DRK-Präsident warnt vor massiven Defiziten im Bevölkerungsschutz
Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Hermann Gröhe, hat in einem aktuellen Interview mit dem Tagesspiegel erhebliche Mängel im Schutz der Bevölkerung in Deutschland angeprangert. Trotz wachsender Sicherheitsrisiken und jüngster Krisen wie Hochwasser oder Stromausfällen sei der Bevölkerungsschutz völlig unterfinanziert, kritisierte Gröhe scharf.
Ohne Bevölkerungsschutz keine Verteidigungsfähigkeit
Gröhe betonte, dass der Bevölkerungsschutz ein essenzieller Bestandteil der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands sei. Es passe nicht zusammen, mit markigen Worten eine zeitnahe Herstellung der Kriegstüchtigkeit anzumahnen, wenn nicht mit gleicher Entschlossenheit der Schutz der Bevölkerung vorangetrieben wird, erklärte der DRK-Präsident. Er sieht einen gewaltigen Nachholbedarf und forderte mindestens eine zusätzliche Milliarde Euro für diesen Bereich.
Krankenhäuser und Ehrenamtliche im Fokus
Besonders Krankenhäuser müssten nach Ansicht von Gröhe krisenfester werden. Zudem brauche es mehr Wissen über die Einsatzbereitschaft von Ehrenamtlichen sowie bundesweit klare Regelungen und Unterstützung. Jetzt verlangt die völlig veränderte Sicherheitslage einen nachhaltigen echten Kraftakt auf allen politischen Ebenen, sagte Gröhe. Für Zuständigkeitsstreitereien zwischen Bund und Ländern sei keine Zeit mehr.
Forderung nach mehr Mitteln für Hilfsorganisationen
Der DRK-Präsident kritisierte, dass zusätzliche Mittel für den Bevölkerungsschutz bisher primär Bundesbehörden oder dem Technischen Hilfswerk zugutegekommen seien. Die anerkannten Hilfsorganisationen wie das DRK wurden aber bislang nicht ausreichend berücksichtigt, monierte Gröhe. Dabei müssten dessen Ehrenamtliche im Ernstfall einen Großteil der Arbeit leisten. Da kann es nicht sein, dass sie an Gerät üben, das aus der Zeit der Eltern oder gar der Großeltern stammt.
Katastrophenvorsorge als zentrale Aufgabe
Gröhe wies darauf hin, dass es auch um Katastrophenvorsorge gehe. Tritt der Krisenfall erst ein, ist es für Vorsorge zu spät, warnte er. Er forderte, erheblich mehr Mittel für Erste-Hilfe-Kurse mit Selbstschutzinhalten im Bundeshaushalt zur Verfügung zu stellen. Wenn in jedem zehnten Haushalt jemand lebe, der im Ernstfall wisse, was zu tun ist, stärke das die Widerstandskraft der Gesellschaft insgesamt deutlich.
Vor dem Hintergrund neuer Zweifel an der Verlässlichkeit der USA in der Nato hatten Grüne und FDP erst am Mittwoch im Europaparlament gemeinsame EU-Militärübungen gefordert. Gröhes Kritik unterstreicht die Dringlichkeit, den Bevölkerungsschutz in Deutschland angesichts globaler Krisen und Sicherheitsrisiken endlich angemessen zu finanzieren und zu stärken.



