Labour verliert Nachwahl in Manchester-Hochburg an Grüne - Epstein-Skandal belastet Starmer
Labour verliert Manchester-Nachwahl an Grüne - Epstein-Skandal wirkt

Historische Niederlage für Labour in traditioneller Hochburg

Eine mit großer Spannung erwartete Nachwahl in Großbritannien ist für die Regierungspartei von Premierminister Keir Starmer zu einem politischen Debakel geworden. Im Wahlkreis Gorton and Denton, einem Vorort von Manchester und traditioneller Labour-Hochburg, konnte die grüne Kandidatin Hannah Spencer mit fast 15.000 Stimmen einen überraschend deutlichen Sieg erringen. Die Labour-Partei landete sogar hinter der einwanderungsfeindlichen Partei Reform UK nur auf dem dritten Platz – ein Ergebnis, das die tiefe Krise der Regierungspartei unterstreicht.

Epstein-Skandal überschattet Wahlkampf

Politische Beobachter sind sich einig, dass die Verstrickungen von Labour-Politikern in den Epstein-Skandal das Wahlergebnis maßgeblich beeinflusst haben. Premierminister Starmer hatte Anfang vergangenen Jahres den umstrittenen Politiker Peter Mandelson zum US-Botschafter ernannt, obwohl bekannt war, dass dieser auch nach der Verurteilung des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein im Jahr 2008 weiter Kontakt zu ihm hielt. Zwei von Starmers engsten Beratern sind bereits wegen dieser Affäre zurückgetreten, während der Premierminister selbst trotz wachsender Rücktrittsforderungen erklärt hat, im Amt bleiben zu wollen.

Strategischer Erfolg der Grünen

Die 34-jährige grüne Siegerin Hannah Spencer, die von Beruf Klempnerin und angehende Stuckateurin ist, setzte erfolgreich auf die Stimmen der muslimischen Bevölkerung, die etwa 28 Prozent der Wähler im Wahlkreis ausmacht. Die propalästinensische Haltung der Grünen Partei erwies sich dabei als entscheidender Faktor. Mit diesem Sieg verfügen die Grünen nun über fünf Parlamentssitze im britischen Unterhaus und festigen ihre Position als dritte Kraft im zunehmend fragmentierten Parteiensystem.

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Interne Konflikte schwächen Labour

Die Niederlage wird auch auf interne Machtkämpfe innerhalb der Labour-Partei zurückgeführt. Die Parteispitze hatte die Kandidatur des bei der linken Parteibasis beliebten Bürgermeisters von Manchester, Andy Burnham, blockiert. Burnhams Ambitionen für einen Parlamentssitz wurden allgemein als Vorstufe eines möglichen Herausforderungsversuchs gegen den zum rechten Parteiflügel zählenden Starmer gewertet. Stattdessen schickte Labour die örtliche Stadträtin Angeliki Stogia ins Rennen, die mit etwas mehr als 9.300 Stimmen deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb.

Zersplitterung des Parteiensystems

Das Wahlergebnis bestätigt den anhaltenden Auflösungsprozess des traditionellen britischen Zwei-Parteien-Systems aus Labour und Konservativen. Die Nachwahl war notwendig geworden, nachdem der bisherige Labour-Abgeordnete aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. Für Reform UK trat der 44-jährige Politikwissenschaftler Matt Goodwin an und erhielt mit rund 10.500 Stimmen ein beachtliches Ergebnis, das den wachsenden Einfluss der rechtspopulistischen Partei unterstreicht.

Die politischen Folgen dieser Niederlage dürften für Premierminister Starmer erheblich sein. Mit einer der niedrigsten Popularitätswerte eines britischen Regierungschefs seit Beginn der Umfragen und wachsendem Druck aus der eigenen Partei steht seine politische Zukunft zunehmend auf dem Spiel. Die Wahl in Manchester zeigt deutlich, dass selbst in traditionellen Hochburgen die Loyalität der Wähler bröckelt, wenn Skandale und interne Konflikte das Vertrauen in die Regierungspartei erschüttern.

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