Juli Zeh: Bundespräsidentin-Kandidatur in ferner Zukunft denkbar
Die renommierte Schriftstellerin und Verfassungsrichterin Juli Zeh hat in einem aktuellen Interview überraschende politische Ambitionen geäußert. Die 51-jährige Bestsellerautorin kann sich grundsätzlich vorstellen, für das höchste Amt im Staat zu kandidieren - allerdings nicht in naher Zukunft.
Familie als entscheidender Faktor
Im Gespräch mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ erklärte Zeh, dass sie eine mögliche Kandidatur für die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier derzeit ausschließt. „Inzwischen kann ich es mir tatsächlich irgendwann einmal vorstellen. Aber nicht jetzt, weil ich das mit der Doppelbelastung aus Beruf und Familie nicht in Einklang bringen könnte“, so die Autorin.
Der entscheidende Zeitpunkt wäre für Zeh erst erreicht, wenn ihre jüngere Tochter das Abitur absolviert hat. „Das wäre vielleicht der erste Moment, in dem ich konkret über so was nachdenken würde. Also in sieben oder acht Jahren.“ Bislang sei sie noch nicht offiziell für eine Kandidatur angefragt worden.
Attypisches Profil als Stärke
Dennoch sieht sich die Schriftstellerin grundsätzlich als geeignete Person für das Amt. Sie betonte, dass es in der Bevölkerung eine wachsende Sehnsucht nach Menschen gebe, die „atypisch für den Politikbetrieb sind, was das Auftreten und die Rhetorik betrifft“. Solche Personen sollten zudem nicht klar einem politischen Lager zugeordnet sein.
„Da könnte ich vom Persönlichkeitsprofil ganz gut reinpassen“, erklärte Zeh selbstbewusst. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass für sie inhaltliche Kompetenz vor Identitätspolitik stehen müsse: „Identitätspolitische Fragen sind wichtig, aber sollten nicht die Priorität haben.“
Vielfältige berufliche Hintergründe
Juli Zeh bringt für eine mögliche politische Karriere ungewöhnliche Qualifikationen mit:
- Erfolgreiche Schriftstellerin mit millionenfach verkauften Werken wie „Unterleuten“, „Über Menschen“ und „Zwischen Welten“
- Promovierte Juristin mit praktischer Erfahrung im Rechtssystem
- Ehrenamtliche Richterin am Landesverfassungsgericht Brandenburg seit 2017
- SPD-Mitglied mit Wohnsitz in einem brandenburgischen Dorf
Die Autorin wies darauf hin, dass die äußeren Zwänge im Amt des Bundespräsidenten enorm seien - zu anspruchsvoll, solange ihre Kinder noch im jungen Alter sind. Dennoch begrüßte sie die Möglichkeit, dass auf Frank-Walter Steinmeier eine Frau folgen könnte, als „superzeitgemäß und wichtig“.
Mit ihrer Aussage positioniert sich Zeh als potenzielle Kandidatin für die Zeit nach 2030 und bringt damit frischen Wind in die Diskussion über die Besetzung des höchsten Staatsamtes. Ihre unkonventionelle Vita und ihr kritischer Blick auf den Politikbetrieb könnten sie zu einer interessanten Figur in der politischen Landschaft machen.



