Grüne und CDU im Kopf-an-Kopf-Rennen bei Landtagswahl in Baden-Württemberg
Grüne knapp vor CDU bei Landtagswahl in Baden-Württemberg

Spannendes Duell um die Spitze in Baden-Württemberg

Die Landtagswahl in Baden-Württemberg hat ein äußerst knappes Rennen zwischen den Grünen und der CDU ergeben. Nach den aktuellen Prognosen von ARD und ZDF führen die Grünen mit ihrem Spitzenkandidaten Cem Özdemir minimal vor der CDU unter Landeschef Manuel Hagel. Die AfD konnte ihr Ergebnis im Vergleich zur letzten Wahl verdoppeln und landet auf dem dritten Platz. Die SPD erleidet hingegen einen historischen Absturz auf ein bundesweites Tief bei Landtagswahlen. Sowohl die FDP als auch die Linke scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde und werden voraussichtlich nicht im Landtag vertreten sein.

Prognosen zeigen deutliche Verschiebungen

Den Prognosen zufolge erreichen die Grünen Werte zwischen 31,5 und 32 Prozent, während die CDU mit 29,0 bis 30,5 Prozent knapp dahinter liegt. Die AfD kommt auf 17,5 bis 18 Prozent, was eine Verdopplung ihres Ergebnisses von 2021 bedeutet. Die SPD fällt auf lediglich 5,5 Prozent zurück, während FDP und Linke jeweils bei 4,5 Prozent landen. Die Wahlbeteiligung liegt zwischen 69,5 und 71,5 Prozent, was einen deutlichen Anstieg im Vergleich zur letzten Wahl darstellt.

Neues Wahlrecht und historischer Kontext

Erstmals durften bei dieser Wahl auch 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben, und die Wähler hatten zwei Stimmen wie bei Bundestagswahlen. Diese Änderungen führten zu einer Rekordzahl von etwa 7,7 Millionen Wahlberechtigten. Die Wahl markiert auch das Ende der Ära von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der nach 15 Jahren im Amt nicht mehr antrat. Der 77-Jährige, der als erster und einziger grüner Regierungschef auf Bundesebene gilt, geht in den Ruhestand. Es wird erwartet, dass CDU und Grüne erneut eine Koalition bilden werden.

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Wahlkampf im Zeichen der Wirtschaftspolitik

Der Wahlkampf konzentrierte sich stark auf Wirtschaftsthemen, da Baden-Württemberg als industrielles Herz Deutschlands von der Autoindustrie abhängt, die sich im Strukturwandel befindet. Tausende Arbeitsplätze sind unsicher, was in vielen Regionen zu großer Sorge führte. Über Monate lag die CDU in Umfragen deutlich vor den Grünen, doch der Vorsprung schmolz in den letzten Wochen stark. Viele Wähler präferierten zwar die CDU als Partei, bevorzugten aber Cem Özdemir als Ministerpräsidenten gegenüber dem weniger bekannten Manuel Hagel.

Kontroverse Momente im Wahlkampf

Der 60-jährige Özdemir, der sich als „anatolischer Schwabe“ bezeichnet, distanzierte sich im Wahlkampf von den Bundes-Grünen und präsentierte ein konservativeres Profil. Hagel, ein 37-jähriger Bankkaufmann und gläubiger Katholik, geriet wegen eines alten Videos in Kritik, in dem er von den „rehbraunen Augen“ einer minderjährigen Schülerin schwärmte. Auch SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch sorgte für Aufsehen, als er nach einem Besuch bei der Tafel seinen Fahrer beauftragen wollte, Pastete in Frankreich zu kaufen, was jedoch nie geschah.

Auswirkungen auf die Bundesebene

Das schlechte Ergebnis der SPD in Baden-Württemberg dürfte auch die Bundes-SPD unter Parteichef Lars Klingbeil unter Druck setzen, der wichtige Reformen im Renten- und Gesundheitssystem mit CDU und CSU plant. Die AfD, deren Spitzenkandidat Markus Frohnmaier nicht für den Landtag kandidiert, hat trotz ihres Zuwachses keine Chance auf eine Regierungsbeteiligung, da keine andere Partei eine Koalition mit ihr eingehen will. Für die FDP, die mit Hans-Ulrich Rülke antrat, ist diese Wahl von entscheidender Bedeutung, da Verluste im Südwesten ein Comeback auf Bundesebene erschweren könnten.

Auftakt zum Superwahljahr 2026

Diese Wahl ist der Auftakt für das „Superwahljahr 2026“, in dem fünf Landtagswahlen anstehen. Sie findet unter der schwarz-roten Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz statt und könnte die Stimmung für kommende Reformdebatten beeinflussen. Die nächste Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22. März droht der SPD den Verlust des Ministerpräsidentenpostens nach 34 Jahren zu bringen. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, die im September wählen, kommt die AfD in Umfragen bereits auf bis zu 40 Prozent.

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