Berliner Wahlkampf: Michael Müller sieht Dreierbündnisse kritisch
Der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller von der SPD, hat sich in einem aktuellen Interview zur anstehenden Abgeordnetenhauswahl geäußert und dabei vor den Herausforderungen von Dreier-Koalitionen gewarnt. Die Wahl findet am 20. September 2026 statt, und Müller rechnet mit einem äußerst spannenden Ausgang, da die Parteien in den Umfragen sehr eng beieinanderliegen.
Erfahrungen aus der Ampelkoalition auf Bundesebene
Michael Müller verwies auf die Erfahrungen mit der Ampelkoalition auf Bundesebene, um seine Skepsis zu untermauern. „Wir haben es sogar auf Bundesebene gesehen mit der Ampel: Eine Dreierkonstellation ist eine andere politische Welt“, erklärte er der Deutschen Presse-Agentur. Er betonte, dass selbst erfahrene Politiker wie Christian Lindner, Robert Habeck und Olaf Scholz Schwierigkeiten hatten, eine stabile Regierungsarbeit zu gewährleisten.
Müller, der von 2014 bis 2021 an der Spitze Berlins stand, sprach aus eigener Erfahrung. Von 2014 bis 2016 regierte er in einem Senat aus SPD und CDU, ab 2016 führte er eine rot-rot-grüne Koalition an, bei der die SPD die stärkste Partei war. Seit 2023 regieren in Berlin CDU und SPD gemeinsam.
Besondere Herausforderungen bei Koalitionen mit drei Parteien
„Es ist in einem Dreierbündnis ganz schwer zu regieren, weil sie sofort diese Situation haben: zwei gegen einen, zwei kleine gegen den Großen oder wie auch immer“, so Müller. Er machte deutlich, dass die Dynamik in solchen Konstellationen oft zu Blockaden und politischen Machtspielen führen kann.
Besonders heikel wäre aus seiner Sicht heute eine Koalition mit Linken und Grünen in Berlin. „Es gibt eine politische Nähe und politische Schnittstellen, aber die Linkspartei heute ist eine andere, als ich sie kennengelernt habe“, sagte der Ex-Regierungschef, der mehr als 25 Jahre in der Landespolitik aktiv war. Er beschrieb die heutige Linkspartei als von Aktivisten aus verschiedenen Lebensbereichen geprägt, was das Regieren zusätzlich erschwere.
Umfragen zeigen knappe Verhältnisse
Entscheidend für die Bildung einer Dreierkoalition sei die Frage, welche Partei die Nase vorn habe. „Das wird auch nicht einfach, so eng wie die Parteien in den Umfragen beieinanderliegen“, sagte Müller. „Da macht vielleicht ein einziges Prozent den Unterschied, wer ins Rote Rathaus einzieht. Also diesmal wird es wirklich spannend.“
Aktuelle Umfragedaten untermauern diese Einschätzung:
- Nach einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Insa liegt die CDU mit 22 Prozent in Berlin vorn.
- Die AfD folgt mit 17 Prozent.
- SPD und Grüne sowie Linke bewegen sich jeweils zwischen 14 und 18 Prozent.
CDU und SPD haben in diesen Umfragen keine Mehrheit mehr, was die Notwendigkeit von Bündnissen mit weiteren Parteien unterstreicht. Auch andere Institute bestätigten im Januar ähnliche Werte, mit der CDU an der Spitze und den anderen Parteien in einem engen Feld dahinter.
Ausblick auf die Wahl und mögliche Regierungsbildung
Bis zum Wahltag am 20. September 2026 könne es noch viel Bewegung geben, betonte Müller. Dennoch deute vieles auf eine Dreierkonstellation hin, was das Regieren schwierig mache. Seine Warnung vor solchen Bündnissen basiert auf praktischen Erfahrungen und der aktuellen politischen Landschaft in Berlin.
Die engen Umfragewerte und die veränderte politische Ausrichtung der Linkspartei stellen nach Müllers Ansicht besondere Hürden für eine stabile Regierungsarbeit dar. Die Berliner Wahl verspricht somit nicht nur spannend zu werden, sondern auch komplexe Verhandlungen und möglicherweise instabile Koalitionen nach sich zu ziehen.



