NSDAP-Kartei: Wie tief war Ihre Familie verstrickt?
NSDAP-Kartei: Wie tief war Ihre Familie verstrickt?

Der SPIEGEL hilft beim Durchsuchen der Daten – und lässt Sie mit Treffern nicht allein

„Ihr seid klüger“, hat die Holocaustüberlebende Margot Friedländer einmal an die Deutschen appelliert. „Ihr habt gelernt – ihr wisst, was sich gehört, was wir sind.“ Zu dem Lernen, das Friedländer meint, gehört es auch, sich klarzumachen, was die eigene Familie unter Hitler getan hat. Wissen Sie Bescheid darüber, was Ihre Großeltern und Urgroßeltern in der Nazizeit machten, wie sehr Ihre Familie verstrickt war? Der SPIEGEL hat Millionen Mitgliedskarten der NSDAP für Sie aufbereitet. Mit der smarten Suchfunktion können Sie selbst dann Akten finden, wenn Sie den Namen Ihres Uropas nur ungefähr wissen oder das genaue Geburtsjahr nicht kennen.

Interaktives Recherche-Tool

Der SPIEGEL hat Millionen Mitgliedskarten der NSDAP aufbereitet und durchsuchbar gemacht, so dass jede und jeder darin recherchieren kann. Das Ziel: Die Suche so komfortabel und sinnvoll zu gestalten wie möglich und zugleich Fehler zu minimieren. Aber keine Technik ist perfekt, mancher Datensatz unvollständig. Wir verstehen die Arbeit an der Nazi-Kartei als Experiment, das weitergeht. Wir werden das Recherchetool schrittweise erweitern und verbessern. Und wir werden Korrekturen und Erweiterungen transparent dokumentieren.

Millionen Deutsche wollten lange glauben, ihre Familien seien an Ausgrenzung, Gewalt, Kriegsverbrechen und Judenmord unbeteiligt gewesen. Acht Jahrzehnte nach Kriegsende haben viele angefangen, Tabus und Familienlegenden neu zu hinterfragen. Das US-Nationalarchiv hat im Frühjahr die überlieferten Mitgliedskarteien der NSDAP im Netz veröffentlicht. Die Millionen Einträge bieten eine – wenn auch unvollständige – Liste jener Personen, die bis 1945 zumindest auf dem Papier die Herrschaft und Verbrechen der Nationalsozialisten unterstützten. Der SPIEGEL hat, wie andere Organisationen und Redaktionen auch, die Daten aufbereitet. Unser Ziel: Die Recherche in den Akten für Sie so einfach wie möglich zu machen, dabei Fehler zu minimieren – und Ihnen sinnvolle Treffer zu liefern.

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Wir wollen Sie mit den Treffern nicht alleinlassen. Sie finden zu jedem Treffer mehr Hintergrund und historischen Kontext in automatisch erstellten Dossiers, die Sie herunterladen und teilen können. Zudem finden Sie nützliche Tipps und Links, wie Sie weiterforschen können. Unsere smarte Suche gleicht die Treffer etwa mit den Entnazifizierungsakten ab, die in vielen Bundesländern zugänglich sind. Bei aller Sorgfalt und Mühe ist klar: Die Datenbank hat Lücken und enthält Fehler, die wir nach und nach beheben. Wenn Sie Ihre Verwandten nicht finden, kann das unterschiedliche Gründe haben: In den historischen Beständen fehlen viele Karten. Aber auch beim Aufbereiten der Daten können Pannen passieren. Oder die KI hat Namen doch falsch ausgelesen oder zugeordnet. Wir werden unser Recherchetool schrittweise erweitern und verbessern. Und wir werden die Korrekturen und Erweiterungen transparent dokumentieren.

Der Zustand des Schienennetzes hat sich nicht verbessert – trotz Rekordinvestitionen

Ich habe große Teile der heutigen Abendlage in einem ICE geschrieben, der für den Weg vom Berliner Hauptbahnhof nach Halle fast genau vier Stunden gebraucht hat. Laut Fahrplan sollten es eine Stunde und sechs Minuten sein. Die Ansagen des Zugpersonals mit Begründungen für die Umleitung des Zuges wechselten, aber höchstwahrscheinlich war mal wieder etwas am Bahnnetz marode. Heute hat die Infrastrukturtochter der Bahn mit dem dynamisch klingenden Namen InfraGo einen Bericht zum Zustand von Netz und Personenbahnhöfen veröffentlicht. Mein Kollege David Böcking fasst ihn so zusammen: „Die erhoffte Trendwende bleibt vorerst aus.“ Laut dem Bericht lag die Zustandsnote im vergangenen Jahr insgesamt bei 3,00 und damit auf dem Niveau des Vorjahres. Evelyn Palla, die Chefin der Bahn, hat allerdings deutlich mehr versprochen als den Erhalt des Status quo. Sie wolle den Konzern „auf links drehen“, versprach Palla zum Amtsantritt im Herbst vergangenen Jahres. Laut dem heutigen Bericht ist allerdings rund jedes zweite Stellwerk so marode, dass es ersetzt werden muss. Insgesamt besteht allein bei Anlagen, die als „schlecht“, „einschränkend“ oder „mangelhaft“ eingestuft wurden, ein Erneuerungsbedarf von 106 Milliarden Euro.

