Schneeball-Gaudi vor Pinakothek: ÖDP stellt Prioritäten des KVR infrage
Eine spontane Schneeballschlacht vor der Alten Pinakothek in München hat eine politische Debatte über die Prioritätensetzung der Stadtverwaltung ausgelöst. Nachdem sich am 22. Februar mehrere Hundert Menschen einer durch Social Media initiierten Winteraktion angeschlossen hatten, prüft das Kreisverwaltungsreferat (KVR) nun rechtliche Konsequenzen gegen den Organisator.
Von Instagram-Likes zur Massenaktion
Ausgelöst wurde die ungewöhnliche Veranstaltung durch einen Aufruf des Münchner Schauspielers und Influencers Daniel Tonnar Leyva auf Instagram. Unter dem Nutzernamen "dailydaniel0" hatte er nach den heftigen Schneefällen zu "Deutschlands größter Schneeballschlacht" eingeladen und erklärt: "Ich weiß nicht, ob ich der Einzige bin, der diese Idee cool findet." Als Bedingung nannte er mindestens tausend Likes – tatsächlich sammelte der Post fast 25.000 positive Reaktionen.
Dem Aufruf folgten nach Augenzeugenberichten mindestens 300 Personen, die sich etwa eine halbe Stunde lang eine fröhliche Schneeballschlacht auf dem Gelände vor dem berühmten Kunstmuseum lieferten. Die Pinakotheken-Sprecherin Tine Nehler zeigte sich gelassen: "Wir haben darauf geachtet, dass Besucherinnen und Besucher beim Verlassen der Pinakothek nicht von Schneebällen getroffen werden. Ansonsten fanden wir es lustig." Sie wies humorvoll auf den Kontrast hin: Während draußen vielleicht Deutschlands größte Schneeballschlacht stattfand, beherbergt das Gebäude innen die größte Rubens-Sammlung des Landes.
Behörden reagieren mit Verwarnung
Das Kreisverwaltungsreferat zeigte sich weniger amüsiert. Da die spontane Versammlung nicht angemeldet worden war, empfahl die Behörde dem Initiator, seinen Aufruf zurückzunehmen. "Um die Sicherheit der Teilnehmenden zu gewährleisten, ist für öffentliche Veranstaltungen grundsätzlich eine Genehmigung notwendig. Eine solche hat der Veranstalter nicht beantragt", teilte das KVR mit. Der Influencer zeigte sich überrascht von der behördlichen Reaktion und betonte, ihm sei das Ausmaß der möglichen Konsequenzen nicht bewusst gewesen.
In einer nachträglichen Stellungnahme auf Instagram rief Tonnar Leyva die Teilnehmer zu verantwortungsvollem Verhalten auf und bat darum, keine Eisbrocken zu werfen, keine Steine in Schneebälle einzubauen und nicht auf Köpfe zu zielen. Die Polizei, die vor Ort präsent war, meldete keine besonderen Vorkommnisse oder Verletzungen.
ÖDP-Fraktion kritisiert Prioritätensetzung
Die nun mögliche Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens gegen den Organisator stößt bei der ÖDP/München-Liste im Stadtrat auf deutliche Kritik. In einer Anfrage an die Stadtverwaltung hinterfragt die Fraktion die Ressourcenverteilung des KVR. "Tausende Schneebälle, kalte Finger, Riesen-Gaudi: Was für viele Münchnerinnen und Münchner nach einem harmlosen Winterspaß klang, rief das Kreisverwaltungsreferat auf den Plan", heißt es in der Mitteilung der Stadtratsfraktion.
Fraktionsvorsitzender Tobias Ruff äußerte sich ironisch: "Das KVR nimmt es ganz genau! Also, wenn es um Schneeballschlachten geht. Immerhin sind die Zuständigen nicht auf die Idee gekommen, die Schneebälle als Beweismittel zu konfiszieren." Er wünscht sich "ein bisschen mehr Gelassenheit beim Winterspaß und etwas mehr Konsequenz bei echten Dauerproblemen".
Die ÖDP verweist dabei auf ein konkretes Vergleichsbeispiel: Während die Schneebälle "eine sehr überschaubare Halbwertszeit" hätten, würden am Frankfurter Ring weiterhin zahlreiche illegal angebrachte Wahlplakate hängen, die bereits vor zwei Wochen gemeldet worden seien. "Der Schnee schmilzt verlässlich von selbst, illegale Wahlplakate im öffentlichen Raum leider nicht", so die Fraktion.
Anfrage zu behördlichen Abläufen
Die ÖDP-Fraktion hat nun eine detaillierte Anfrage eingereicht, in der sie unter anderem wissen möchte:
- Wie intensiv soziale Medien nach solchen spontanen Aufrufen beobachtet werden
- Wie Entscheidungen über öffentliche Verwarnungen zustande kommen
- Wie viel Personal im konkreten Fall der Schneeballschlacht eingesetzt wurde
- Ob dem Organisator tatsächlich ein Bußgeld droht
Die Fraktion betont, dass unbestritten sei, dass die Stadt größere Menschenansammlungen im Blick behalten müsse und Sicherheit vorangehe. "Aber wenn eine spontane, wetterabhängige Aktion derart viel Aufmerksamkeit bindet, darf man zumindest nach den Prioritäten fragen", heißt es in der Stellungnahme.
Das KVR hält grundsätzlich an seiner Position fest: Veranstalter hafteten für mögliche Schäden und ihnen könnten Kosten für Polizei- und Rettungsdiensteinsätze entstehen. Werde eine nicht genehmigte Veranstaltung dennoch durchgeführt, könne dies Ordnungswidrigkeitenverfahren nach sich ziehen. Ob die winterliche Gaudi tatsächlich zu rechtlichen Konsequenzen führen wird, bleibt vorerst offen.



