BaWü-Wahl im Zeichen des Kandidaten-Duells
Der Wahlkampf in Baden-Württemberg spitzte sich in den letzten Wochen deutlich auf das direkte Duell zwischen Cem Özdemir (60, Grüne) und Manuel Hagel (37, CDU) zu. Nach der Analyse der Forschungsgruppe Wahlen verfügten die Grünen eindeutig über den besseren Spitzenkandidaten, während die CDU mit ihrer ausgeprägten Sachkompetenz in wichtigen Politikfeldern punkten konnte.
Kandidatenfaktor entscheidet über Wahlsieg
Die Wahlforscher kommen zu einem klaren Ergebnis: Den Grünen ist ihr Wahlsieg vor allem der überragenden Persönlichkeit ihres Spitzenkandidaten Cem Özdemir zu verdanken. Bei der Frage nach dem gewünschten Ministerpräsidenten lag die Öko-Partei deutlich im Vorteil. Für 57 Prozent der Befragten hat Özdemir das Zeug zum Regierungschef, während nur 50 Prozent diese Eignung bei CDU-Kandidat Manuel Hagel sehen.
Im direkten Vergleich bei Sachverstand und Sympathie liegt Hagel dann klar hinter Özdemir zurück. Interessant ist dabei, dass die der CDU insgesamt zugebilligte höhere Sachkompetenz ausdrücklich nicht für ihren Spitzenkandidaten gilt.
CDU punktet mit Wirtschafts- und Bildungskompetenz
Trotz des schwächeren Kandidaten konnte die CDU inhaltlich überzeugen. Bei der Kompetenz im wichtigsten Wahlkampfthema Wirtschaft lag die Union ebenso vor den Grünen wie beim zweitwichtigsten Thema Bildung und Schule. Dies zeigt, dass viele Wähler zwischen persönlicher Sympathie und sachpolitischer Expertise differenziert haben.
Laut der Infratest-Dimap-Erhebung für die ARD entschieden folgende Themen die Wahl:
- Wirtschaft: 29 Prozent (+7 Prozent im Vergleich zur Wahl 2021)
- Soziale Sicherheit: 17 Prozent (+1)
- Umwelt/Klima: 16 Prozent (-3)
- Innere Sicherheit: 15 Prozent (+7)
- Bildung: 12 Prozent (-3)
- Migration: 8 Prozent (+3)
Grüne lösen sich erfolgreich vom Bund
Ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Grünen war ihre gelungene Entkopplung von der Bundespolitik. Für 55 Prozent der Wähler stehen die Grünen in Baden-Württemberg für eine andere Politik als im Bund. Obwohl weit entfernt von ihrem Top-Image früherer Jahre, hat die Partei im Ländle ein deutlich besseres Ansehen entwickelt als auf Bundesebene.
Inhaltlich konnten die Grünen vor allem beim Thema Klimaschutz punkten. Gleichzeitig profitierten sie vom Wunsch vieler Wähler nach politischer Stabilität – ein Faktor, der allerdings auch der CDU zugute kam.
SPD und FDP leiden unter Polarisierung
Die schwarz-grüne Zuspitzung des Wahlkampfs ließ wenig Raum für andere Parteien. SPD und FDP litten nach Beobachtung der Wahlforscher nicht nur unter dieser Polarisierung, sondern zeigten auch große eigene Defizite. SPD-Co-Parteichefin Bärbel Bas führte die krachende Niederlage ihrer Partei direkt auf die starke Polarisierung zwischen den Spitzenkandidaten von Grünen und CDU zurück.
Die AfD wird derweil politisch nicht als ernsthafte Alternative wahrgenommen. Nach Ansicht von 62 Prozent der Befragten wird sie „als Denkzettel“ gewählt, während nur 32 Prozent sie wegen ihrer politischen Forderungen unterstützen.
Landespolitische Gründe dominieren
„Bei einer klar landespolitisch geprägten Wahl liegen die Gründe für das Ergebnis primär in Baden-Württemberg selbst“, heißt es in der Analyse der Forschungsgruppe Wahlen. Die CDU verdankt ihren Zugewinn trotz des blassen Kandidaten Manuel Hagel und ohne Rückenwind aus Berlin vor allem der Rückkehr vieler eher älterer Wähler und einem Vertrauensplus bei den Top-Themen.
Die Grünen profitierten neben dem herausragenden Ansehen ihres Spitzenkandidaten Özdemir auch von der allgemeinen Sehnsucht nach politischer Kontinuität und Stabilität in unsicheren Zeiten.



