Massimo de Matteis: Ein ungewöhnlicher Weg zur Oberbürgermeister-Wahl
Am 12. April tritt Massimo de Matteis als Kandidat der Volt-Partei zur Schweriner Oberbürgermeister-Wahl an. Der 64-Jährige setzt bewusst auf leise Töne statt auf laute Wahlkampfversprechen und möchte Schwerins Verwaltung menschlicher gestalten. Seine Vision: eine erreichbare Verwaltung, effizientere Abläufe und ein stärkeres Miteinander der Generationen.
Eine europäisch geprägte Biografie
Massimo de Matteis bezeichnet sich selbst als „Prototyp eines Europäers“. Geboren in Dortmund mit niederländisch-italienischen Wurzeln, verbrachte er seine Jugend zwischen verschiedenen Kulturen. Die Sommer in Italien und Ferien in den Niederlanden prägten seinen Pragmatismus und seine Weltsicht nachhaltig. Sein Lebensweg verlief jedoch alles andere als geradlinig.
Eigentlich für eine diplomatische Karriere vorgesehen, entschied sich de Matteis um und setzte sich ein ambitioniertes Ziel: Rockstar bis Ende zwanzig. Plattenverträge, Tourneen und das bewegte Leben der 1980er-Jahre bestimmten diese Phase. Doch dann folgte die bewusste Wende: „Ich beschritt den bürgerlichen Weg ins Berufsleben.“
Vom Juristen zum Verwaltungsexperten
Der zweite Lebensabschnitt führte de Matteis zum Jurastudium, Referendariat und schließlich zur Zulassung als Rechtsanwalt. In Köln beriet er Film- und Fernsehproduktionen und arbeitete eng mit Kulturschaffenden zusammen – ein Berufsfeld zwischen Kreativität und Paragrafen.
Der Weg nach Schwerin begann mit einer besonderen Begegnung: „Im Jahr 2001 kam eine Schwerinerin in meine Kölner Kanzlei. Ich habe ihr keine Rechnung gestellt. Wir haben geheiratet“, erzählt de Matteis mit einem Lachen. 2005 zog die Familie mit zwei kleinen Töchtern in die Landeshauptstadt, eine Entscheidung, die er rückblickend als „hervorragend aus familiärer Sicht“ bezeichnet.
In Schwerin begann auch beruflich ein neuer Abschnitt: De Matteis verließ die Anwaltschaft, wechselte in den öffentlichen Dienst und sammelte Erfahrungen auf Bundesebene, in der Schweriner Ausländerbehörde, beim Deutschen Roten Kreuz und im Wirtschaftsministerium. Diese Zeit gab ihm tiefe Einblicke in Verwaltungsstrukturen mit all ihren Möglichkeiten und Grenzen.
Politische Motivation und Vision für Schwerin
Der Entschluss, politische Verantwortung zu übernehmen, reifte im privaten Umfeld, besonders in Gesprächen mit seinen Kindern. „Aufgrund geopolitischer Lagen wird es Zeit, dass ich als ,Boomer‘ antrete“, erklärt de Matteis. Engagement statt bloßer Kommentare – dafür fand er seine politische Heimat in der Volt-Partei, deren europäische Ausrichtung ihm besonders naheliegt.
Sein Programm für Schwerin verzichtet bewusst auf große Gesten und setzt stattdessen auf viele kleine Stellschrauben:
- Digitalisierung soll Prozesse vereinfachen und vor allem Menschen entlasten
- Die Verwaltung soll wieder mehr Zeit für direkten Bürgerkontakt haben
- Ein generationenübergreifendes Miteinander soll das Stadtleben bereichern
- Fahrradfreundliche Strukturen nach niederländischem Vorbild
- Barrierefreiheit für alle Bürger, „auch für den, der mit dem Rollator unterwegs ist“
Gelassenheit aus Lebenserfahrung
Auf die Frage, woran die Schweriner erkennen würden, dass er Oberbürgermeister ist oder war, bleibt de Matteis charakteristisch zurückhaltend: „Wenn die Menschen ein entwickeltes Wir-Gefühl haben“. Dieser besondere Ton – kein Lautsprecher, sondern ein Vermittler – scheint aus seiner vielfältigen Lebenserfahrung zu resultieren. Oder wie er es selbst formuliert: „Scheitern kann man immer, aber das bedeutet, Krönchen auf, weitermachen.“



