Bundeswehr reduziert Präsenz im Irak deutlich
Wegen der akuten Gefahr einer militärischen Eskalation zwischen den Vereinigten Staaten und Iran hat die Bundeswehr ihre Truppenpräsenz im Nachbarland Irak erneut und deutlich verringert. Nach aktuellen Informationen wurden am Mittwoch eine kleine zweistellige Zahl deutscher Soldaten aus dem Nordirak nach Jordanien ausgeflogen. Dies bestätigen vertrauliche Lageberichte der Truppe.
Mission im Irak auf Minimum reduziert
Die Bundeswehr unterstützt im Irak im Rahmen einer NATO-Mission den Aufbau der lokalen Armee. Bis auf einige wenige Berater in der Hauptstadt Bagdad sind die meisten der Bundeswehrangehörigen in Erbil im kurdisch dominierten Norden des Landes stationiert. Bereits Anfang Februar hatte die Bundeswehr die Präsenz in Erbil reduziert. Aufgrund der zunehmenden Gefahr eines möglichen US-Schlags gegen Iran wurde nun entschieden, noch mehr Soldaten abzuziehen.
In Militärkreisen wird betont, dass es sich bei dem ausgeflogenen Personal um »nicht missionskritisches Personal« handelt. Die verbleibenden Kräfte konzentrieren sich auf absolut notwendige Aufgaben. Die gemeinsame Nutzung von Stützpunkten mit US-Streitkräften birgt eine »mittelbare Gefährdung« für die Bundeswehr, wie aus internen Dokumenten hervorgeht.
Historische Angriffe und aktuelle Bedrohungslage
In der Vergangenheit hatte Iran in ähnlichen Spannungssituationen mehrfach versucht, amerikanische Stellungen im Nordirak anzugreifen. Dabei geriet auch die Bundeswehr ins Visier, da sie wie die Amerikaner nahe dem Flughafen von Erbil stationiert ist. Die aktuelle Lage im Nahen Osten wird von der Bundeswehr sehr genau beobachtet.
Schon Ende Januar erhöhte die Bundeswehr die Gefahrenstufe für den US-Stützpunkt al Udeid in Katar auf »erheblich«. Im Osten Jordaniens betreibt die Luftwaffe einen kleinen Stützpunkt, von dem aus Tankflugzeuge eine internationale Koalition gegen Terrorgruppen in der Region unterstützen. Auch auf dem Stützpunkt in Katar sind einige deutsche Soldaten im Stab der Anti-Terror-Koalition eingesetzt.
Zahlen und Hintergründe des Einsatzes
Zuletzt hatte die Bundeswehr für die Mission im Irak und in Jordanien insgesamt etwa 300 Soldaten und Soldatinnen im Einsatz. Der größte Teil davon ist allerdings in Jordanien stationiert. Die aktuelle Reduzierung im Irak spiegelt die wachsende Sorge vor einer unmittelbaren militärischen Auseinandersetzung wider.
Die Entscheidung, weitere Kräfte abzuziehen, unterstreicht die ernste Einschätzung der Sicherheitslage durch die deutschen Militärbehörden. Die Bundeswehr bleibt zwar präsent, konzentriert ihre Aktivitäten jedoch auf das absolut Notwendige, um die Sicherheit des Personals zu gewährleisten.



