Italienische Regierung in der Krise: Justizstaatssekretär stolpert über Mafia-Verbindungen
Die italienische Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni gerät erneut unter massiven politischen Druck. Nur wenige Tage nach der spektakulären Niederlage beim umstrittenen Justizreferendum muss die postfaschistische Regierungspartei Fratelli d'Italia den ersten Rücktritt eines Spitzenpolitikers verkraften.
Delmastro gibt Amt nach Medienenthüllungen auf
Justizstaatssekretär Andrea Delmastro erklärte am Dienstag seinen Rücktritt. Auslöser waren investigative Medienberichte, die Anfang des Monats ans Licht kamen. Demnach hatte Delmastro Anteile an einem Restaurant in Rom gehalten – gemeinsam mit der 19-jährigen Tochter eines Mannes, der wegen Verbindungen zur berüchtigten Camorra-Mafia verurteilt worden war.
Die Camorra gilt als eine der einflussreichsten und gefährlichsten Mafiaorganisationen Italiens mit starkem Einfluss in der Region um Neapel. Die Enthüllungen über die geschäftliche Verbindung zu einer Familie mit solchen Hintergründen lösten sofort politische Erschütterungen aus.
Wachsender politischer Druck nach Referendums-Niederlage
Für Meloni kommen die Enthüllungen zur denkbar ungünstigsten Zeit. Gerade erst hatte die Regierungschefin eine empfindliche Niederlage bei dem von ihr initiierten Referendum zur Justizreform hinnehmen müssen. Der Skandal um Delmastro überschattete bereits die letzten Tage des Wahlkampfs und bot der Opposition fortwährend neue Angriffsflächen.
In den Tagen nach den ersten Berichten erhöhten weitere Details den Druck auf den Justizstaatssekretär. Im Mittelpunkt standen dabei die Nähe zu der Familie des verurteilten Mannes sowie Unklarheiten rund um Zeitpunkt und Modalitäten der Veräußerung von Delmastros Unternehmensbeteiligung. Zudem wurde öffentlich diskutiert, ob seine wirtschaftlichen Interessen ausreichend transparent gemacht worden waren.
Rücktrittserklärung mit eingeschränkter Schuldeingeständnis
In seiner offiziellen Rücktrittserklärung räumte Delmastro lediglich einen "Fehler in der Bewertung" ein, bestritt jedoch weiterhin, gegen geltende Gesetze verstoßen zu haben. "Ich habe immer gegen das Verbrechen gekämpft", erklärte der Politiker, übernehme nun jedoch die politische Verantwortung für die entstandene Situation.
Zuvor hatte Delmastro jegliches Fehlverhalten zurückgewiesen und betont, er habe seine Anteile verkauft, nachdem er von der kriminellen Vergangenheit des Vaters seiner Geschäftspartnerin erfahren habe. Politische Beobachter sehen die Demission vor allem als Folge des wachsenden Drucks im Umfeld der Affäre und des angespannten Klimas nach der Abstimmungsniederlage.
Vorgeschichte mit früherer Verurteilung
Bereits im vergangenen Jahr war Delmastro zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er vertrauliche Informationen über einen inhaftierten Anarchisten öffentlich gemacht hatte. Diese Vorgeschichte trug zusätzlich zur Glaubwürdigkeitskrise des Politikers bei.
Der Rücktritt markiert einen weiteren Rückschlag für die Meloni-Regierung, die sich seit ihrem Amtsantritt mit verschiedenen Kontroversen konfrontiert sieht. Die Opposition nutzt die Affäre, um die Integrität der Regierungspartei grundsätzlich in Frage zu stellen und fordert weitere Aufklärung über mögliche Verbindungen zwischen Politik und organisierter Kriminalität.



