AfD erreicht historisches West-Ergebnis: Skandale perlen ab, Stammwählerschaft wächst
AfD: Rekord in Rheinland-Pfalz, Skandale ohne Wirkung

AfD bricht West-Rekorde: Von der Protest- zur Stammwählerpartei

Die Alternative für Deutschland (AfD) hat bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz ein historisches Ergebnis erzielt. Mit 20 Prozent der Stimmen übertraf sie nach Hochrechnungen das erst vor zwei Wochen in Baden-Württemberg aufgestellte Rekordergebnis von 18,8 Prozent für eine westdeutsche Landtagswahl. Dies markiert einen signifikanten Wendepunkt, der zeigt, dass die Partei längst nicht mehr nur als Protestwahl fungiert.

Skandale ohne spürbare Konsequenzen

Wochenlange Debatten über Vorwürfe der Vetternwirtschaft, Extremismus-Verdachte des Verfassungsschutzes und interne Querelen scheinen an der AfD abzuperlen. Eine Ende Februar vom Institut Ipsos durchgeführte Befragung ergab, dass 41 Prozent der Deutschen keinen Schaden für die AfD infolge dieser Vorwürfe erwarten. Nur 33 Prozent rechneten mit negativen Folgen.

Der Hallenser Politikwissenschaftler Marcel Lewandowsky erklärt dieses Phänomen: „Entweder halten ihre Wähler die Vorwürfe für erfunden oder zumindest aufgebauscht. Oder aber sie zweifeln die Existenz des Skandals zwar nicht an, finden in den anderen Parteien aber trotzdem keine Alternative, die ihre Position verträte.“

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Feste Stammwählerschaft im Westen etabliert

Anna-Sophie Heinze, Sprecherin des Arbeitskreises Parteienforschung in der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft, betont: „Es handelt sich längst nicht mehr um eine Protestwahl.“ Die AfD habe sich eine relativ feste Stammwählerschaft aufgebaut und ihre Unterstützung im Westen gefestigt. Für diese Wähler stellen die anderen Parteien keine Wahloption mehr dar. „Wenn die AfD nicht mehr zur Wahl stünde, würden die meisten von ihnen gar nicht mehr wählen gehen.“

Marcel Lewandowsky fügt hinzu: „Die AfD ist keine 'Ostpartei' mehr.“ Im Westen gewinne sie viele Wähler in Regionen, die von starkem Strukturwandel betroffen seien, und profitiere von Abstiegsängsten. In Ostdeutschland liege die höhere Zustimmung an einer geringeren Parteibindung und verbreitetem Misstrauen in die herrschende Politik.

Strategien der etablierten Parteien als Treiber

Die Anhänger der Denkschule von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) glauben, die Union sei unter Angela Merkel zu links gewesen und habe Lücken gelassen, in die die AfD stoßen konnte. Mit härterer Gangart wird nun versucht, ihr das Wasser abzugraben. Doch Lewandowsky sieht dies kritisch: „Die Strategien der anderen Parteien haben dazu beigetragen, dass vor allem das Migrationsthema nicht nur in der Debatte bleibt, sondern auch die Positionen der AfD legitimiert werden.“ Entgegen dem Kalkül, AfD-Wähler zurückzugewinnen, hätten die Rechtspopulisten dadurch vermutlich sogar noch hinzugewonnen.

Anna-Sophie Heinze spricht von einer „zunehmenden Normalisierung von Rechtsaußenpositionen und -rhetorik in der Gesellschaft“, von der die AfD profitiere. Auch die anderen Parteien und die Medien spielten hier eine zentrale Rolle.

Ausblick auf kommende Wahlen

Alle Blicke richten sich nun auf Sachsen-Anhalt, wo am 6. September die Landtagswahl ansteht. Die AfD steht in Umfragen zuletzt zwischen 39 und 40 Prozent. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat die absolute Mehrheit als Ziel ausgegeben, um allein zu regieren. Ein solches Ergebnis wäre ein politisches Beben in Deutschland.

Zwei Wochen später, am 20. September in Mecklenburg-Vorpommern, könnte die AfD ebenfalls mit Abstand stärkste Kraft werden. Die Umfragewerte schwankten zuletzt zwischen 34 und 37 Prozent. Ihr bestes Ergebnis holte die AfD bisher bei der Landtagswahl 2024 in Thüringen mit 32,8 Prozent.

In bundesweiten Umfragen halten CDU und CSU (26-28 Prozent) die AfD (23-26 Prozent) nach zwischenzeitlichem Gleich- und auch Rückstand aktuell wieder etwas auf Abstand. Doch die Frage, ob die Strategie von Friedrich Merz aufgeht, bleibt offen. In Rheinland-Pfalz konnte seine Partei jetzt einen Erfolg verbuchen, doch die AfD zeigt sich ungebrochen stark.

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