Stichwahl in Ueckermünde: Zwei parteilose Kandidaten im Rennen um das Rathaus
Am Sonntag, dem 26. April 2026, stehen die Bürgerinnen und Bürger von Ueckermünde erneut vor einer wichtigen demokratischen Entscheidung. In der Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters treten die beiden parteilosen Bewerber Karsten Berndt (60) und Tino Spiegelberg (52) gegeneinander an. Beide hatten sich bereits im ersten Wahlgang mit 33,8 Prozent beziehungsweise 20,9 Prozent der Stimmen durchgesetzt und müssen nun in der finalen Runde die Wähler überzeugen. Der Nordkurier führte mit beiden Kandidaten ein ausführliches Gespräch über ihre Motivation, ihre Visionen für die Stadt und ihre persönlichen Eigenschaften.
Persönliche Eindrücke und Wahlkampferfahrungen
Die Reaktionen auf das Ergebnis des ersten Wahlgangs fielen bei beiden Bewerbern emotional aus. Karsten Berndt zeigte sich tief berührt und dankbar für das entgegengebrachte Vertrauen der Bevölkerung. "Ich werde alles daransetzen, es nicht zu enttäuschen", versprach der Unternehmer. Tino Spiegelberg beschrieb seinen Moment der Überraschung als überwältigend: "Ich war gedanken- und sprachlos. Es hat einige Minuten gedauert, alles zu realisieren." Beide Kandidaten betonten ihre Verbundenheit mit Ueckermünde als entscheidenden Faktor für ihren bisherigen Erfolg.
Stärken, Schwächen und politische Visionen
Bei der Frage nach ihren größten Stärken nannte Berndt seinen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und den klaren Fokus auf das Gemeinwohl. Spiegelberg hob seinen direkten, lösungsorientierten Austausch mit den Bürgern hervor. Interessant waren die Antworten auf die Frage nach persönlichen Schwächen: Berndt gestand eine gewisse Ungeduld ein, während Spiegelberg eine Schwäche für Mozartkugeln zugab. "Sobald eine Packung in Reichweite ist, muss ich einfach zugreifen", bekannte der selbstständige Handwerker mit einem Augenzwinkern.
Die Motivation für das anspruchsvolle Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters beschrieben beide unterschiedlich. Berndt betonte: "Mich reizt nicht die Position, sondern die Aufgabe. Ueckermünde steht vor großen Herausforderungen." Spiegelberg verwies auf seinen langgehegten Wunsch nach politischem Engagement und die Möglichkeit, aktiv an der Weiterentwicklung seiner Heimatstadt mitzuwirken.
Konkrete Pläne für Ueckermündes Zukunft
In puncto Stadtentwicklung nannten beide Kandidaten klare Prioritäten. Karsten Berndt setzt auf drei Hauptthemen:
- Perspektiven für die Jugend schaffen
- Belebung der Innenstadt vorantreiben
- Mehr Bürgerbeteiligung ermöglichen
Tino Spiegelberg konzentriert sich ebenfalls auf die Innenstadt, will aber insbesondere:
- Den Tourismus ganzjährig stärken
- Das Handwerk in der Region unterstützen
- Anreize für junge Menschen schaffen, in Ueckermünde zu bleiben
Beide Bewerber verurteilten deutlich die während des Wahlkampfs vorgekommenen Angriffe auf Kandidaten. Berndt nannte sie schädlich für den Ruf der Stadt, während Spiegelberg sie als unfair und nicht repräsentativ für Ueckermünde bezeichnete.
Erste Amtshandlungen und Führungsstil
Für ihren ersten Arbeitstag im Rathaus haben beide konkrete Vorstellungen. Berndt plant eine Versammlung mit allen Verwaltungsmitarbeitern, um sich vorzustellen und die Zusammenarbeit zu betonen. Spiegelberg will zunächst die Kollegen und ihre Aufgabenbereiche kennenlernen sowie sich in laufende Projekte einarbeiten.
Bezüglich ihres Führungsstils betonten beide Kandidaten den Teamgedanken. Berndt sieht sich "nicht als klassischen Chef, sondern als Teil eines Teams". Spiegelberg möchte "eine Kommunikation auf Augenhöhe" etablieren, betonte aber auch die Notwendigkeit, bei Unstimmigkeiten steuernd einzugreifen und das gemeinsame Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.
Gegenseitige Wertschätzung und private Vorlieben
Trotz des Wettbewerbs zeigten beide Bewerber Respekt füreinander. Berndt schätzt an seinem Kontrahenten besonders das Engagement für die Jugend und den Mut, sich der Herausforderung zu stellen. Spiegelberg bewundert die Standhaftigkeit, mit der Berndt trotz Anfeindungen an seiner Kandidatur festgehalten hat.
Im privaten Bereich verrieten beide, was ihnen besonders wichtig ist. Auf die Frage, was sie auf eine einsame Insel mitnehmen würden, antwortete Berndt: "Musik – ohne Musik könnte ich nicht leben." Spiegelberg nannte seine Freundin und Familie, die ihn stets unterstützen. Als historische Vorbilder nannte Berndt Michail Gorbatschow, während Spiegelberg allgemein Persönlichkeiten bewundert, die durch Ehrlichkeit und Schaffenskraft Menschen mitreißen konnten.
Ausblick unabhängig vom Wahlergebnis
Für den Fall einer Niederlage haben beide Kandidaten bereits Pläne. Karsten Berndt würde dem neuen Bürgermeister seine Unterstützung anbieten und weiterhin Verantwortung in der Stadtvertretung übernehmen. Tino Spiegelberg würde in seinem Unternehmen arbeiten, sein Ehrenamt als Fußballtrainer ausüben und sich bei der nächsten Wahl als Stadtvertreter aufstellen lassen, um weiter zur Entwicklung Ueckermündes beizutragen.
Die Stichwahl findet am 26. April in den bekannten Wahllokalen statt, darunter zwei Wahllokale in der Haff-Grundschule. Der Gewinner der Wahl wird für die nächsten sieben Jahre die Nachfolge von Bürgermeister Jürgen Kliewe (parteilos) antreten und die Geschicke der Stadt maßgeblich mitbestimmen.



