Schwerin: UNESCO-Status bringt mehr Sonntagsöffnungen – doch große Geschäfte bleiben draußen
Eigentlich sollte die neue Bäderregelung für Schwerin eine positive Entwicklung sein, doch im Einzelhandel sorgt sie aktuell für erhebliche Unzufriedenheit. Zwar können Geschäfte in der Landeshauptstadt künftig deutlich häufiger am Sonntag öffnen, doch wichtige Publikumsmagneten wie Elektrofachmärkte, Möbelhäuser und Baumärkte bleiben von dieser Regelung ausgeschlossen.
Welterbestatus ermöglicht erweiterte Öffnungszeiten
Hintergrund ist die neue Öffnungszeiten-Verordnung des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Durch den UNESCO-Welterbestatus steht Schwerin nun auf der Liste von Orten mit erweiterten Sonntagsöffnungszeiten – ähnlich wie klassische Urlaubsorte an der Küste. Zwischen dem 15. März und dem 31. Oktober sowie rund um den Jahreswechsel dürfen Läden grundsätzlich auch sonntags öffnen, ohne dass ein besonderer Anlass vorliegen muss.
Während bislang lediglich vier verkaufsoffene Sonntage pro Jahr möglich waren, könnten es nun theoretisch mehr als 30 Sonntage werden. „Vorher waren es vier Sonntage, die anlassbezogen geöffnet werden durften. Nun profitiert die Stadt von der Bäderregelung“, erklärt Citymanager Stefan Purtz die Veränderung.
Branchenausschlüsse führen zu Kritik
Doch genau diese Regelung sorgt für massive Kritik im Einzelhandel. Die erweiterten Öffnungszeiten gelten nicht für alle Branchen gleichermaßen. Besonders problematisch ist dies für große Einkaufszentren und Einzelhandelsstandorte. „Da wäre beispielsweise der Mediamarkt im Schlosspark-Center“, sagt Purtz. „Er ist ein Besuchermagnet bei den Sonntagsöffnungen, dürfte aber nicht aufmachen.“
Für Kunden bedeutet dies eine paradoxe Situation: Sie können zwar jeden Sonntag durch die Innenstadt bummeln, müssen aber bei einigen der wichtigsten Geschäfte vor verschlossenen Türen stehen. Hinzu kommt ein weiterer wirtschaftlicher Nachteil: Der erste Adventssonntag, der bislang zu den umsatzstärksten Verkaufstagen des Jahres zählte, fällt nach der aktuellen Rechtslage ebenfalls weg.
Stadt prüft Rückkehr zu alten Regelungen
Die Stadt Schwerin führt bereits Gespräche mit dem Wirtschaftsministerium, wie Vize-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum (CDU) in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses mitteilte. Trotz der Kritik haben sich mehrere Geschäfte in der Landeshauptstadt gemeldet, die regelmäßig sonntags öffnen möchten.
Die Verwaltung hat deshalb eine Beschlussvorlage, die darauf abzielte, Schwerin von der Liste der Städte mit Bäderregelung zu streichen und stattdessen die vier anlassbezogenen, verkaufsoffenen Sonntage beizubehalten, zunächst zurückgezogen. Es wird nun geprüft, wie eine für alle Seiten akzeptable Lösung gefunden werden kann.
Die Diskussion um die Sonntagsöffnungen zeigt, dass selbst vermeintlich positive Entwicklungen wie der UNESCO-Welterbestatus unerwartete Herausforderungen für den lokalen Einzelhandel mit sich bringen können.



