CDU positioniert sich als neutraler Beobachter bei Anklamer Bürgermeisterwahl
In der ostvorpommerschen Stadt Anklam zeichnet sich für die Bürgermeisterwahl 2026 ein ungewöhnliches Szenario ab: Die CDU-Fraktion wird sich komplett aus dem Wahlkampf heraushalten und dem amtierenden Bürgermeister Michael Galander von den Initiativen für Anklam (IfA) keine offizielle Unterstützung gewähren. Diese Entscheidung markiert einen bedeutenden Wendepunkt in der lokalen Politiklandschaft, wo Galander seit 24 Jahren das Rathaus führt.
Amtsinhaber ohne Rückhalt der zweitgrößten Fraktion
Michael Galander, der mit dem Slogan „Sie kennen mich“ in den Wahlkampf ziehen könnte, hatte eigentlich erwartet, von der CDU als zweitgrößter Fraktion in der Anklamer Stadtvertretung Zuspruch zu erhalten. In einem Gespräch mit dem Nordkurier äußerte er deutlich seine Erwartungshaltung gegenüber den Christdemokraten. Doch die Realität sieht anders aus: CDU-Fraktionschef Hannes Campe hat unmissverständlich klargestellt, dass seine Partei die Rolle des neutralen Zuschauers übernehmen wird.
„Es ist uns nicht gelungen, einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Demnach steht es uns jetzt auch nicht zu, auf die Wahl Einfluss zu nehmen. Das wäre nicht fair“, erklärt Campe die Position seiner Fraktion. Er betont, dass diese Entscheidung nicht auf alte Konflikte oder aktuelle Kritik an Galander zurückzuführen sei, sondern vielmehr auf dem Prinzip der Fairness basiere. Die CDU wolle die Wähler nicht bevormunden und könne ohne eigenen Kandidaten kein politisches Angebot unterbreiten.
Landrat Sack betont Neutralitätsverpflichtung
Auch auf Kreisebene wird Galander keine Unterstützung aus CDU-Reihen erhalten. Landrat Michael Sack verweist auf das strikte Neutralitätsgebot, das sein Amt mit sich bringt. Auf Nordkurier-Anfrage erklärte er, dass er als Landrat keinerlei Wahlwerbung für Bürgermeisterkandidaten betreiben dürfe – eine Position, die er bereits gegenüber Galander deutlich gemacht habe.
Diese Neutralitätspflicht gelte universell für alle Bürgermeisterwahlen im Landkreis. Sack erinnert daran, dass auch Galander sich bei der Landratswahl 2025 nicht als Wahlpartner zur Verfügung gestellt habe, beispielsweise für gemeinsame Wahlplakate. Damit unterstreicht er die gegenseitige Unabhängigkeit der Ämter.
Historisch schwieriges Verhältnis zwischen CDU und Rathauschef
Die Entscheidung der CDU überrascht vor dem Hintergrund, dass Bürgermeister Galander und die Christdemokraten in Anklam über Jahrzehnte hinweg kein harmonisches Team bildeten. Trotz dieser historischen Reibereien betont Campe, dass die aktuelle Enthaltungspolitik nicht aus persönlichen oder politischen Differenzen resultiere.
Vielmehr liege der Kern des Problems darin, dass die CDU trotz intensiver Gespräche keinen geeigneten Kandidaten für das Bürgermeisteramt finden konnte. „Wir können verstehen, wenn jemand zögert, diesen Posten für acht Jahre zu besetzen und dann vor komplexen Zukunftsfragen zu stehen“, so Campe. Die Fraktion werde Galander weder aktiv unterstützen noch in der Stadtpolitik boykottieren, sondern eine konsequent neutrale Position einnehmen.
Diese Entwicklung stellt Galander vor die Herausforderung, ohne den Rückhalt der zweitgrößten Fraktion gegen seinen Herausforderer Jörg Valentin von der AfD anzutreten. Die Wahlkampfarena in Anklam verspricht damit spannend zu werden, während die CDU bewusst am Spielfeldrand verharrt.



