Rom – Knapp ein Jahr ist es her, dass Robert Francis Prevost als Leo XIV. zum Papst gewählt wurde. Sein erster Satz auf der Mittelloggia des Petersdoms war ein Friedensgruß: „La pace sia con tutti voi“ („Friede sei mit Euch allen“). Der Jubel der Zehntausenden auf dem Petersplatz war groß. Doch die Welt ist seither nicht friedlicher geworden, trotz aller Appelle des Papstes.
Ein Brückenbauer mit traditionellem Stil
Leo XIV. hat nach den turbulenten Jahren unter Franziskus Ruhe in die Kirche gebracht. Die Auseinandersetzungen zwischen Traditionalisten und Reformern sind weniger geworden. Kardinal Reinhard Marx, der ihn im Konklave mitgewählt hat, beschreibt ihn als „Brückenbauer, der Gräben zuschüttet“. In theologischen Fragen hat der neue Papst allerdings noch keine großen Akzente gesetzt. Ein erstes Lehrschreiben über Künstliche Intelligenz wird erwartet. Auch bei Personalentscheidungen hält er sich zurück. Auffällig ist sein traditioneller Kleidungsstil und dass er wieder im Apostolischen Palast wohnt sowie regelmäßig die Sommerresidenz in Castel Gandolfo nutzt.
Der Anti-Trump aus dem Vatikan
Leo XIV., der erste Papst aus den USA, spricht kein Englisch – ein Zeichen, dass er sich nicht von seiner Heimat vereinnahmen lassen will. Er widerspricht US-Präsident Donald Trump deutlich, etwa wegen dessen „Allmachtsfantasien“, der Drohung gegen den Iran und der Migrantenpolitik. Kürzlich setzte er einen Bischof in den USA ein, der als Flüchtling ohne Papiere ins Land gekommen war. Kirchenhistoriker Massimo Faggioli nennt ihn den „guten Amerikaner, wie man ihn aus Filmen kennt“. Trump reagierte mit einer Schimpftirade und einem Kitschgemälde von sich als Jesus. Leo erklärte, er habe kein Interesse an einer Auseinandersetzung, nehme aber nichts zurück. Eine Begegnung der beiden gab es noch nicht. Für den heutigen Donnerstag lud Leo jedoch US-Außenminister Marco Rubio zur Audienz.
Kritik aus Deutschland und Reisepläne
Für seine klaren Worte gegen Trump erntete Leo international Lob. In Deutschland hingegen sind viele enttäuscht, weil er bei innerkirchlichen Reformen bremst, etwa bei der Zulassung von Frauen zur Diakonin oder bei Segnungsfeiern für homosexuelle Paare. Auf dem Heimflug von einer Afrika-Reise erklärte er sich mit solchen Segnungen „nicht einverstanden“. Im Laufe des Jahres will Leo nach Südamerika reisen, auch nach Peru, seiner zweiten Heimat. Eine Einladung Trumps zu den Feiern zum 250. Jahrestag der US-Unabhängigkeit am 4. Juli lehnte er ab. Stattdessen wird er an diesem Tag die Mittelmeer-Insel Lampedusa besuchen, so wie es bereits sein Vorgänger Franziskus getan hatte – ein Symbol für die Flüchtlingshilfe.



