Weniger Abschiebungen aus Deutschland – Iran-Krieg ein Grund?
Weniger Abschiebungen – Iran-Krieg als Ursache?

Die Zahl der Abschiebungen aus Deutschland ist im ersten Quartal dieses Jahres deutlich zurückgegangen. Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Frage der Linken-Abgeordneten Clara Bünger hervorgeht, wurden in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 insgesamt 4.807 ausreisepflichtige Menschen in ihre Herkunftsländer oder in andere EU-Staaten zurückgeführt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, in dem zwischen Januar und März 2025 noch 6.515 Abschiebungen erfolgten, ist dies ein spürbarer Rückgang. Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ hatte zuerst über die Statistik berichtet.

Hauptzielländer und auffällige Veränderungen

Die Türkei war mit 601 abgeschobenen Personen das Hauptzielland, gefolgt von Georgien mit 266 und Nordmazedonien mit 230 Abschiebungen. Besonders auffällig ist der Rückgang bei Überstellungen in andere EU-Staaten: Nach Spanien wurden nur noch 192 Menschen abgeschoben, nachdem es im ersten Quartal 2025 noch 325 waren. Nach Frankreich gingen die Zahlen von 333 auf 174 zurück.

Dublin-Regeln und sinkende Einreisezahlen

Ein direkter Zusammenhang mit der seit etwa eineinhalb Jahren rückläufigen Zahl unerlaubter Einreisen und Asylerstanträge ist insgesamt nicht erkennbar. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) nutzt die freigewordenen Kapazitäten, um Altfälle zu bearbeiten, was teils zu Abschiebungen führen kann. Bei den sogenannten Dublin-Überstellungen in EU-Staaten wie Frankreich oder Spanien ist jedoch ein Zusammenhang wahrscheinlich: Nach den Dublin-Regeln ist eine Überstellung nur innerhalb einer bestimmten Frist möglich. Verstreicht diese, geht die Verantwortung auf den Aufenthaltsstaat über. Das Bamf bemüht sich daher besonders bei kooperierenden EU-Zielstaaten um eine rasche Bearbeitung.

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Iran-Krieg erschwert Abschiebungen

Ein weiterer Faktor ist der Iran-Krieg, den Israel und die USA Ende Februar begonnen hatten. Zwar wurden im ersten Quartal 2026 nur drei Menschen in den Iran abgeschoben (Vorjahr: fünf), und mehrere Bundesländer haben einen Abschiebestopp für den Iran verhängt. Doch der Krieg führte zur Streichung zahlreicher Flugverbindungen, was Abschiebungen per Linienflug erschwert. Auch die Organisation von Sammelcharterflügen ist für bestimmte Zielregionen schwieriger geworden. So wurden im ersten Quartal 2025 noch 157 Menschen in den Irak abgeschoben; im ersten Quartal 2026 taucht der Irak nicht mehr unter den Hauptzielländern auf.

Die Linken-Abgeordnete Bünger kritisierte, dass selbst vor dem aktuellen Krieg Abschiebungen in den Iran verantwortungslos gewesen seien. Sie verwies auf die brutale Niederschlagung der Massenproteste im Iran Anfang des Jahres.

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