Historische Entscheidung: Bundesversammlung wählt am 30. Januar 2027 neues Staatsoberhaupt
Der Termin für die Wahl des nächsten Bundespräsidenten steht nun fest. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) hat die Bundesversammlung für den 30. Januar 2027 einberufen, die über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier entscheiden wird. Dies teilte der Bundestag nach Unterrichtung des Ältestenrates mit.
Verfassungsrechtliche Rahmenbedingungen und Amtszeitende
Frank-Walter Steinmeier scheidet nach zwei vollen Amtszeiten am 18. März 2027 aus dem Amt des Bundespräsidenten aus. Nach Artikel 54 des Grundgesetzes muss die Wahl des Nachfolgers spätestens 30 Tage vor Ablauf der Amtszeit erfolgen. Das Bundespräsidentenwahlgesetz überträgt der Bundestagspräsidentin die Kompetenz zur Festlegung des genauen Wahltermins.
Die Bundesversammlung: Ein besonderes politisches Gremium
Die Bundesversammlung vereint 630 Bundestagsabgeordnete mit einer gleich großen Zahl von Delegierten aus den 16 Bundesländern. Diese werden von den Landtagen entsandt und setzen sich traditionell aus Landtagsabgeordneten und Mitgliedern der Landesregierungen zusammen. Besonders bemerkenswert ist jedoch die regelmäßige Teilnahme prominenter Persönlichkeiten aus Kultur, Sport und Gesellschaft.
Prominente Delegierte vergangener Bundesversammlungen:
- 2022: Rapperin Lady Bitch Ray (Bremen), Fußballprofi Leon Goretzka (Bayern), Pianist Igor Levit (Niedersachsen), Astronaut Alexander Gerst (Baden-Württemberg)
- 2017: Schauspielerinnen Iris Berben und Veronica Ferres, Sänger Roland Kaiser und Peter Maffay
- Unvergessen bleibt das Bild der Travestiekünstlerin Olivia Jones, die Bundeskanzlerin Angela Merkel umarmte
Historische Chance: Erstmals eine Frau als Bundespräsidentin?
Bislang wurden in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ausschließlich Männer zum Staatsoberhaupt gewählt. Dies könnte sich 2027 grundlegend ändern, denn aus nahezu allen politischen Lagern erklingt der Ruf nach einer Bundespräsidentin.
SPD-Vorsitzender Lars Klingbeil betonte gegenüber den „Nürnberger Nachrichten“, es sei „höchste Zeit“ für eine Frau an der Staatsspitze. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) äußerte bereits im August 2025: „Ich kann mir das sehr gut vorstellen, dass wir 2027 eine Frau zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zur Bundespräsidentin wählen. Das wäre gut.“ Auch Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann bekräftigte gegenüber dem ZDF: „Die Zeit ist reif für eine Frau als Bundespräsidentin.“
Mögliche Kandidatinnen und Kandidaten im Gespräch
Während sich die Politik mit offiziellen Nominierungen noch zurückhält, werden in Medienkreisen bereits konkrete Namen diskutiert:
- Karin Prien (CDU): Die Bundesbildungsministerin wäre das erste Staatsoberhaupt mit jüdischen Wurzeln
- Ilse Aigner (CSU): Die bayerische Landtagspräsidentin könnte erstmals das Spitzenamt für die CSU erringen und gilt als überparteilich
- Julia Klöckner (CDU): Die Bundestagspräsidentin verfügt über umfassende parlamentarische Erfahrung
- Juli Zeh: Die Schriftstellerin und ehrenamtliche Richterin zeigte sich der „Zeit“ gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen, verwies aber auf aktuelle familiäre Verpflichtungen
Das Grundgesetz stellt nur wenige formale Anforderungen: Wählbar ist jeder deutsche Staatsbürger mit Bundestagswahlrecht, der das 40. Lebensjahr vollendet hat.
Historische Niederlagen und aktuelle politische Dynamiken
Frauen scheiterten bei bisherigen Bundespräsidentenwahlen stets: Beate Klarsfeld (Die Linke, 2012) unterlag Joachim Gauck, Gesine Schwan (SPD, 2004 und 2009) verlor gegen Horst Köhler.
Die Koalitionsparteien CDU, CSU und SPD planen einen gemeinsamen Kandidatenvorschlag, der jedoch erst nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt (6. September), Berlin und Mecklenburg-Vorpommern (20. September) erfolgen soll. Diese Wahlen werden die Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung maßgeblich beeinflussen, wobei mit steigenden AfD-Ergebnissen auch deren Delegiertenanteil zunehmen dürfte.
Die bevorstehende Bundespräsidentenwahl verspricht somit nicht nur eine möglicherweise historische Personalentscheidung, sondern spiegelt auch die aktuellen politischen Kräfteverhältnisse in Deutschland wider.



