Merz schließt deutsche Atomwaffen aus, erwägt aber europäische Abschreckungskooperation
Merz: Keine deutschen Atomwaffen, aber europäische Kooperation

Merz zieht klare Grenze: Keine deutschen Atomwaffen, aber europäische Abschreckungsoptionen

Die Debatte über eine verstärkte europäische nukleare Abschreckung hat durch die jüngste Münchner Sicherheitskonferenz erheblichen Schwung erhalten. Bundeskanzler Friedrich Merz hat dabei eine deutliche Position bezogen: Während er eine eigenständige atomare Bewaffnung Deutschlands kategorisch ausschließt, zeigt er sich offen für Kooperationsmodelle mit europäischen Partnern.

Vertragliche Verpflichtungen und klare Absage

Im Politik-Podcast „Machtwechsel“ betonte Merz unmissverständlich: „Ich möchte nicht, dass Deutschland über eine eigenständige atomare Bewaffnung nachdenkt.“ Als Grund verwies er auf bestehende völkerrechtliche Verträge, die Deutschland binden. Konkret nannte er den Zwei-plus-Vier-Vertrag zur deutschen Wiedervereinigung aus dem Jahr 1990 sowie den Atomwaffensperrvertrag von 1970. Diese Abkommen verpflichten die Bundesrepublik dazu, von einer nationalen nuklearen Bewaffnung abzusehen.

Praktische Kooperationsmöglichkeiten mit Frankreich und Großbritannien

Aber der Kanzler zeichnet ein differenziertes Bild. Vorstellen kann er sich durchaus, dass die Bundeswehr Flugzeuge für den möglichen Einsatz französischer oder britischer Atomwaffen bereitstellt. Bereits jetzt sind auf dem Fliegerhorst Büchel in der Eifel Tornado-Kampfjets stationiert, die für den Einsatz von US-Atomwaffen vorgesehen sind. „Denktheoretisch wäre möglich, dass auch für die britischen und für die französischen Atomwaffen gelten zu lassen“, erklärte Merz zu dieser Option.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Gespräche mit Macron und historischer Kontext

Bei der Münchner Sicherheitskonferenz hatte Merz bekannt gegeben, dass er mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron Gespräche über eine gemeinsame europäische Abschreckung führt. Interessant ist der historische Hintergrund: Macron hatte Deutschland und anderen EU-Partnern solche Gespräche bereits 2020 während der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump angeboten. Damals stieß er jedoch sowohl bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als auch bei ihrem Nachfolger Olaf Scholz (SPD) auf wenig Resonanz. Erst unter der aktuellen Kanzlerschaft von Friedrich Merz (CDU) wurde das Angebot nun aufgegriffen.

Die aktuelle Lage der NATO-Abschreckung

Derzeit basiert die atomare Abschreckung der NATO hauptsächlich auf US-Atomwaffen. Schätzungen zufolge sollen noch etwa 100 dieser Waffen in Europa stationiert sein, wovon sich einige auf dem bereits erwähnten Fliegerhorst Büchel befinden. Die Diskussion über eine europäische Ergänzung oder Erweiterung dieser Abschreckungsarchitektur gewinnt vor dem Hintergrund geopolitisicher Spannungen zunehmend an Bedeutung.

Die Position von Kanzler Merz zeigt somit eine klare strategische Linie auf: Während Deutschland seine vertraglichen Verpflichtungen strikt einhält und keine nationalen Atomwaffen anstrebt, sucht es aktiv nach Möglichkeiten, die europäische Sicherheitsarchitektur durch praktische Kooperationen mit befreundeten Nationen zu stärken.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration