerknüllten Deutschland-Flagge in den Händen gezeigt und damit geprahlt, dass sie auf dem Weg zu einer Mitgliederversammlung „diese Dinger hier“ entdeckt und abgerissen habe. Wegen dieses Vorfalls musste Brüdgam am 5. Dezember 2025 von ihrer Landesposition zurücktreten.
Vor ihrer Tätigkeit in Schwerin war Brüdgam bereits als Gleichstellungsbeauftragte in Rostock beschäftigt. Ein Foto zeigt sie vor einigen Jahren vor dem Rathaus, wie sie zusammen mit Ulrike Bartel vom Verein Stark Machen eine Fahne gegen Gewalt an Frauen hisst.
Politische Kritik von CDU und FDP
Die Wiedereinstellung im Rostocker Rathaus stößt auf heftigen Widerstand aus der Opposition. CDU-Fraktionschefin Chris Günther äußert sich deutlich: „Dass jemand, der Hoheitszeichen wie die Deutschland-Flagge eigenmächtig entfernt hat, nun ausgerechnet im Büro der Oberbürgermeisterin eine repräsentative Aufgabe erhält, ist ein Hohn für alle, die sich rechtsstaatlich verhalten“.
Auch die FDP in der Rostocker Bürgerschaft meldet sich kritisch zu Wort. FDP-Chefin Julia Kristin Pittasch stellt die politische Entscheidung infrage: „In einer finanziell angespannten Lage mit Stellenstopp wurde jetzt eine neue Stelle im Büro der Oberbürgermeisterin geschaffen und dort eine linke Landtagskandidatin eingesetzt, deren Fall noch Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens ist. Das wirft auch Fragen nach dem politischen Fingerspitzengefühl der Oberbürgermeisterin auf“.
Pittasch betont weiter: „Wer als Landesbeauftragte wegen eines solchen Vorfalls zurücktritt, sollte nicht zwei Monate später im OB-Büro landen“. Die Debatte um die Personalentscheidung zeigt, wie kontrovers die Rückkehr der umstrittenen Politikerin in der Rostocker Kommunalpolitik aufgenommen wird.
Rechtliche und politische Implikationen
Die Stadtverwaltung argumentiert, dass aufgrund des vertraglichen Rückkehrrechts keine andere Wahl bestanden habe, als Brüdgam wieder einzustellen. Diese Begründung wird von den kritischen Stimmen jedoch nicht akzeptiert. Besonders brisant ist der Zeitpunkt der Wiedereinstellung:
- Die Politikerin trat erst im Dezember 2025 wegen des Skandals zurück
- Gegen sie läuft noch ein Ermittlungsverfahren
- Die Wiedereinstellung erfolgte bereits Anfang Februar 2026
- Es wurde eine neue Stelle im Büro der Oberbürgermeisterin geschaffen
Die Stadtverwaltung reagierte außergewöhnlich schnell, nachdem bekannt geworden war, dass Brüdgam seit Anfang Februar wieder im Rathaus arbeitet. Die politische Debatte um diese Personalentscheidung dürfte angesichts der anhaltenden Ermittlungen und der kontroversen öffentlichen Wahrnehmung weiter anhalten.



