Milliardengrab Digitalfunk: Bundeswehr-Projekt gefährdet Soldatenleben
Ein milliardenschweres Digitalisierungsvorhaben der Bundeswehr entwickelt sich zum teuren Debakel mit potenziell tödlichen Konsequenzen. Für das stockende Digitalfunk-Projekt „Digitalisierung Landbasierte Operationen“ (D-LBO) sind bereits mehr als zwei Milliarden Euro ausgegeben worden – obwohl die Technik bis heute nicht einsatzfähig ist.
Gefahr im Übungsbetrieb bereits real
Ein vertraulicher Testbericht, der lange unter Verschluss gehalten wurde, enthüllt erschreckende Details: Ende 2025 musste ein zweiter Einsatztest des Digitalfunks wegen schwerwiegender Fehler abgebrochen werden. Die Mängel der im November getesteten Version waren so gravierend, dass bereits im regulären Übungs- und Ausbildungsbetrieb mit umgerüsteten Kampfpanzern „Gefahr für Leib und Leben“ bestand.
Betroffen war insbesondere der einfache Sprechfunk zwischen Kampfpanzern, in welche die neue Technik erstmals eingebaut worden war – etwa in den modernen Leopard 2 A7V. Nach dem Einbau wurden plötzlich selbst einfache Funksprüche nicht mehr zuverlässig übertragen. Soldaten konnten nicht mehr erkennen, ob ihre Funksprüche überhaupt gesendet worden waren.
Lebensgefahr durch Kommunikationsausfall
Im Testurteil wird deutlich gemacht: Ein Befehl zum sofortigen Feuerstopp („Stopfen“) könne nicht mehr verlässlich gegeben werden. Diese Kommunikationslücke bedeutet im Ernstfall Lebensgefahr für die beteiligten Soldaten. Das Verteidigungsministerium bestätigte in einem Schreiben an den Bundestag die bisherigen Ausgaben von etwa 1,749 Milliarden Euro, zuzüglich weiterer 299 Millionen Euro für flankierende Maßnahmen.
Kritik an Strukturen und Mittelverwendung
Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europaparlament, übt scharfe Kritik am Umgang mit den Mitteln: „Zwar stünden durch das Sondervermögen erhebliche Mittel zur Verfügung, doch die veralteten Strukturen bestünden fort.“ Sie fügt hinzu: „Das sei aber noch schlimmer, weil offensichtlich jetzt ohne wirksame Planung und Kontrolle das Sondervermögen, für das sich die Bundesregierung auf Kosten der Jungen hoch verschuldet hat, zum Fenster rausgeschmissen wird.“
Komplexes Rüstungsvorhaben mit vielen Komponenten
Das D-LBO-Projekt gilt als eines der komplexesten Rüstungsvorhaben der Bundeswehr. Ziel ist die digitale Vernetzung von Soldaten, Fahrzeugen und Gefechtsständen für ein modernes Gefechtsmanagement. Neben Funkgeräten umfasst das Projekt:
- Eine europäische Wellenform („Essor“)
- Die Anbindung an Mobilfunknetze
- Verschiedene Funksysteme für unterschiedliche Fahrzeugtypen
Doch trotz der milliardenschweren Investitionen bleibt die Kernfunktion – die zuverlässige Kommunikation zwischen Soldaten und Fahrzeugen – bis heute ungelöst. Das Projekt entwickelt sich damit zu einem teuren Symbol für die strukturellen Probleme in der deutschen Rüstungsbeschaffung.



