Italien: Melonis umstrittene Justizreform scheitert im Referendum
Melonis Justizreform scheitert im Referendum

Niederlage für Meloni: Italiener lehnen Justizreform ab

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat eine deutliche politische Schlappe erlitten. Bei einem landesweiten Referendum sprach sich die Mehrheit der Italienerinnen und Italiener gegen ihre umstrittene Justizreform aus. Meloni gestand die Niederlage umgehend ein und zeigte sich enttäuscht über das Ergebnis.

Klares Votum gegen Reformpläne

Nach einer Hochrechnung des staatlichen Fernsehsenders Rai lehnten 53,9 Prozent der Wählerinnen und Wähler den Reformvorschlag der rechten Koalitionsregierung ab. Lediglich 46,1 Prozent stimmten dafür. Andere Meinungsforschungsinstitute bestätigten dieses klare Bild, wobei das endgültige amtliche Ergebnis erst im Laufe des Montags erwartet wird.

In einer Videobotschaft auf der Plattform X äußerte sich die 49-jährige Regierungschefin: "Die Italiener haben entschieden. Und wir respektieren diese Entscheidung." Gleichzeitig bedauerte sie "eine verlorene Chance, Italien zu modernisieren."

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Bemerkenswert hohe Wahlbeteiligung

Besonders auffällig war die außergewöhnlich hohe Wahlbeteiligung. Rund 58 Prozent der mehr als 46 Millionen Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab – ein bemerkenswerter Wert für eine Volksabstimmung in Italien. Das Referendum galt allgemein als wichtiger Stimmungstest vor der nächsten regulären Parlamentswahl, die für den Herbst 2027 geplant ist.

Umstrittene Reforminhalte

Die von Melonis Koalition aus drei rechten und konservativen Parteien vorgeschlagene Justizreform sah folgende wesentliche Änderungen vor:

  • Trennung der Laufbahnen von Richtern und Staatsanwälten nach europäischem Vorbild
  • Einführung neuer Selbstverwaltungsorgane für Richter und Staatsanwälte
  • Beteiligung des Parlaments an der Besetzung dieser Gremien

Kritiker der Reform, darunter die Opposition und mehrere Richter- und Staatsanwaltsorganisationen, warfen der Regierung vor, durch diese Maßnahmen die Unabhängigkeit der Justiz zu gefährden und sich die Rechtsprechung gefällig machen zu wollen.

Historischer Kontext und Reformbedarf

Die italienische Rechte klagt seit Jahrzehnten über eine angebliche parteipolitische Voreingenommenheit der Justiz. Bereits der frühere Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der selbst mehrfach vor Gericht stand, beschwerte sich regelmäßig über sogenannte "rote Roben".

Trotz des politischen Streits besteht in Italien weitgehend Einigkeit darüber, dass das Justizsystem reformbedürftig ist. Die Verfahrensdauer ist im internationalen Vergleich überdurchschnittlich lang, und laut Umfragen vertrauen nur vier von zehn Italienern ihrer Justiz.

Politische Auswirkungen

Für die Vorsitzende der Rechtspartei Fratelli d'Italia bedeutet das Scheitern der Justizreform eine schwere Niederlage, etwa anderthalb Jahre vor der nächsten regulären Parlamentswahl. Meloni hatte vor dem Referendum ausgeschlossen, bei einem Nein persönliche Konsequenzen zu ziehen.

Interessanterweise liegt die 49-jährige Ministerpräsidentin in allen aktuellen Umfragen mit ihrer Partei weiterhin deutlich vor allen politischen Konkurrenten. Zudem regiert sie bereits länger als die meisten ihrer Vorgänger in diesem Amt.

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