Rapper Balen Shah als neuer Premierminister von Nepal vereidigt
Drei Wochen nach den Parlamentswahlen in Nepal hat das Land einen neuen Regierungschef: Balendra »Balen« Shah, ein 35-jähriger Rapper und ehemaliger Bürgermeister der Hauptstadt Kathmandu, wurde als Premierminister vereidigt. Shah trat als Spitzenkandidat der Rastriya Swatantra Party (RSP) an, einer erst wenige Jahre alten politischen Bewegung, der er sich vor Kurzem angeschlossen hatte.
Erdrutschsieg gegen etablierte Politiker
Shah setzte sich in den Wahlen gegen den langjährigen Premierminister K. P. Sharma Oli durch und gewann sogar in dessen Hochburg Jhapa. Dieser überraschende Erfolg markiert einen deutlichen politischen Wandel in dem südasiatischen Land. Auslöser für die Neuwahlen war eine massive Protestwelle junger Nepalesinnen und Nepalesen, die sich gegen Korruption, Vetternwirtschaft und politische Stagnation richtete.
Die Unruhen eskalierten nach einer Blockade sozialer Medien, wobei nach Angaben aus dem Umfeld der Protestbewegung Dutzende Menschen bei Zusammenstößen mit der Polizei starben und Tausende verletzt wurden. Diese Ereignisse führten zum Rücktritt von Premierminister Oli, der später jedoch erneut kandidierte.
Von der Musikbühne in die Politik
Balendra Shah, der 1990 in Kathmandu geboren wurde und Ingenieurwesen studierte, erlangte 2013 durch ein Rap-Battle nationale Bekanntheit. Vor seiner Vereidigung zum Premierminister veröffentlichte er einen neuen Song mit dem Titel »Undivided Nepali«, in dem er Optimismus für das Land beschwört: »Vereinte Nepalesen, diesmal wird Geschichte geschrieben«, rappt der neue Regierungschef.
Während seiner dreijährigen Amtszeit als Bürgermeister von Kathmandu polarisierte Shah mit drastischen Maßnahmen: Er initiierte großangelegte Aufräumaktionen, ging hart gegen illegale Bauten vor und unterband den informellen Straßenhandel. Menschenrechtsorganisationen warnten damals vor einem autoritären »Durchregieren« mit Polizeigewalt und forderten einen stärker regelbasierten Kurs.
Hohe Erwartungen und große Herausforderungen
Der neue Premierminister steht vor enormen Erwartungen, insbesondere von der jungen Generation Z, die seine Wahl maßgeblich unterstützte. Shah versprach einen entschlossenen Kampf gegen Korruption, umfassende Justizreformen und die Schaffung von 1,2 Millionen neuen Arbeitsplätzen.
Wie er diese ambitionierten Ziele in einem wirtschaftlich angeschlagenen Land umsetzen will, bleibt jedoch unklar. Nepal befindet sich in einer geopolitisch sensiblen Lage zwischen den Großmächten Indien und China und ist auf ein heikles außenpolitisches Gleichgewicht angewiesen. Die RSP verfügt zudem über wenig außenpolitische Erfahrung, was die Herausforderungen für die neue Regierung zusätzlich vergrößert.
Die Vereidigung von Balen Shah markiert einen historischen Moment für Nepal, der den Wunsch nach politischem Wandel und einer Abkehr von etablierten Strukturen deutlich macht. Ob der Rapper-turned-Politiker die hohen Erwartungen erfüllen kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.



