Baden-Württemberg nach Landtagswahl 2026: Grüne und CDU im Kopf-an-Kopf-Rennen
Landtagswahl 2026: Baden-Württemberg hat entschieden

Baden-Württemberg nach der Landtagswahl 2026: Ein politisches Erdbeben mit offenem Ausgang

Die Ära von Winfried Kretschmann geht nach 15 Jahren an der Spitze des Südweststaates zu Ende. Die Landtagswahl in Baden-Württemberg entwickelte sich zu einem der spannendsten politischen Ereignisse der letzten Jahre und markiert den Auftakt in ein Superwahljahr mit insgesamt fünf Landtagswahlen. Die Prognosen nach Schließung der Wahllokale zeigen ein äußerst knappes Rennen zwischen den etablierten Volksparteien.

Grüne und CDU im erbitterten Zweikampf um die Regierungsmacht

Die Baden-Württemberger müssen sich noch etwas gedulden, bis ihr künftiger Regierungschef feststeht. Die ersten Hochrechnungen von ARD und ZDF deuten auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Grünen und der CDU hin, wobei die Ökopartei einen minimalen Vorsprung behauptet. Die Grünen unter Spitzenkandidat Cem Özdemir kommen demnach auf Werte zwischen 31,5 und 32 Prozent, während die Christdemokraten von Manuel Hagel bei 29 bis 30,5 Prozent liegen.

Die entscheidende Frage lautet: Kann Manuel Hagel die Staatskanzlei in der Villa Reitzenstein für seine CDU zurückerobern und damit der jüngste Ministerpräsident in der Geschichte Baden-Württembergs werden? Oder darf Cem Özdemir in die großen Fußstapfen des langjährigen Landesvaters Winfried Kretschmann treten und die grüne Regierungszeit fortsetzen?

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Neue Sitzordnung im Stuttgarter Landtag erwartet

Die Handwerker, die nach der Wahl die Sitzordnung im Plenarsaal neu gestalten müssen, können sich auf umfangreiche Umbauarbeiten einstellen. Besonders dramatisch ist die Situation für die FDP, die laut Prognosen bei etwa 4,5 Prozent liegt und damit um den Wiedereinzug in den Landtag bangen muss. Sollten die Liberalen die Fünf-Prozent-Hürde verfehlen, würden sie erstmals in ihrem Stammland aus dem Parlament fliegen, dem sie seit über sieben Jahrzehnten angehören.

Landeschef Hans-Ulrich Rülke hatte die Wahl als „Mutter aller Wahlen“ bezeichnet und deutlich gemacht, dass ein Scheitern in Baden-Württemberg existenzielle Folgen für die gesamte Partei haben könnte. Auch die Linke muss zittern – trotz monatelang guter Umfragewerte kommt sie ebenfalls auf etwa 4,5 Prozent. Unklar bleibt, ob sie zum ersten Mal den Sprung ins baden-württembergische Parlament schafft.

AfD verdoppelt Stimmenanteil – bleibt aber isoliert

Die Rechtspopulisten von der AfD erreichen nach den Prognosen beachtliche 17,5 bis 18 Prozent und verdoppeln damit ihr Ergebnis von der Landtagswahl 2021, als sie noch 9,7 Prozent erzielten. Allerdings scheint die 20-Prozent-Marke in einem westdeutschen Bundesland weiterhin unerreichbar zu bleiben. Spitzenkandidat Markus Frohnmaier, der als sogenannter „Ministerpräsidentenkandidat“ antrat, setzte im Wahlkampf neben einer restriktiveren Migrationspolitik vor allem auf die Rettung der Autoindustrie und die Senkung der Energiepreise.

Trotz des bemerkenswerten Erfolgs wird der Bundestagsabgeordnete in Berlin bleiben, da er gar nicht für den Landtag kandidierte. Die AfD wird auf absehbare Zeit in der Opposition verharren, da keine etablierte Partei eine Koalition mit den Rechtspopulisten eingehen will.

Rekord-Wahlbeteiligung durch Reformen

Die Wahlbeteiligung liegt nach ersten Schätzungen zwischen 69,5 und 71,5 Prozent und damit deutlich höher als bei der letzten Landtagswahl 2021, die bei 63,8 Prozent lag. Insgesamt waren etwa 7,7 Millionen Wahlberechtigte zur Stimmabgabe aufgerufen – laut Statistischem Landesamt so viele wie nie zuvor in der Geschichte Baden-Württembergs.

Grund für die erhöhte Beteiligung sind zwei wesentliche Reformen: Erstmals durften in Baden-Württemberg 16- und 17-Jährige an der Landtagswahl teilnehmen. Zusätzlich hatten die Wählerinnen und Wähler im Südwesten erstmals zwei Stimmen zur Verfügung, ähnlich wie bei Bundestagswahlen.

Koalitionsgespräche stehen bevor – Kontinuität erwartet

In den kommenden Wochen werden zunächst Sondierungsgespräche stattfinden, bevor die eigentlichen Koalitionsverhandlungen beginnen. Der Wahlsieger wird traditionell zu diesen Gesprächen einladen. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass es in Baden-Württemberg vermutlich keinen radikalen politischen Neuanfang geben wird.

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Wenn sich keine großen Überraschungen ergeben, dürften dieselben Parteien an der Macht bleiben wie in den vergangenen zehn Jahren. Alles deutet auf eine Fortsetzung der Koalition von Grünen und CDU hin, auch wenn CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel eine sogenannte Deutschland-Koalition mit SPD und FDP bevorzugt hätte. Die Prognosen geben für diese Konstellation jedoch keine Mehrheit im Landtag her. Nach den teils scharfen Anfeindungen im Wahlkampf könnten die anstehenden Koalitionsgespräche allerdings in einer angespannten Atmosphäre stattfinden.