Militärexperte warnt vor monatelanger Blockade der Straße von Hormus durch Iran
Seit mehr als zwei Wochen blockiert das iranische Regime die strategisch äußerst wichtige Straße von Hormus für den regulären internationalen Handelsverkehr. Nur Schiffe aus befreundeten Staaten dürfen das Nadelöhr der Weltwirtschaft noch passieren. Für den britischen Militärfachmann und ehemaligen Soldaten Andrew Fox war diese Entwicklung absehbar und vorhersehbar.
„Das Offensichtlichste, was sie tun konnten“
„Das Offensichtlichste, was sie tun konnten, war, die Straße von Hormus zu schließen“, erklärt Fox deutlich. Der leitende Wissenschaftler der in London ansässigen Henry Jackson Society warnt mit Nachdruck, dass es möglicherweise „Monate dauern“ könnte, bis Handelsschiffe wieder sicher durch die Meerenge fahren können. Diese Prognose gilt selbst für den Fall, dass die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten jetzt gemeinsam militärisch eingreifen sollten.
Fox hält es für bemerkenswert und zugleich besorgniserregend, wie lange diese konkrete Gefahr international unterschätzt wurde. „Das ist das Seltsamste an der ganzen Debatte“, stellt er fest. Aus seiner militärstrategischen Perspektive war die Meerenge von Beginn der Krise an der naheliegendste und wirksamste Hebel des Iran.
Keine permanente Sperre, aber wirksame Bedrohung
Dabei gehe es dem Teheraner Regime laut Fox nicht um eine dauerhafte und lückenlose Sperre der Wasserstraße. „Sie versuchen keine permanente Schließung, sondern wollen die Einfahrt verwehren, indem sie Schiffe mit Angriffen bedrohen“, erläutert der Experte. Genau hier liege der entscheidende Punkt: Iran müsse die Straße von Hormus nicht vollständig kontrollieren, sondern könne sie bereits wirksam unbenutzbar machen, indem er glaubhaft mit Angriffen droht.
Als konkrete Mittel nennt Fox „Minen, Küstenraketen, Drohnen und schnelle Angriffsschwärme“. Mit dieser Kombination unterschiedlicher Waffensysteme seien „bislang bereits 16 Schiffe vom Iran getroffen worden“. Seine militärische Analyse kommt zu dem Schluss, dass viele verschiedene Bedrohungen zusammen ausreichen, um die Passage faktisch stillzulegen und den Schiffsverkehr zum Erliegen zu bringen.
Angepasste Taktik mit zivil getarnten Schiffen
Weil die konventionelle iranische Marine in den letzten Jahren geschwächt worden sei, beobachtet Fox bereits eine deutliche Anpassung der iranischen Taktik. „Das Regime setzt jetzt getarnte zivile Schiffe aus seiner sogenannten Schattenflotte ein“, berichtet er. Diese Schiffe würden gezielt genutzt, „um sich Tankern und Frachtern zu nähern und sie dann anzugreifen“.
Für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten ist die Lage aus Sicht des Experten besonders schwer beherrschbar. „Die USA versuchen derzeit, die Raketenwerfer auf iranischer Seite der Straße von Hormus zu finden und zu zerstören“, sagt Fox. Dies sei jedoch äußerst schwierig, „weil man vorher umfangreiche und präzise Aufklärung braucht“. Oder wie er es militärisch formuliert: „Man kann nicht einfach sagen: Geht dorthin und zerstört alles, was ihr seht. Das funktioniert in der Realität nicht.“
Besondere Gefahr durch Kamikaze-Drohnen
Besonders groß schätzt Fox die Gefahr durch iranische Drohnen ein. „Shahed-Drohnen, das sind etwa vier Meter lange Kamikaze-Drohnen, können gezielt gegen Handelsschiffe eingesetzt werden“, warnt der Militärexperte. Weil weder die USA noch die Golfstaaten über „billige und wirksame Mittel“ verfügten, um diese Drohnen zuverlässig abzuschießen, stelle dies „eine sehr reale und akute Bedrohung für die internationale Schifffahrt“ dar.
Der entscheidende Punkt seiner gesamten Analyse lautet deshalb: Iran muss gar nicht alle seine militärischen Fähigkeiten vollständig ausschöpfen. „Es reicht völlig aus, glaubhaft damit zu drohen, Schiffe anzugreifen“, betont Fox. Diese Drohkulisse allein genüge, um Reeder und Kapitäne davon abzuhalten, die Route zu befahren.
Strategisches Ziel: Amerikaner in Waffenruhe zwingen
Hinter den iranischen Aktionen sieht Fox ein klares strategisches Ziel. „Iran versucht systematisch, die Amerikaner in eine Waffenruhe zu zwingen“, analysiert er. Das Teheraner Regime „gewinnt bereits, indem es einfach überlebt und fortbesteht“. Es müsse nicht militärisch siegen oder einen konventionellen Krieg gewinnen.
Schon „eine weitere Störung des internationalen Handelsverkehrs für mehrere Wochen hätte katastrophale wirtschaftliche Folgen weltweit“, warnt Fox. Deshalb sei aktuell „die Zeit auf der Seite des Regimes in Teheran“. Jeder weitere Tag der Blockade stärke die Verhandlungsposition Irans.
Düstere Prognose und begrenzte amerikanische Möglichkeiten
Sein militärisches Fazit fällt entsprechend düster aus. „Alle iranischen Marine- und Raketenmittel im Umkreis von etwa 300 Meilen, das sind rund 483 Kilometer, und alle gelegten Minen müssen vollständig neutralisiert werden, bevor die Meerenge im Kriegszustand wieder sicher geöffnet werden kann“, sagt Fox mit Nachdruck.
Gleichzeitig sieht der Experte große und schwerwiegende Grenzen auf amerikanischer Seite. „Das grundlegende Problem ist, dass die USA derzeit nicht über die notwendigen Seestreitkräfte verfügen, nicht über die Schiffe, die sie dringend benötigen, um alle Tanker zu eskortieren und die Minen systematisch zu räumen“, erklärt Fox. „Deshalb ruft Präsident Trump aktuell nach internationaler Hilfe und Unterstützung.“
Die Blockade der Straße von Hormus durch Iran stellt somit nicht nur eine unmittelbare Bedrohung für die Schifffahrt dar, sondern entwickelt sich zunehmend zu einem langfristigen strategischen Problem mit globalen wirtschaftlichen Auswirkungen.



