AfD erobert Bürgermeisteramt in Zehdenick: René Stadtkewitz siegt überraschend
AfD-Bürgermeister in Zehdenick: Stadtkewitz gewinnt

René Stadtkewitz, Kandidat der Alternative für Deutschland (AfD), hat die Bürgermeisterwahl in Zehdenick (Landkreis Oberhavel) bereits im ersten Wahlgang für sich entschieden. Mit 58,4 Prozent der Stimmen setzte er sich am Sonntag deutlich gegen seine Mitbewerber durch. Der 54-Jährige zeigte sich selbst überrascht von diesem klaren Ergebnis. „Ich bin von einer Stichwahl ausgegangen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Stadtkewitz ist damit der erste direkt gewählte hauptamtliche Bürgermeister der AfD in Brandenburg.

Gründe für den Wahlsieg

Als Grund für seinen Erfolg nannte Stadtkewitz eine mangelnde Ausrichtung in der Stadtverwaltung. „Es fehlte wohl an Ausrichtung in der Stadt“, erklärte er. Die Menschen in Zehdenick hätten eine Sehnsucht nach Verlässlichkeit gehabt. „Die Menschen waren unzufrieden.“ Die Stadt sei über Monate hinweg von einer „Provisorien-Zeit“ geprägt gewesen. Dies habe den Wunsch nach einem stabilen und verlässlichen Bürgermeister verstärkt.

Vorgeschichte: Vorgänger krankgemeldet

Der vorherige Bürgermeister Alexander Kretzschmar, ein parteiloser Einzelkandidat, hatte bei der Stichwahl im März 2025 noch deutlich mit 63 Prozent gegen Stadtkewitz gewonnen. Doch kurz nach seiner Amtseinführung meldete er sich dauerhaft krank und wurde daraufhin abgewählt. Dieses Vakuum habe die Unzufriedenheit in der Bevölkerung weiter angefacht, so Beobachter.

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Reaktionen aus der Politik

Der AfD-Landesvorsitzende René Springer wertete den Wahlsieg als „unmissverständliches Signal“. Seine Partei sei „längst keine Protesterscheinung mehr, sondern eine politische Kraft mit starkem Rückhalt in der Bevölkerung“, ließ er über eine Mitteilung verkünden. Das Ergebnis in Zehdenick sei ein „Vorgeschmack“ auf weitere Bürgermeister und Landräte der AfD. Die Partei wird in Brandenburg vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft, wogegen die Landespartei juristisch vorgeht.

Das Aktionsbündnis Brandenburg kritisierte den Wahlsieg und warnte vor einer Normalisierung des Rechtsextremismus. Stadtkewitz wies diese Kritik zurück: „Ich bin kein Rechtsextremist und will das auch nicht werden.“

Die Konkurrenz

Die Mitbewerber von Stadtkewitz blieben weit abgeschlagen. Der FDP-Kandidat Stephan von Hundelshausen erreichte 28,6 Prozent, der parteilose Einzelbewerber Wolf-Gernot Richardt kam auf 7,8 Prozent und Dennis Latzke von der Partei des Fortschritts erzielte 5,2 Prozent. Die FDP sprach dennoch von einem „Achtungserfolg“ ihres Kandidaten, der ein „Angebot aus der Mitte der Gesellschaft“ gewesen sei, sagte Landesvorsitzender Zyon Braun. Der Wahlsieg der AfD trübe jedoch die Stimmung. „Nun hat der Protest gesiegt, und es bleibt offen, wohin sich Zehdenick entwickeln wird“, warnte Braun. Der Wahlkampf sei hart und in sozialen Medien auch „unterhalb der Gürtellinie“ verlaufen.

Stadtkewitz' politischer Werdegang

Stadtkewitz war früher CDU-Abgeordneter im Berliner Abgeordnetenhaus und brach 2010 mit den Christdemokraten. Er gründete die Partei „Die Freiheit“, deren Bundesvorsitzender er bis 2013 war. 2024 trat er der AfD bei. In Brandenburg gab es mit Arne Raue bereits einen hauptamtlichen Bürgermeister mit AfD-Parteibuch in Jüterbog – dieser war jedoch als Parteiloser gewählt worden und trat erst später der AfD bei. Raue wechselte im vergangenen Jahr in den Bundestag.

Mit seiner Amtseinführung rechnet Stadtkewitz bis Ende Mai. Am Dienstag ist die Tagung des Wahlausschusses vorgesehen.

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