Russlands neuer „Depesha“-Roboter: Mit rotierenden Stahlseilen gegen ukrainische Drohnen
Was auf den ersten Blick wie eine fahrende Metall-Gartenlaube wirkt, könnte bald ein fester Bestandteil der russischen Drohnenabwehr werden. Der neue Bodenroboter „Depesha“ des russischen Militärs wird aktuell getestet und stößt auch bei ukrainischen Analysten auf reges Interesse.
Ungewöhnliches Design erinnert an Actionfilme
In einem Videobeitrag des russischen Fernsehsenders „Rossija-1“ ist zu sehen, wie der Roboter über gefrorenen Frontboden im Ukrainekrieg schlingert. Das ungewöhnliche Fahrzeug verfügt über einen Rundum-Stahlschutz und seitliche Schleudervorrichtungen, die stark an Modifikationen aus der Actionfilm-Dystopie „Mad Max“ erinnern. Laut Berichten handelt es sich um einen neuen unbemannten Bodenroboterkomplex mit spezieller Drohnenabwehrfunktion.
Funktionsweise der Stahlseil-Technologie
An jeder der vier Seiten des Roboters sind Drehachsen angebracht, an denen lange, dünne Stahlseile befestigt werden. Durch schnelle Rotation sollen diese Seile ukrainische FPV-Drohnen (First Person View) abwehren können. Ein russischer Kommandant mit dem Rufnamen „Struk“ erklärt in dem Beitrag: „Wenn die FPV versuchen zuzuschlagen, werden sie entweder von diesen Drahtseilen heruntergerissen oder zur Seite geschleudert.“
Der prorussische Militärblog „Warhronika“ kommentiert die Entwicklung via Telegram und spricht von einem „Roboter mit Anti-Drohnen-Ventilator“. Der Kanal urteilt: „Warum nicht? Physischer Schutz umfasst nicht nur Schirme und Schutzgrills, sondern manchmal auch etwas im Stil von Roboterkämpfen.“ Zwar könne die Effektivität zunächst umstritten sein, aber wenn etwas Unkonventionelles funktioniere, sei es nicht mehr unkonventionell.
Ukrainische Analysten bewerten Vor- und Nachteile
Das ukrainische Nachrichtenportal „Focus“ berichtet, dass Russland in kontrollierten Gebieten der Region Saporischschja aktuell ein experimentelles System testet, das anstelle herkömmlicher Flügel rotierende Seile verwendet. Militäranalysten sehen sowohl Vorteile als auch Nachteile:
- Die Seile sind leichter als Flügel
- Bei Bodenberührung kommt es nicht zur Zerstörung der Flügelkonstruktion
- Der Mechanismus zum Drehen der Seile nimmt jedoch viel Platz ein – fast den gesamten nutzbaren Innenraum der Schutzkonstruktion
Zwei Jahre Entwicklungszeit
Laut Informationen des ukrainischen Militäranalysekanals „BTVT.info“ ist die Idee, Drohnen mithilfe des Ventilator-Prinzips abzuwehren, nicht neu. Bereits im Dezember 2023 seien in Russland die ersten Ideen zur Verwendung von Stahldrähten patentiert worden. Frühere patentierte Konstruktionszeichnungen hätten allerdings Flügel statt Seile vorgesehen.
Die Analysten folgern, dass die Russen etwa zwei Jahre benötigt haben, um die Idee mit den Seilen zur Drohnenabwehr umzusetzen. Dies unterstreicht den langwierigen Entwicklungsprozess militärischer Innovationen unter Kriegsbedingungen.
Russlands erfinderische Drohnenabwehr
Die ukrainischen Militäranalysten räumen ein, dass der neue Bodenroboter von einer ständigen Suche der russischen Streitkräfte nach neuen technologischen Lösungen zur Bekämpfung unbemannter Fluggeräte zeugt. Obwohl die Konstruktion aktuell noch fehleranfällig sei, könne man im Ukrainekrieg in naher Zukunft mit der Einführung ähnlicher experimenteller Systeme rechnen.
„Die russische Föderation sucht stetig nach Möglichkeiten, um die Effizienz ihrer Verteidigungsmittel auf dem Schlachtfeld zu verbessern“, schreibt „Focus“. Diese Entwicklung zeigt, wie der Krieg in der Ukraine beide Seiten zu kontinuierlichen technologischen Anpassungen und Innovationen zwingt.



