Christian Ude gibt offizielle Wahlempfehlung für Dieter Reiter ab – bleibt aber bei scharfer Kritik
Ude: Wahlempfehlung für Reiter, aber Kritik bleibt

Christian Ude: Offizielle Wahlempfehlung für Dieter Reiter trotz anhaltender Differenzen

In einer überraschenden Wendung hat der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude nun doch eine offizielle Wahlempfehlung für seinen Nachfolger Dieter Reiter ausgesprochen. Bei einem Treffen am Dienstagmorgen im heimischen Umfeld auf dem Kaiserplatz versammelten sich SPD-München-Chef Christian Köning, Rathaus-Fraktionschefin Anne Hübner und Ex-Bürgermeisterin Gertraud Burkert, um gemeinsam mit Ude zur Wahl Reiters am kommenden Sonntag aufzurufen.

Eine komplizierte politische Beziehung mit historischem Hintergrund

Die Beziehung zwischen Christian Ude und Dieter Reiter ist seit Jahren von Spannungen geprägt. Ude, der einst betonte, "voll haftbar für Dieter Reiter" zu sein, hatte den heutigen Amtsinhaber einst aus den Tiefen der Verwaltung in höchste politische Ämter befördert. Doch bereits unmittelbar nach Reiters Wahl zum Oberbürgermeister zerbrach das persönliche Verhältnis. Bei Udes Verabschiedung im Deutschen Theater kritisierte er Reiter scharf dafür, dass dieser in Koalitionsverhandlungen der CSU das Kommunalreferat angeboten hatte – für Ude ein Verrat am liberalen Stadtklima Münchens.

In den folgenden Jahren blieb das Verhältnis angespannt. Auf die Frage, ob er Reiter gelegentlich um Rat frage, antwortete Ude 2017 vielsagend: "Nein. Wer will, bekommt einen Rat." Gemeinsame öffentliche Auftritte der beiden Politiker blieben in all den Jahren aus, während Ude Reiter immer wieder öffentlich kritisierte – zuletzt noch am Wahlabend bei Sat.1, wo er Reiters Nebentätigkeiten anprangerte und ihn mit dem als besonders korrekt geltenden Hans-Jochen Vogel kontrastierte.

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Die Wahlempfehlung: Knapp, aber verbindlich

In der nun veröffentlichten gemeinsamen Erklärung wird Ude mit zwei prägnanten Sätzen zitiert: "Mit der SPD sind die Stadt und ihre Bürger immer gut gefahren. Deshalb meine Bitte: Wählen Sie bei der Stichwahl diesen Sonntag den SPD-Kandidaten – den amtierenden Oberbürgermeister seit zwölf Jahren, Dieter Reiter."

Auffällig ist, was in dieser Empfehlung fehlt: Jegliches Lob für Reiters Leistungsbilanz, seine politischen Pläne oder seine persönlichen Qualitäten. Im Kontrast dazu erklärt Gertraud Burkert in derselben Mitteilung ausführlich: "Dieter Reiter und die SPD haben die gesamte Stadt im Blick und schließen auch Kompromisse, ohne die es gerade in diesen Zeiten nicht geht."

Kritik bleibt bestehen – Ude äußert Unzufriedenheit mit Münchner SPD

Im Gespräch mit der AZ betont Ude jedoch, dass seine Wahlempfehlung keineswegs als Abkehr von seiner bisherigen Kritik zu verstehen sei. Er bleibe bei seiner Ablehnung von Reiters Nebentätigkeiten, was er als "Allgemeingut in der Partei" bezeichnet. Die "Pingeligkeit" Hans-Jochen Vogels in solchen Fragen sei ein Markenkern der Münchner SPD gewesen, den man nicht aufgeben dürfe.

Besonders deutlich wird Udes Unzufriedenheit mit der Entwicklung seiner Partei in München: "Die SPD hatte in meiner letzten Amtszeit noch 33 Stadträte und steht nun bei 15 – weniger als die Hälfte!", stellt er fest. Zudem habe er im vergangenen Jahr "überhaupt keinen SPD-Wahlkampf in München wahrgenommen".

Udes Koalitionspräferenz und Blick in die Zukunft

Trotz aller Kritik hält Ude ein Bündnis mit den Grünen weiterhin für die beste Option für München, auch wenn er anmerkt: "Die Grünen müssen in der Verkehrspolitik verstehen, dass die SPD es sich nicht mit großen Wählergruppen vergraulen kann." Die Verbindung sozialer und ökologischer Fragen bezeichnet er als "das Gebot des Jahrhunderts, unser Auftrag".

Seinen Auftritt mit Grünen-Kandidat Dominik Krause begründet Ude damit, dass man, "wenn man selbst keine Veranstaltungen macht, dann wenigstens die Veranstaltungen der anderen besuchen" sollte. Seine grundsätzliche Parteizugehörigkeit betont er jedoch unmissverständlich: "Ich bin und bleibe Sozialdemokrat, das wird auch Grüne nicht überraschen."

Für die SPD geht es nun zunächst darum, am Sonntag die lange Tradition sozialdemokratischer Oberbürgermeister in München fortzusetzen. Dafür wirbt nun – wenn auch mit erkennbaren Vorbehalten – auch Christian Ude offiziell.

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