Eskorten für Öltanker am Golf: Komplexe Militäroperation mit hohem Risiko
Öltanker-Eskorten am Golf: Riskanter Militäreinsatz

Eskorten für Öltanker am Golf: Komplex und höchst riskant

Für Öltanker ist die strategisch wichtige Straße von Hormus zu einer gefährlichen Zone geworden. Die angedachten militärischen Eskorten, die den Handel durch diese enge Meerenge sichern sollen, erweisen sich als äußerst komplex, teuer und logistisch schwer umsetzbar. US-Präsident Donald Trump hat zwar NATO-Partner und asiatische Länder zur Unterstützung aufgerufen, doch die Reaktionen bleiben verhalten.

Die Herausforderungen einer militärischen Eskorte

Eine Eskorte würde bedeuten, dass Öltanker und andere Handelsschiffe in der Straße von Hormus Geleitschutz von Kriegsschiffen erhalten. Dafür kämen Fregatten und Zerstörer infrage, die auf iranische Angriffe mit Raketen und Drohnen reagieren könnten. Der gleichzeitige Einsatz von Flugzeugen, Kampfhubschraubern und Drohnen wäre ebenfalls denkbar, um Angriffe abzuwehren und die Fahrt zu überwachen.

Das Schifffahrts-Magazin Lloyd's List berichtet unter Berufung auf Experten, dass wohl acht bis zehn Zerstörer notwendig wären, um einen Konvoi von fünf bis zehn Schiffen zu begleiten. Allerdings müssten sich zunächst genug Kriegsschiffe in der Region versammeln, um solch einen Einsatz zu starten. Die Reaktionen möglicher Partner sind bisher zurückhaltend, und es bleibt unklar, ob die militärischen Kapazitäten überhaupt ausreichen.

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Enge Meerenge begünstigt Angreifer

Die Straße von Hormus, durch die normalerweise etwa 20 Prozent des weltweit gelieferten Öls transportiert werden, ist an der engsten Stelle nur 25 bis 40 Kilometer breit. Dieser begrenzte Raum bietet 200 bis 400 Meter langen Tankern und Kriegsschiffen wenig Spielraum für Manöver. CNN zitiert Militärexperten, die von toten Winkeln und nur sehr wenig Zeit sprechen, um auf Angriffe zu reagieren, da die iranische Küste so nah ist.

Der Iran könnte einen Konvoi mit Drohnen, Raketen, Seedrohnen und Seeminen angreifen, die auch von kleinen Fischerbooten aus eingesetzt werden können. Vor Kriegsbeginn soll der Iran über 6.000 bis 8.000 Minen verfügt haben. Diese müssten vorab geräumt werden – eine aufwendige Aktion, die viel Zeit in Anspruch nimmt.

Rechtliche Hürden und historische Vorfälle

Es gibt auch rechtliche Fragen zu klären. Laut dem Schiffsmakler SSY erlaubt das US-Gesetz eine Eskorte der US-Marine nur für Schiffe, die unter US-Flagge fahren, in US-Besitz sind oder bei denen US-Amerikaner Teil der Besatzung sind. Solche Schiffe gibt es in der Golfregion jedoch kaum.

Historisch gesehen gab es in der Straße von Hormus bereits 1987 im Ersten Golfkrieg Eskorten – mit schwerwiegenden Vorfällen. Ein US-Kreuzer schoss ein iranisches Passagierflugzeug ab, das für ein Kampfflugzeug gehalten wurde. Alle 290 Menschen an Bord kamen ums Leben. Zudem wurde eine US-Fregatte durch die Explosion einer Seemine schwer beschädigt.

Begrenzter Nutzen und hohe Kosten

Selbst im besten Fall könnten nur etwa zehn Prozent der Tanker, die normalerweise die Straße von Hormus durchfahren, die Meerenge täglich passieren. Dies wirft Zweifel auf, ob die hohen Kosten eines solchen Einsatzes und die Gefahr für die beteiligten Marinesoldaten im Verhältnis zu den begrenzten Öllieferungen stehen, die aus der Region wieder möglich würden.

Der Generalsekretär der Weltschifffahrtsorganisation (IMO), Arsenio Dominguez, betonte in der Financial Times, dass eine Eskorte keine nachhaltige Lösung sei. Das Risiko werde lediglich verringert, bestehe aber weiter. Ein militärischer Einsatz sei keine langfristige oder nachhaltige Lösung, und die Energiemärkte könnten sich damit auch nicht vollständig erholen.

Position der Bundesregierung

Die Deutsche Marine verfügt zwar mit den Fregatten der Klasse 124 („Sachsen-Klasse“) über Luftverteidigungsschiffe, die speziell für Geleitschutz und Seeraumkontrolle konzipiert wurden. Diese können Flugabwehrraketen gegen Flugzeuge, ballistische Raketen und Drohnen einsetzen.

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Dennoch hat Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) eine Entsendung deutscher Kriegsschiffe wiederholt abgelehnt. Er verwies auf die Aufgaben Deutschlands im Rahmen der NATO bei der Abschreckung Russlands und äußerte öffentliche Zweifel, dass zusätzliche Kriegsschiffe eine sichere Passage gewährleisten könnten. Pistorius betonte: Es ist nicht unser Krieg, wir haben ihn nicht begonnen. Wir wollen diplomatische Lösungen und ein schnelles Ende, aber weitere Kriegsschiffe in der Region tragen dazu im Zweifel nicht bei.

Seit Kriegsbeginn durchfahren nur noch einzelne Tanker die Straße von Hormus, während der Verkehr insgesamt deutlich abgenommen hat. Die enge Meerenge bleibt eine gefährliche Nadelöhr-Passage, für die es keine einfachen militärischen Lösungen gibt.