AfD strebt radikale Umdeutung der Geschichte an: Kritiklose Heldenverehrung als politisches Ziel
Im Landtagswahlkampf 2026 stellt sich die Frage, wie wir mit Zeugen der Geschichte umgehen sollen. Die AfD verfolgt dabei eine bemerkenswerte Strategie: Durch eine radikale Neubewertung der Vergangenheit will sie den Weg für eine grundlegend andere Politik in der Zukunft ebnen.
Die Beharrlichkeit der AfD bei der Geschichtsdeutung
Die Beharrlichkeit, mit der die AfD die deutsche Geschichte deutet und umdeutet, wirkt auf viele Beobachter befremdlich. Für die Rechtsaußenpartei handelt es sich jedoch keineswegs um ein Randthema. Im Gegenteil: Eine radikale Neubewertung der Vergangenheit soll eine radikal andere Politik für die Zukunft erst möglich machen.
Die Deutschen hätten laut AfD eine „gestörte Identität“. Sie gingen gebückt durch die Welt, belastet von Schuld, die ihre Vorfahren im Dritten Reich angehäuft hätten. Dieser Diskurs verfolgt einen klaren Zweck: Er soll den Boden für eine neue Geschichtsbetrachtung bereiten.
Zurück zur kritiklosen Heldenverehrung
Der Vorschlag der AfD zum Umgang mit Denkmälern für gefallene Soldaten macht deutlich, was gegen die vermeintlich gestörte Identität helfen soll: Die Partei will zurück zum Heldengedenken, bei dem der Grund für den Tod der Soldaten in den Hintergrund tritt.
Die Freiwilligen der Befreiungskriege gegen Napoleon sollen genauso geehrt werden wie die deutschen Landser der beiden Weltkriege, die aus Verblendung in andere Länder einmarschierten und Tod sowie Leid über Europa brachten. Diese Gleichsetzung verwischt bewusst die Unterschiede zwischen verschiedenen historischen Kontexten.
Die vielfältige Erinnerungskultur in Sachsen-Anhalt
Wer aufmerksam durch die Städte und Dörfer Sachsen-Anhalts geht, entdeckt überall Erinnerungsstätten für die blutigen Kriege der Vergangenheit. Diese Denkmäler spiegeln ihre jeweilige Zeit wider:
- Einige verherrlichen den Tod fürs Vaterland
- Andere drücken Trauer um die Opfer aus
- Alle können zum Nachdenken anregen
Diese Vielfalt der Erinnerungskultur sollte bewahrt werden, denn sie ermöglicht eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Geschichte.
Die Gefahren staatlich organisierter Soldatenverehrung
Eine staatlich organisierte, blinde Soldatenverehrung birgt erhebliche Gefahren:
- Sie lenkt von den Ursachen der Kriege ab
- Sie vermengt Opfer und Täter
- Sie wird der deutschen Verantwortung nicht gerecht
Anders als die AfD behauptet, bedeutet die deutsche Verantwortung nicht, dass wir Nachgeborenen schuldig sind. Sie bedeutet vielmehr, dass wir gefordert sind, neue Verbrechen zu verhindern und aus der Geschichte zu lernen.
Die radikale Umdeutung der Geschichte durch die AfD dient somit nicht der Aufarbeitung, sondern der politischen Instrumentalisierung. Sie soll den Weg für eine Politik ebnen, die sich von den Lehren der Vergangenheit bewusst abwendet.



