Tennis-Gate in Berlin: Wegner wehrt sich gegen Vorwürfe der Falschdarstellung
Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (53, CDU), steht erneut unter massivem Druck. Nach dem verheerenden Stromausfall im Südwesten der Hauptstadt Anfang Januar wachsen die Zweifel an seiner Darstellung des eigenen Krisenmanagements. Neue Recherchen des Tagesspiegel zeichnen ein Bild, das von Wegners eigenen Aussagen deutlich abweicht.
Der verheerende Stromausfall und die ersten Stunden
Anfang Januar traf ein schwerer Stromausfall den Südwesten Berlins. Rund hunderttausend Menschen saßen bei eisigen Temperaturen in dunklen und ungeheizten Wohnungen fest. Verantwortlich für den Blackout waren linksextreme Stromterroristen, die einen Anschlag auf wichtige Leitungen verübt hatten. In dieser kritischen Situation zog sich Kai Wegner nach eigenen Angaben in sein „Büro zu Hause“ zurück und war „den ganzen Tag am Telefon“, um die Krise zu koordinieren.
Die Tennis-Partie und die Recherchen des Tagesspiegel
Doch diese Darstellung erwies sich als nicht vollständig korrekt. Es kam heraus, dass Wegner mittags mit seiner Lebensgefährtin Tennis spielte. Die aktuellen Recherchen der Zeitung Tagesspiegel zeigen nun weitere Diskrepanzen auf. Demnach beschränkte sich Wegners Engagement am Morgen des Krisentages weitgehend auf kurze Textnachrichten mit Berlins Innensenatorin Iris Spranger (64, SPD) sowie Kontakt zur Berliner Senatskanzlei.
Erst Stunden später telefonierte er mit Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (47, SPD). Laut den Recherchen hatte Giffey zuvor mehrmals versucht, ihn zu erreichen. Der entscheidende Punkt: Das von Wegner behauptete Telefonat mit Stromnetz Berlin hat es nach den Erkenntnissen offenbar nie gegeben. Ebenso wenig soll es am ersten Vormittag des Blackouts Kontakt mit dem Kanzleramt und dem Bundesinnenministerium gegeben haben.
Wehrt sich gegen Vorwürfe und prüft rechtliche Schritte
Auf mehrfache Nachfragen bei einer Pressekonferenz am Dienstag legte sich Wegner nicht weiter fest und sagte: „Dazu ist alles gesagt. Ich stand mit diversen Stellen im Austausch. Und ich habe eine Stunde Tennis gespielt.“ Über seinen Anwalt ließ er erklären, dass die Aussage, er habe die Öffentlichkeit bewusst getäuscht, haltlos sei. Er habe sich insbesondere nicht festgelegt, wann er am 3. Januar mit Krisenstäben, Bundesregierung, Kanzleramt und Bundesinnenminister telefoniert habe.
Wegner warf dem Tagesspiegel eine kampagnenartige Berichterstattung vor und prüft presserechtliche Schritte. Die Vorwürfe des sogenannten „Tennis-Gate“ belasten die Glaubwürdigkeit des Regierenden Bürgermeisters in einer ohnehin angespannten politischen Lage. Die Diskussion um Transparenz und effektives Krisenmanagement in der Hauptstadt dürfte damit weiter anhalten.



