Vom Chefarzt zum König: Deutscher Arzt wird Emir im Niger
Deutscher Arzt wird König im Niger: Vom Chefarzt zum Emir

Vom deutschen Krankenhaus zum Königsthron: Ein Arzt wird Emir

Mehr als zwei Jahrzehnte lang leitete Dr. Issifi Djibey als Chefarzt die medizinische Abteilung am Klinikum in Rendsburg. Der 75-jährige Mediziner verbrachte seinen Ruhestand friedlich in Schleswig-Holstein, gemeinsam mit seiner Ehefrau. Die Rückkehr in seine westafrikanische Heimat Niger schien unwahrscheinlich – die Ernennung zum König völlig undenkbar. Doch das Schicksal schrieb eine ungewöhnliche Geschichte.

Eine königliche Berufung wider Willen

Der Niger zählt zu den ärmsten Nationen weltweit und ist permanent von islamistischen Gruppierungen bedroht. Bereits 1970 ergatterte Djibey ein begehrtes Stipendium, wanderte nach Deutschland aus und absolvierte dort sein Medizinstudium. Obwohl er aus einem traditionellen Adelsgeschlecht stammt, hatte er nie mit der Thronfolge gerechnet. Als der vorherige Herrscher 2023 verstarb, wurde Djibey jedoch als potenzieller Nachfolger identifiziert. Eine Ablehnung des Amtes wäre für seine Familie im Niger nicht akzeptabel gewesen, wie der Arzt selbst erklärt.

Bis heute bewahrt die Region Kokorou die Tradition der monarchischen Führung, obwohl die eigentliche Regierungsgewalt bei der Zentralregierung in Niamey liegt. In dem Gebiet leben schätzungsweise 150.000 Menschen, die von einem König regiert werden, welcher durch eine Versammlung aller Dorfoberhäupter gewählt wird.

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Gefährliche Wahl und knapper Sieg

Mehr als ein Dutzend Kandidaten bewarben sich um die prestigeträchtige Position. Einige von ihnen sollen Djibey über mehrere Monate hinweg mit dem Tod bedroht haben, wie der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag berichtet. Trotz dieser Einschüchterungsversuche setzte sich der ehemalige Chefarzt schließlich mit 25 von insgesamt 51 Stimmen durch, bestätigt durch den Norddeutschen Rundfunk. Damit trägt er nun offiziell den Titel Emir von Kokorou – eine Wahl auf Lebenszeit.

Der engagierte Mediziner hinterließ auch in Deutschland bleibende Spuren: Als Präsident des Rotary Club Rendsburg spendete er vor vier Jahren Sitzbänke für eine lokale BMX-Bahn. Die Stadt Rendsburg gratulierte ihm auf ihrer Website herzlich zu seiner ungewöhnlichen Karrierewende.

Herausforderungen und Ziele des neuen Herrschers

Auch nach der erfolgreichen Wahl bleibt die Situation prekär. „Der Niger ist leider kein sicheres Land. Dschihadisten stellen eine immense Bedrohung dar. Ich kann mich nur mit einer umfangreichen Eskorte durch die Region bewegen“, schildert Djibey die gefährlichen Umstände. Seine Hauptaufgabe sieht er als Vermittler zwischen der lokalen Bevölkerung und der Zentralregierung. Ihm obliegt das Recht, Steuern einzutreiben und richterliche Entscheidungen zu fällen.

Für seine Amtszeit hat der erfahrene Mediziner klare Vorhaben: Er möchte gezielt in die Infrastruktur investieren, um die natürlichen Ressourcen der Region besser für die Einwohner nutzbar zu machen. Auf Deutschland will Djibey nicht vollständig verzichten – Besuche in Schleswig-Holstein bleiben möglich, erfordern jedoch die Einsetzung eines Statthalters im Niger, voraussichtlich ein Bruder.

Die Stadt Rendsburg äußerte sich anerkennend: „Nicht nur als Mediziner hat er in unserer Stadt einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wir sind zuversichtlich, dass er auch in seiner Heimat Gutes bewirken wird.“ Ein ungewöhnlicher Lebensweg, der Medizin und Monarchie auf einzigartige Weise verbindet.

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