Landratswahl in der Uckermark: Unternehmer und Handwerker stellen Kandidaten auf den Prüfstand
Vor der entscheidenden Landratswahl am 19. April 2026 erlebten Handwerker, Unternehmer, Landwirte und Tourismusexperten der Uckermark ein spannendes Kandidatenforum mit Landrätin Karina Dörk (CDU) und ihrem Herausforderer Felix Teichner (AfD). Die von der IHK Ostbrandenburg gemeinsam mit der Unternehmervereinigung und der Kreishandwerkerschaft Uckermark organisierte Veranstaltung bot intensive Einblicke in die Positionen beider Bewerber für das höchste Amt im Landkreis.
Erdrückende Herausforderungen für den künftigen Landrat
Der künftige "Kapitän" des noch 117.000 Einwohner zählenden Landkreises steht vor enormen Aufgaben: erdrückende Bürokratie, steigende Inflation, der Verlust von Industriearbeitplätzen, ein wachsender Schuldenberg, Abwanderung und Überalterung der Bevölkerung. Diese Herausforderungen bestimmten die Diskussionen beim Unternehmerforum am 17. März, bei dem beide Kandidaten ihre Visionen für die kommenden acht Jahre präsentierten.
Die Kandidaten im Porträt
Karina Dörk (61), studierte Diplom-Agraringenieurin, blickt auf 20 Jahre als selbstständige Unternehmerin zurück, bevor sie als Beigeordnete und Bürgermeisterin tätig wurde. Seit knapp acht Jahren amtiert sie als Uckermark-Landrätin und wird voraussichtlich am 14. April zur Präsidentin des Landkreistages Brandenburg gewählt.
Felix Teichner (35), ausgebildeter Industriemechaniker, zog zunächst nach Hannover, wo er als Betriebsleiter eines mittelständischen Unternehmens arbeitete. 2018 kehrte er in seine Heimat Uckermark zurück und war bis zu seiner Wahl in den Potsdamer Landtag im PCK Schwedt beschäftigt. In Potsdam ist er Mitglied im Sonderausschuss Bürokratieabbau.
PCK Schwedt: Das "Flaggschiff" der Region
Ein zentrales Thema war die Zukunft des PCK Schwedt mit seinen 1200 Arbeitsplätzen. Teichner hofft auf eine "Zeit nach Putin" und eine Beendigung des "Russland-Konfliktes", damit wieder Rohöl durch die "Drushba-Trasse" fließen kann. Die Umrüstung des PCK zu einem Wasserstoffproduzenten verglich er mit dem Versuch, "einen Trabi in einen Ferrari umzubauen".
Karina Dörk hatte erst kürzlich mit der Bundeswirtschaftsministerin über das PCK und die Shell- beziehungsweise Rosneft-Anteile gesprochen. Als zweites Standbein soll beim "Flaggschiff PCK" nachhaltiges Flugbenzin hergestellt werden - mit einem Investitionsvolumen von einer halben Milliarde Euro. Bund und Land haben bereits Unterstützung signalisiert, benötigt werden dafür dringend 16 Hektar Fläche.
Praktische Tests und konkrete Fragen
Vor der Fragerunde testete Katrin Grothe, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Uckermark, die Geschmackskompetenz beider Bewerber: Anhand von Kostproben mussten sie herausfinden, ob Brot, Wurst und Milch von einem privaten Handwerker aus der Region oder aus dem Supermarkt stammten. Im Ergebnis stand es 3:2 für Teichner.
In der anschließenden Fragerunde beantworteten beide Kandidaten abwechselnd Fragen aus einem Lostopf. Zum Thema Bauwesen informierte Dörk, dass die geänderte brandenburgische Bauordnung es Gemeinden mit bestätigten Bebauungsplänen ermöglicht, über die Genehmigung von Eigenheimen bis zu einer Höhe von sieben Metern selbstständig zu entscheiden. Teichner sprach sich für beschleunigte Genehmigungsverfahren aus und verwies auf einen lokalen Unternehmer, der seit über einem Jahr auf die Genehmigung für eine Biogasanlage wartet.
Tourismus und Bildung als weitere Schwerpunkte
Im Bereich Tourismus sieht Teichner "noch viel Luft nach oben" und plädiert dafür, Schilfgürtel zurückzuschneiden, Badestellen zu erhalten und Slipanlagen für Boote zu ermöglichen. Dörk verwies auf den Erfolg des Campingplatzes "Sonnenkap" in Prenzlau, der die Übernachtungsgästezahl auf 60.000 verdoppelt habe.
Zum schlechten Abschneiden deutscher Schüler in der "Pisa-Studie" sieht die Landrätin auf Kreisebene wenig Hebel, betonte aber die Einstellung zusätzlicher Sozialarbeiter und Musiklehrer sowie den Ausbau digitaler Angebote an Schulen. Teichner sprach sich für eine Ausbildungspflicht aus und forderte eine bessere Wertschätzung des Handwerks.
Überraschend deutliches Votum der Teilnehmer
Vor und nach dem Forum hatten die 80 Teilnehmer die Gelegenheit, in geheimer Wahl ihre Stimme für einen der beiden Kandidaten abzugeben. Das Ergebnis fiel überraschend deutlich aus: 80 Prozent stimmten für Karina Dörk, 14 Prozent für Felix Teichner. Damit konnte Teichner seinen Wert im Vergleich zu zehn Prozent zu Beginn der Veranstaltung etwas verbessern. Die Zahl der Unentschiedenen sank von acht auf sechs Prozent.
Beide Kandidaten zeigten sich optimistisch, dass die Einwohnerzahl im Landkreis stabil gehalten und künftig wieder steigen wird. In ihren ersten 100 Tagen im Amt will Teichner die Rettungswache in Casekow erhalten, das Trinkwasserschutzgebiet in Hardenbeck neu aufrollen und die Bank "gegen Rechts" auf dem Hof der Kreisverwaltung ersetzen. Dörk setzt auf Gewerbeansiedlungen, bundesweite Veränderungen der Mehrwertsteuer-Umlage zur Verbesserung der Kommunalfinanzen und die Stärkung von Vereinen und Ehrenamt.



