Unser Staat braucht Menschen, die sich reinhängen. Trotzdem gibt es Mitgefühl, vor allem für diejenigen, die bedürftig die Hand aufhalten. Leistungsträger sollen dagegen brav weiterfunktionieren. Kein Wunder, dass viele es satthaben, sich für die Allgemeinheit aufzuopfern.
Die Verhöhnung der Leistungsträger
Wer viel arbeitet und stets funktioniert, gehört zu einer bemitleidenswerten Spezies: den Leistungsträgern. Bemitleidenswert deshalb, da man – je mehr man verdient – für den deutschen Staat vor allem eines ist: eine wandelnde Geldbörse, in die er so lange hineingreift, bis möglichst viel für das Gemeinwohl eingesackt ist.
Das Märchen von den Fachkräften
Wo das einkassierte Geld hinfließt, ist oft ernüchternd. Spätestens vergangene Woche wurde das wieder einmal schmerzhaft deutlich. Da leistete sich Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) einen peinlichen Fauxpas. „Es wandert niemand in unsere Sozialsysteme ein“, erklärte sie im Bundestag ausgerechnet einem AfD-Politiker. Vor ein paar Jahren wäre sie mit so einem Satz noch durchgekommen. Aber Gott sei Dank sind Journalisten heute nicht mehr so furchtbar gutgläubig. Die Sozialstaats-Zahlen sprechen nämlich seit langem eine andere Sprache. Sie zeigen: Fast jeder zweite Bürgergeld-Empfänger ist gar kein Bürger dieses Landes, besitzt also keinen deutschen Pass. Jahrelang hat man versucht, den Menschen einzureden, jede Art von Migration stütze auf Dauer die Sozialsysteme. Jetzt haben wir schwarz auf weiß: Das Durchwinken an den Grenzen hat genau das Gegenteil bewirkt. Na so was.
Solidarität hat zwei Seiten
Natürlich ist das gesellschaftlicher Brennstoff. Die Gutmütigkeit derer, die ins System einzahlen, ist mächtig angeknackst. Solidarität hat eben immer zwei Seiten. Links fragt man sich bekanntlich gern, was die Starken für die Schwachen tun können. Aber stellen wir doch mal die unbequeme Gegenfrage: Wer profitiert eigentlich von wem? Jeder sozial Schwache kann froh über die Topverdiener im Land sein. Ohne sie wäre deutlich weniger da für die sozialstaatliche Umverteilung.
Die Verhöhnung der Leistungsträger
Trotzdem hat sich hierzulande bei manchen die Vorstellung zementiert, dass jeder, der überdurchschnittlich verdient, im Grunde unmoralisch ist. Reiche haben es in Sachen Sympathie nun mal einfach nicht leicht. Sie sind eine der Gruppen, über die man völlig ungeniert herziehen darf. Sonst müssen das bekanntlich nur Männer ertragen.
Wobei „reich“ in Deutschland zu einem nichtssagenden Begriff geworden ist. Wer dabei an Jacht und Privatjets denkt, unterschätzt unseren gierigen Fiskus: Zum „Spitzenverdiener“ wird man bei uns nämlich in Windeseile: Es reichen läppische 70.000 Euro im Jahr. Es trifft also ironischerweise noch den Normalbürger. Gleichzeitig klagt die SPD über die soziale Ungleichheit. Aufstieg sei in dieser Gesellschaft quasi nicht mehr möglich, jammert Philipp Türmer, Juso‑Bundesvorsitzender. Liebe Genossen, wie soll man denn aufsteigen, wenn man den Leuten schon auf den ersten Stufen der Leiter das Portemonnaie leerräumt?
Aufopfern für diesen Staat?
Besonders penetrant wird der Staat bei der jungen Generation. Die soll im Namen der Allgemeinheit alles gleichzeitig erledigen: mehr und länger arbeiten, Wehrdienst leisten, Angehörige pflegen und bitte reichlich Nachwuchs produzieren. Natürlich auch dafür sorgen, dass aus den Kindern etwas Anständiges wird. Noch mehr Transferempfänger – das kann man sich nun wirklich nicht leisten. Ich habe deshalb mittlerweile Verständnis für Teenager, die den Bundeswehr-Fragebogen ghosten. Auch für die eigentlich Fleißigen, die dann doch lieber auf Work-Life-Balance umsatteln oder gleich auswandern. Warum sollte man sich auch für einen Staat aufopfern, dem die junge Generation völlig egal ist? Der jeden zusätzlich verdienten Euro als Beute betrachtet, anstatt an sich selbst zu sparen?
So löst sich dann auch das Sozialstaats-Problem
Aber ich habe auch eine tröstliche Nachricht für alle Besorgten: Das Problem der Einwanderung in die Sozialsysteme könnte sich demnächst auf ganz natürliche Weise erledigen. Man liest ja immer wieder, dass ein noch größerer Pull-Faktor als das Bürgergeld die wirtschaftliche Strahlkraft eines Landes sei. Heißt im Umkehrschluss: Sollte alles richtig schlimm kommen, hätte unser wirtschaftlicher Abstieg einen unschätzbaren strategischen Vorteil.
Sind erst einmal alle Leistungsträger geflohen und wir damit beschäftigt, dem alten Wohlstand hinterherzutrauern, spricht sich das im Ausland herum. Migranten würden plötzlich woanders hingehen. Grenzkontrollen würden überflüssig. Abschiebungen ebenso. Die Leute werden freiwillig ausreisen, auf der Suche nach einem behaglicheren Plätzchen. Immerhin lösen wir unser Migrationsproblem so ganz unkonventionell.