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Den über Jahrzehnte entstandenen Sanierungsstau will die Bundesregierung mit dem 500 Milliarden Euro schweren Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) bekämpfen. Doch Hoffnungen auf allzu schnelle oder deutliche Verbesserungen werden von InfraGo-Vorstandschef Philipp Nagl gedämpft. „Palla und Nagl stehen vor einer heiklen Gratwanderung“, so mein Kollege David. „Einerseits betonen sie stetig, dass der Finanzbedarf wegen der Versäumnisse der Vergangenheit in den nächsten Jahren hoch bleibt. Andererseits müssen sie den Eindruck vermeiden, die Bahn fordere immer mehr, obwohl schon ein großer Teil der SVIK-Milliarden in die Schiene fließen soll.“

Bereits 2032 will Rheinmetall die ersten Fregatten ausliefern

Beim größten Rüstungsgeschäft in der Geschichte der bundesdeutschen Marine, das leider durch Pannen verzögert wurde, geht es jetzt vielleicht doch voran. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall will das Projekt zum Bau von sechs neuen Fregatten für die Bundeswehr für rund 12,8 Milliarden Euro retten – als Generalunternehmer. Meine Kollegen Matthias Gebauer und Paul-Anton Krüger berichten heute, dass Rheinmetall ein entsprechendes Angebot beim Verteidigungsministerium vorgelegt hat. Ursprünglich sollte die niederländische Damen-Werft die neuen Kriegsschiffe für die Marine bauen. Dafür waren zuletzt rund zehn Milliarden Euro vorgesehen. Die Bundeswehr hatte die ersten vier Schiffe im Juni 2020 bestellt, das erste sollte 2028 geliefert werden.

„Das Ziel von Rheinmetall ist ambitioniert“, schreiben meine Kollegen. „Der Konzern will die erste von sechs Fregatten bereits 2032 ausliefern.“ Weil die Damen-Werft in so gravierende technische und finanzielle Schwierigkeiten geriet, dass das Projekt vor dem Aus stand, hatte das Verteidigungsministerium den Generalunternehmer gewechselt. „Für Verteidigungsminister Boris Pistorius läuft die Uhr: Deutschland hat die Fregatten für Ende des Jahrzehnts bei der Nato als deutschen Beitrag angemeldet“, so meine Kollegen Matthias und Paul-Anton. „Von 2028 an muss Berlin demnach Fähigkeiten zur U-Boot-Jagd für den Nordatlantik bereitstellen.“ Kann Rheinmetall das Angebot wie skizziert umsetzen, würden die neuen F126-Fregatten gut vier Jahre später als geplant kommen.

Was heute sonst noch wichtig ist

  • Finanzministerium erwartet 17,8 Milliarden Euro weniger Steuereinnahmen für 2026: Der Arbeitskreis Steuerschätzung hat seine Erwartungen gedämpft. Die Bundesregierung muss in den kommenden Jahren mit deutlich weniger Geld auskommen als bisher erwartet.
  • Platz vor Berliner Landesparlament trägt jetzt Margot Friedländers Namen: Der Platz vor dem Berliner Abgeordnetenhaus erinnert nun an die Holocaustüberlebende Margot Friedländer. Im vergangenen Jahr war die Ehrenbürgerin der Stadt im Alter von 103 Jahren gestorben.
  • Argentinien sucht nach Ursprung von Hantavirus-Infektionen in Ushuaia: Die Experten sollen Nagetiere untersuchen: Nach den Hantavirus-Todesfällen auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ schickt Argentinien Fachleute in den Süden des Landes. Sie fahren in Gebiete, die ein niederländisches Ehepaar besucht hat.

Was heute weniger wichtig ist

Late-Night-Apokalyptiker: David Letterman, 79, ehemaliger Gastgeber einer Late-Night-Show, hält diese TV-Gattung für weitgehend erledigt. Nach dem Beschluss des Senders CBS, die Sendung seines Nachfolgers Stephen Colbert am 21. Mai zum letzten Mal zu präsentieren, sagte er über andere Late-Night-Sendungen etwa von Seth Meyers und die Zukunft des Formats: „Es ist nicht komplett tot, aber ich wäre überrascht, wenn das mehr als ungefähr ein Jahr so bleibt.“

Und heute Abend?

Könnten Sie sich in der Mediathek des Fernsehsenders 3sat die Aufzeichnung der spektakulären Theaterinszenierung „Fräulein Else“ anschauen. Sie ist heute Abend im Rahmen des Theatertreffens auch live im Berliner Ensemble zu sehen. Die Regiearbeit von Leonie Böhm, die in Wien Premiere hatte, beruht auf einer mehr als 100 Jahre alten Novelle von Arthur Schnitzler. Sie handelt von, wie man heute sagt, sexualisiertem Machtmissbrauch – und ist leider sehr aktuell. Die wirklich hinreißende Schauspielerin Julia Riedler spielt die Titelheldin und wurde für ihren Auftritt in der Kritikerumfrage der Zeitschrift „Theater heute“ zur Schauspielerin des Jahres 2025 gewählt. Im SPIEGEL-Interview sagt Riedler: „Wenn ich auf der Bühne Scham empfinde, wird es interessant. Weil etwas passiert, das gegen das Gewohnte verstößt. Dafür sind Kunstwerke da. Um uns mit Verhaltensweisen und Situationen zu konfrontieren, die uns im Alltag überfordern.“

Einen schönen Abend. Herzlich, Ihr Wolfgang Höbel, Autor im Kulturressort.