Landtagswahl 2026: Kopf-an-Kopf-Rennen im Südwesten spitzt sich zu
Was monatelang als fast entschieden galt, entwickelt sich in den letzten Tagen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg zu einem dramatischen Finale. Eine neue repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag der ARD zeigt: Die Grünen haben die CDU nahezu eingeholt und liegen nur noch einen Prozentpunkt hinter der bisher führenden Union.
Umfrageergebnisse im Detail
Würde bereits am kommenden Sonntag, dem 8. März 2026, gewählt, kämen die Grünen auf 27 Prozent der Stimmen. Die CDU erreicht in der aktuellen Erhebung 28 Prozent. Damit hat sich der Abstand zwischen den beiden größten Parteien im Südwesten innerhalb weniger Wochen dramatisch verringert.
Die Entwicklung im Vergleich:
- Ende Januar lagen die Grünen mit 23 Prozent noch sechs Punkte hinter der CDU (29 Prozent)
- Im Oktober 2025 betrug der Abstand sogar noch neun Prozentpunkte
- Die aktuelle Umfrage wurde zwischen dem 23. und 25. Februar durchgeführt
Verschiebungen im Parteienspektrum
Die AfD muss in der neuen Umfrage leichte Verluste hinnehmen und kommt auf 18 Prozent der Stimmen. Das sind zwei Prozentpunkte weniger als im Januar. Besonders dramatisch ist die Situation für die Linke: Mit nur noch 5,5 Prozent muss die Partei um den Einzug in den Landtag bangen. Im Januar hatte sie noch bei 7 Prozent gelegen.
Die FDP wäre mit 6 Prozent knapp wieder im Parlament vertreten, während die SPD auf 7 Prozent kommt und damit erneut einen Prozentpunkt verliert. Zum Vergleich: Bei der letzten Landtagswahl im März 2021 hatten die Grünen noch 32,6 Prozent erreicht, die CDU kam auf 24,1 Prozent.
Die Kandidaten und ihre Chancen
Amtsinhaber Winfried Kretschmann von den Grünen tritt nach drei Amtszeiten nicht mehr an. Um seine Nachfolge bewerben sich gleich mehrere Kandidaten:
- Cem Özdemir (Grüne) - aktuell fast gleichauf in den Umfragen
- Manuel Hagel (CDU) - verliert in letzter Minute an Boden
- Markus Frohnmaier (AfD) - ohne realistische Chancen auf Koalitionen
Die Landesvorsitzenden der Grünen, Lena Schwelling und Pascal Haggenmüller, kommentierten das Umfrageergebnis mit deutlichen Worten: „Zehn Tage vor der Wahl steht fest: Die Menschen wollen Cem Özdemir als Ministerpräsidenten. Nur er hat die Erfahrung, die es in diesen unsicheren Zeiten braucht.“
Der Hagel-Effekt im Wahlkampf
Interessant ist der Zeitpunkt der Umfrage: Sie wurde genau in jenem Zeitraum durchgeführt, in dem ein acht Jahre altes Interview mit CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel für Wirbel sorgte. In dem Video äußerte sich Hagel über einen Schulbesuch und beschrieb dabei eine Schülerin mit den Worten: „Ich werd's nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.“
Hagel räumte nach der Veröffentlichung ein: „Der Einstieg für dieses Interview 2018 war Mist. Meine Frau hat mir damals direkt den Kopf gewaschen.“ Ob diese Kontroverse den Umfragewert der CDU beeinflusst hat, bleibt spekulativ, der zeitliche Zusammenhang ist jedoch auffällig.
Methodische Hinweise zur Umfrage
Für die Infratest-Umfrage wurden 1.530 Wahlberechtigte in Baden-Württemberg befragt. Die statistische Fehlertoleranz liegt zwischen zwei und drei Prozentpunkten. Experten weisen darauf hin, dass Wahlumfragen generell mit Unsicherheiten behaftet sind. Nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen erschweren den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten.
Eine Anfang der Woche veröffentlichte Umfrage des Instituts Insa zeigte die Grünen ebenfalls im Aufwind, allerdings lag die CDU dort noch sechs Prozentpunkte vorn. Diese Befragung wurde allerdings vor den Diskussionen um das Hagel-Video durchgeführt.
Am 8. März 2026 entscheiden die Bürgerinnen und Bürger Baden-Württembergs nicht nur über die Sitzverteilung im Landtag, sondern auch darüber, wer Nachfolger von Ministerpräsident Winfried Kretschmann wird. Das Rennen ist so offen wie nie zuvor in diesem Wahlkampf.



