Berlin – Nicole Büttner, die ehemalige FDP-Generalsekretärin, kündigt ihre erneute Kandidatur für den Parteivorstand an. Nach den verlorenen Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz war sie von ihrem Amt zurückgetreten. Nun meldet sie sich mit einem exklusiven Interview zurück und spricht über ihre Beweggründe, ihre Zukunft und die Lehren aus den Wahlniederlagen.
Rückzug und Reflexion
Büttner hatte sich in den vergangenen Wochen weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Auf die Frage, warum sie abgetaucht sei, antwortet sie: „Das Wahlergebnis hat wehgetan. Wir hatten eine klare Vision. Aber wir sind mit unseren Botschaften nicht durchgedrungen.“ Sie habe sich viele Gedanken über die Gründe gemacht.
Ein ungewöhnliches Ereignis brachte sie in die Schlagzeilen: Nach einer verlorenen Wette mit der Schwäbischen Zeitung musste sie sich eine Glatze rasieren. Sie hatte gewettet, dass die FDP in den Landtag von Baden-Württemberg einziehen würde. Die Reaktionen seien überwiegend positiv gewesen, sagt sie. „Die Menschen fanden es gut, dass ich zu meinem Wort stehe.“ Eine zweite Wette um ihre Haare werde sie aber nicht eingehen. Die kurzen Haare empfinde sie als erfrischend, und die Erfahrung habe sie dazu gebracht, aus ihrer Komfortzone zu treten.
Rücktritt ohne Reue?
Am Tag nach der Wahl in Rheinland-Pfalz trat Büttner als Generalsekretärin zurück. Ob sie diesen Schritt bereue, beantwortet sie differenziert: „Einerseits war ich fest überzeugt, dass ich das Land und unsere Partei weiterbringen kann. Andererseits kann man nach so einem Wahlergebnis nicht einfach sagen: ‚Wir machen weiter wie bisher.‘“ Der Rücktritt sei konsequent gewesen, um neue Konstellationen für den Erfolg der Partei zu ermöglichen.
Essenziell sei, dass die FDP noch immer mit dem Vorurteil kämpfe, die Partei der Besserverdienenden zu sein. „Wir haben darüber nicht ausreichend diskutiert“, räumt Büttner ein. Dabei wolle die FDP Politik für alle machen, die etwas leisten wollen – Krankenschwestern, Pflegekräfte, Facharbeiter. „Unser Credo war stets: Arbeit muss sich lohnen!“ Diese Botschaft müsse künftig klarer artikuliert werden. Zudem hätten Nachwahlbefragungen gezeigt, dass viele Wähler von den Ampeljahren enttäuscht seien.
Erneute Kandidatur für den Parteivorstand
Büttner betont, dass sie Verantwortung tragen wolle. Sie kandidiere auf dem nächsten Parteitag erneut für den Parteivorstand. Ob dies in ein politisches Amt mündet, werde sich zeigen. „Ich möchte meine unternehmerische Erfahrung einbringen, um das Land zu erneuern.“ Sie sehe eine Repräsentationslücke für alle, die in Deutschland etwas reißen wollten – in Unternehmen, Behörden, Klassenzimmern, Krankenhäusern oder Sportvereinen. „Mehr als 20 Prozent der Bevölkerung sagt: Die FDP fehlt im Bundestag! Ich möchte der Partei helfen, dorthin zurückzukehren.“
Als Unternehmerin mit fast 100 Mitarbeitern habe sie genug zu tun. Warum sie sich die „Ochsentour“ noch einmal antue? „Genau weil ich jeden Tag sehe, was möglich ist, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und machen, statt zu warten.“ Sie wolle Politik machen, um denen das Leben leichter zu machen, die etwas aufbauen. „Diese Leistungsbereiten fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.“
Kritik an der Bundesregierung
Auf die Frage, was Bundeskanzler Friedrich Merz falsch mache, antwortet Büttner zurückhaltend: „Fakt ist, dass die Bundesregierung gerade auf Kosten der jungen Menschen dringende Reformen und Investitionen verschläft und den Staat unnötig aufbläht.“ Das solle aber nicht ihr Fokus sein. „Es geht nicht darum, was Friedrich Merz falsch macht. Es geht darum, was wir besser machen.“
Ihr designierter Parteivorsitzender Wolfgang Kubicki habe Merz scharf attackiert. Büttner distanziert sich nicht direkt, betont aber: „Die FDP verfügt bei Themen wie Bürgerrechte, Steuervereinfachung, Bürokratieabbau, Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung, Kapitaldeckung in Sozialsystemen und Bildungspolitik über sehr viel Expertise. Das können wir! Aber wir müssen es den Menschen besser erklären.“ Sie wolle den Kern der FDP als Zukunftspartei für Aufstieg, Wohlstand und Freiheit herausschälen, insbesondere für den Wohlstand der Mittelschicht.



