Der Nordkurier soll seine Textchefin Simone Schamann entlassen, fordern Nutzer auf Twitter. Chefredakteur Jürgen Mladek stellt klar: Das wird nicht geschehen. In einem Kommentar verteidigt er die Arbeit seiner Kollegin und kritisiert die Forderungen als „Existenzvernichtungsphantasien“.
Ursprung der Kritik
Auslöser ist eine Reihe von Artikeln, in denen Schamann Kritiker der Corona-Maßnahmen, darunter auch Querdenker, unvoreingenommen zu Wort kommen ließ. Sie verzichtete dabei auf den in vielen Medien üblichen „Haltungs-Disclaimer“, der die Position der Kritiker pauschal als rechts oder verschwurbelt brandmarkt. Das stieß in Teilen der Twitter-Community auf Empörung.
Vorwürfe und Reaktionen
Besonders Hendrik Wieduwilt von Übermedien warf Schamann mangelnde Qualifikation vor und bediente sich sexistischer Klischees. Mladek weist dies zurück: „Das ist keine Einladung zum Diskurs, sondern eine respektlose Absage an den Pluralismus.“ Ein weiterer Vorwurf betraf einen Artikel über ein geleaktes BKA-Papier, in dem Schamann hervorhob, dass von linken Gegendemonstranten die größte Gefahr ausgehe. Twitter-Nutzer warfen ihr daraufhin eine falsche Interpretation vor. Mladek verweist auf einen zeitnah erschienenen Artikel der Amadeu-Antonio-Stiftung, der dieselbe Auslegung vertrat – ohne Shitstorm.
Doppelmoral der Kritiker
Mladek sieht den Kern der Kritik nicht in journalistischen Fehlern, sondern in der fehlenden moralischen Verurteilung der Querdenker. „Es ging nie um Inhalte, sondern um Meinungen“, schreibt er. Die wenigsten Kritiker hätten vor ihren öffentlichen Angriffen den direkten Kontakt gesucht. „Aburteilen ohne zu fragen, das ist Propaganda, kein Journalismus.“ Der Nordkurier werde sich weiterhin nicht an solcher Propaganda beteiligen und weiterhin ohne Haltungs-Disclaimer berichten.



