NSU-Morde: Verfassungsschutz im Fokus nach 20 Jahren
Auch zwei Jahrzehnte nach dem Mord an Halit Yozgat durch den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) in Kassel bleiben viele Fragen offen. Insbesondere die mögliche Verwicklung des Verfassungsschützers Andreas T. sorgt weiterhin für Diskussionen. Eine SPIEGEL-Dokumentation hat die Fakten überprüft.
Die Mordserie des NSU
Von 2000 bis 2006 ermordete der selbst ernannte NSU neun Menschen aus rassistischen Motiven, später auch eine Polizistin. In der Folge gab es Spekulationen, ein Verfassungsschützer habe von einem der Morde gewusst. Diese Annahme ist sogar in Wikipedia verzeichnet. Doch was ist wirklich belegt?
Beweise und Indizien
Laut Bertolt Hunger von der SPIEGEL-Dokumentation ist nur gesichert, dass der Verfassungsschützer Andreas T. während des Mordes an Halit Yozgat im Jahr 2006 am Tatort im Internetcafé in Kassel anwesend war. In seinem Elternhaus wurden szenetypische Materialien wie Waffen und eine Abschrift von Hitlers "Mein Kampf" gefunden. Nachbarn berichteten, ihn in seiner Jugend als "Kleinen Adolf" bezeichnet zu haben.
Allerdings fehlen konkrete Beweise für eine Zusammenarbeit mit dem NSU. Es gibt keine Mails, Fingerabdrücke auf NSU-Material, nachgewiesene Treffen oder Telefongespräche. Hunger betont, dass Andreas T. aus privaten Gründen im Internetcafé war, um Datingplattformen zu nutzen, während seine Frau hochschwanger war. Dies habe nichts mit dem NSU zu tun.
Kritik am Verfassungsschutz
Die Anwesenheit eines Geheimdienstlers mit möglicher rechter Gesinnung am Tatort wirft Fragen zur Personalauswahl des Verfassungsschutzes auf. Entscheidend ist jedoch, dass der Verfassungsschutz zwar von drei gewaltbereiten Rassisten wusste, die untergetaucht waren, diese Information aber nicht mit der rassistischen Mordserie in Verbindung brachte.
Nicht nur staatliche Stellen versagten damals. Viele Journalisten übernahmen die Thesen der Ermittler unkritisch. Die Mordermittlungen führten nie zum Ziel. Der NSU flog erst 2011 auf, fünf Jahre nach dem Mord an Yozgat, aufgrund einer Raubserie, die ein Polizist korrekt analysierte.
Fazit nach 20 Jahren
Der 6. April 2026 markiert einen traurigen Jahrestag. Trotz intensiver Ermittlungen bleiben viele Aspekte der NSU-Morde ungeklärt. Während Indizien auf Probleme im Verfassungsschutz hinweisen, gibt es keine Beweise für eine aktive Hilfe für die Mörder. Die Aufarbeitung dieser dunklen Kapitel der deutschen Geschichte bleibt eine fortwährende Herausforderung.



